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Christian Klar: RAF-Terrorist bald Bühnentechniker?

Der inhaftierte RAF-Terrorist Christian Klar könnte demnächst ein Praktikum als Bühnentechniker am Berliner Ensemble antreten. Das Theater erneuerte sein Angebot an Klar.

Das von Claus Peymann seinerzeit dem inhaftierten Ex-RAF-Terroristen Christian Klar angebotene Praktikum als Bühnentechniker am Berliner Ensemble gilt noch immer. Das sagte eine Sprecherin des Theaters am Bertolt-Brecht-Platz. Ob es jetzt wieder aktuell werden könne, hänge "von der Entwicklung ab". Zurzeit wird in der Öffentlichkeit darüber kontrovers diskutiert, ob Bundespräsident Horst Köhler das einstige Mitglied der "Roten Armee Fraktion" (RAF) nach 24 Jahren Haft begnadigen soll.

Der heute 54-jährige Klar ist seit 1982 in Bruchsal inhaftiert und war wegen gemeinschaftlich verübten, mehrfachen Mordes an Siegfried Buback, Jürgen Ponto und Hanns-Martin Schleyer zu fünf Mal lebenslanger Freiheitsstrafe und einer zeitlichen Freiheitsstrafe von 15 Jahren rechtskräftig verurteilt worden. Dabei wurde die "besondere schwere der Schuld" festgestellt, die eine vorzeitige Haftentlassung verhindern soll.

Hinter seinem Praktikumsangebot stehe der Gedanke der Resozialisierung, hatte Peymann seinerzeit betont. Das Angebot konnte Klar aber damals nicht annehmen. Eine Entscheidung über einen Freigang Klars sei vor 2007 nicht angezeigt, hatte damals ein Justizsprecher in Stuttgart gesagt. "Somit erübrigt sich auch eine Verlegung des Gefangenen in den offenen Vollzug nach Berlin." In Baden-Württemberg ist ein Freigang frühestens 18 Monate vor einem vorgesehenen Entlassungstag möglich. Klar hatte bereits einen Antrag auf Verlegung nach Berlin gestellt.

Das Justizministeriums in Stuttgart betonte damals, nach einem Beschluss des Oberlandesgerichts (OLG) Stuttgart sei die Vollstreckung der Freiheitsstrafe für mindestens 26 Jahre geboten. Frühester Entlassungszeitpunkt für Klar ist demnach der 3. Januar 2009. Für ein Praktikum in Berlin müsste der Gefangene aber den Status eines Freigängers haben.

Spendenaufruf für die zahnärztliche Behandlung

Peymann hatte schon in der Vergangenheit mit Angeboten an RAF- Mitglieder für Schlagzeilen gesorgt. Als Schauspieldirektor in Stuttgart hatte er 1977 einen Spendenaufruf für die zahnärztliche Behandlung von inhaftierten RAF-Mitgliedern wie Gudrun Ensslin im Theater aushängen lassen. Unter politischem Druck der CDU-Regierung verzichtete Peymann auf eine Verlängerung seines Stuttgarter Vertrages und wechselte nach Bochum.

Mit seinem Angebot an Klar habe er sich in enger Absprache und mit Zustimmung des Betriebsrates einer Initiative mehrerer Künstler angeschlossen, hatte Peymann erläutert. Nach so vielen Jahren Haft müsse Klar eine Chance zur Rückkehr in die Gesellschaft haben. Klar gehörte von 1976 bis zu seiner Festnahme 1982 zu den führenden Köpfen der RAF.

Rau vermisste Schuldeinsicht

Unterdessen untermauerten Gegner und Befürworter einer Begnadigung Klars weiter ihre Sichtweisen. Die Einschätzung des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau könnte den Gegnern einer Begnadigung Klars Auftrieb geben: Rau vermied nach dpa- Informationen eine Entscheidung über Klars 2003 gestelltes Gnadengesuch, weil er bei ihm Einsicht in seine Schuld vermisste. Dagegen hatte Rau die RAF-Mitglieder Adelheid Schulz und Rolf Clemens Wagner zuvor begnadigt. Rau hatte sich nach Angaben von Vertrauten intensiv mit dem Gesuch und der Person Klars beschäftigt. Nach der Begnadigungspraxis aller Bundespräsidenten kommt es auf Gnadenwürdigkeit und -bedürftigkeit an. Ein Gnadenakt darf das Urteil nicht aushöhlen.

Die für eine Gnadenwürdigkeit nötige Einsicht und Reue sah Rau bei Klar aber noch nicht gegeben. Das setze eine glaubwürdige Distanz von der Tat voraus, hieß es bei Raus Vertrauten. Es habe damals öffentliche Erklärungen Klars gegeben, die dem entgegengestanden hätten. Der heute 54 Jahre alte Klar, der seit 24 Jahren hinter Gittern sitzt, hatte 2001 in einem Interview an seiner Überzeugung festgehalten: "Ich überlasse der anderen Seite ihre Gefühle und respektiere sie, aber ich mache sie mir nicht zu eigen."

Köhler will Klar nicht sehen

Die Entscheidung liegt nun bei Raus Nachfolger Horst Köhler. Das Präsidialamt dementierte am Montag aber Meldungen über ein geplantes Treffen Köhlers mit Klar. Die "Bild"-Zeitung hatte berichtete, Köhler überlege, sich in einem persönlichen Gespräch mit Klar ein eigenes Bild zu machen. Ein Sprecher des Präsidialamts nannte das "Spekulationen ohne konkreten Hintergrund". Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der ebenfalls RAF-Mitglieder begnadigte, hatte seinerzeit mit den Inhaftierten selbst gesprochen.

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle sprach sich erneut gegen eine Begnadigung Klars aus. Es müsse weiter gelten: "Keine Gnade ohne Reue." Es sei unvorstellbar, einen Serienmörder zu begnadigen, der sich nicht eindeutig von seinen Taten distanziere. Der Grünen-Rechtsexperte Hans Christian Ströbele plädierte in der Berliner "B.Z." für eine vorzeitige Entlassung. Von Klar gehe keine Gefahr mehr aus. "Man sollte eine Entschuldigung bei den Angehörigen der Opfer nicht zur Bedingung dafür machen, denn echte Versöhnung und Reue kann man nicht erzwingen."

DPA/Reuters / DPA / Reuters