CSU-Tagung Der Kreuther Geist bleibt in der Flasche


Glänzend gelaunt, rundum auf innerparteiliche Harmonie bedacht, präsentiert sich die CSU auf ihrer alljährlichen Tagung im Wildbad Kreuth. Heftig gestritten haben sich die CSU-Bundestagsabgeordneten früher dort schon oft. Mit Blick auf den Bundestagswahlkampf haben sie sich jetzt beste weiß-blaue Laune verordnet.
Von Hans Peter Schütz, Wildbad Kreuth

"Gebt euch doch einen Bruderkuss", rufen die Fotografen, als Horst Seehofers silberfarbener BMW endlich im Wildbad Kreuth vorfährt und Peter Ramsauer ihm die Autotür aufreißt. Doch das war dem bayerischen Ministerpräsidenten und dem Chef der CSU-Bundestagsabgeordneten dann wohl doch zuviel Parteifreundschaft. Gut gepasst hätte solch ein Männer-Busserl allerdings ins Klima dieser 33. CSU-Tagung im Wildbad Kreuth. Denn die Christsozialen präsentieren sich in bester Laune.

Wähler bekennen sich zur CSU

Schnee liegt, die Sonne scheint. Und selbst die Demoskopie trägt zum Auftakt des Treffens zu strahlenden Gesichtern der CSU-Politiker bei. Das Hamburger Markt- und Sozialforschungsinstitut GMS liefert Anzeichen eines neuen politischen Aufschwungs der Partei, die bei der Landtagswahl mit 43,6 Prozent ins schlimmste Tief ihrer Geschichte gestürzt war: Immerhin schon wieder 45 Prozent der bayerischen Wähler bekennen sich jetzt erneut zur CSU, bei der Bundestagswahl käme sie sogar auf 48 Prozent. "Die Welt wird wieder weiß-blau", schwärmt da bereits der CSU-Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk.

Auch sonst geht es ungewöhnlich harmonisch zu in der CSU, die sich in der Vergangenheit in Kreuth mehr als einmal schon intern am liebsten die Bierkrüge an den Kopf geworfen hätte. Noch ist allen gut in Erinnerung, wie man Anfang 2007 hier Edmund Stoiber zum Rücktritt gezwungen hat. Wie hier eine Phase der Selbstzerfleischung der CSU begann, deren Folgen erst jetzt allmählich überwunden werden. "Der Kreuther Geist bleibt dieses Jahr in der Flasche", heißt die Devise, die immer wieder beschworen wird.

Ramsauer als Spitzenkandidat der CSU

Alles stimmt, als sich die CSU-Bundestagsabgeordneten im Seminarraum 6 zur ersten Diskussionsrunde versammeln. Ramsauer bimmelt lange mit dem Glöckchen des Vorsitzenden und begrüßt dann den "sehr geehrten Ministerpräsidenten" und hängt schnell ein "Lieber Horst" an. Der revanchiert sich auf die bestmögliche Art: Er schlägt Ramsauer als Spitzenkandidat der CSU für die Bundestagswahl vor - womit ein weiteres Zoff-Thema der Partei endlich erledigt war. Der Mittelständler Michelbach strahlt. "Bei uns ist Friede angesagt", ruft er, und verbietet für die nächste Zukunft "unkonstruktives Verhalten sowie Solotouren".

Ausgestanden auch der Streit um die Europawahl, bei der Seehofer die Absicht gehabt hat, die Strauß-Tochter Monika-Hohlmeier auf dem ersten Platz der CSU-Liste zu platzieren. Dort darf erneut Markus Ferber antreten, der sich zunächst schrecklich über das Manöver Seehofers geärgert hatte. Jetzt redet er gegenüber stern.de plötzlich von einem "genialen Schachzug Seehofers", denn nach der hitzigen Diskussion darüber wisse Jedermann in Bayern Bescheid, wie wichtig die kommende Europawahl für die CSU sei.

Hervorragende Zusammenarbeit

Weiß-blauer Himmel, wohin die Bajuwaren blicken. Zur Partnerschaft mit Ramsauer, die nicht immer von Harmonie getragen war, fällt Seehofer jetzt der Satz ein: "Ich habe hervorragend mit ihm zusammengearbeitet." Nicht eine Sekunde habe er daran gedacht, ihm den Spitzenplatz bei der Bundestagswahl zu nehmen. Wirtschaftsminister Michael Glos, von dem selten klare Worte zu hören sind, ist glücklich, dass er sich kraftvoll zur Gas-Krise äußern darf. "Es ist unerträglich, dass halb Europa im Gasgeschäft als Geisel genommen wird." Und selbst vom SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering lässt sich diese CSU nicht ärgern. Dass der gesagt hat, man müsse beim Thema Steuersenkung halt nachgeben, wenn dies die Union "aus neurotischen Gründen" fordere, wird von Ramsauer fröhlich bespottet. Seine Partei sei gerne bereit, dem Genossen "Münte" einen psychologischen Grundkurs zu finanzieren, auf dem er sich alle in der Politik vorkommenden Seelenzustände erklären lassen könne.

Entschlossen in die Bundestagswahl

Seehofer gibt vor Beginn der ersten Sitzung noch einmal die Parole aus, wie er seine Partei künftig sehen will. "Die CSU geht entschlossen in die Bundestagswahl, um für eine bürgerliche Mehrheit zu kämpfen." Dann ruft er: "Wir sind gut drauf! Wir sind gut gelaunt!" Die CSU wolle eine vernünftige Politik für das Land machen. Und dies treu an der Seite von Angela Merkel. Damit alle wissen, wie wichtig ihm das ist, lässt er seine Partei auch wissen, es "ist geradezu ein Genuss, sie zu beobachten".

Ein Kompliment, das einem CSU-Mann vor gar nicht so langer Zeit niemals über die Lippen gekommen wäre. Doch das Kreuth von heute ist nicht das Kreuth von vor fünf Jahren. Damals nannte ein heute noch hochkarätiges Parteimitglied, nicht Seehofer, Angela Merkel eine "Ostwachtel". Dieser Geist darf jetzt nicht mehr aus der Flasche.


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