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CDU und CSU: Angela Merkel hätte sich wohl kaum träumen lassen, dass sie Seehofer einmal vermissen könnte

Einfach war das Verhältnis von CDU und CSU selten. Ausgerechnet das gescheiterte Jamaika-Experiment hat die Union aber zusammengeführt. Wie lange hält der Frieden, wenn die Bayern sich bald neu sortieren?

Angela Merkel und das Problem mit der der Personal-Union: Warum nun alle auf die CSU blicken

Angela Merkel (r.) und Horst Seehofer (l.) haben mühsam auf die "Einheit der Union" hingearbeitet - nun steht der Frieden auf der Kippe 

Immer wieder hat Horst Seehofer auf der Berliner Bühne zwischen "brüllendem bayerischen Löwen" und "schnurrendem Kätzchen" changiert - und den Flüchtlingskurs der Kanzlerin erbittert bekämpft. Wer hätte gedacht, dass Angela Merkel einmal die Berechenbarkeit des CSU-Chefs und Ministerpräsidenten vermissen könnte.

In den letztlich geplatzten Jamaika-Sondierungen sind die Spitzen von CDU und CSU aber zusammengerückt. Nun macht die sich anbahnende neue Personalaufstellung der Christsozialen die ohnehin vertrackten Bemühungen um eine neue Bundesregierung noch komplizierter.


Seehofers CSU-Dauerrivale steht in den Startlöchern 

Entscheidungen zur künftigen Machtverteilung schob die CSU am Donnerstag zwar erst einmal weiter auf. Nach der 38,8-Prozent-Schlappe bei der Bundestagswahl soll nun aber bis Anfang Dezember eine befriedende "Zukunftslösung" her. Dabei könnte es auf eine Ämtertrennung hinauslaufen. Der 68-Jährige könnte wieder als Parteichef antreten, bei der Landtagswahl im Herbst 2018 aber nicht erneut als Ministerpräsident. Aussichtsreicher Nachfolge-Aspirant: sein Dauerrivale Markus Söder. Fix ist aber nichts.

In der Union in Berlin machen sich trotzdem manche schon Gedanken darüber, dass Söder bald stärker mitmischen könnte. Bisher hat der langjährige Landes-Finanzminister keine größere Rolle auf dem Bundesparkett gespielt und hatte auch nicht sonderlich viel mit Merkel zu tun. Bei den Sondierungen mit FDP und Grünen, in denen die Finanzen ein Kernthema waren, gehörte er nicht mal zur CSU-Delegation. Stattdessen spielte Seehofer seine Erfahrung aus. Einigen fiel auch der neue Landesgruppenchef Alexander Dobrindt auf, der die Bundestags-CSU scharfkantiger positioniert als zuvor.

Angela Merkel ist auf "Einheit der Union" angewiesen

Auf die mühsam gefundene "Einheit der Union" kommt es für Merkel weiter an, wenn es womöglich in neuen Sondierungen mit der SPD um einen Plan B für eine Regierungsbildung geht. Immerhin haben  und CSU den zerstörerischen Streit ums Reizthema Flüchtlings-Obergrenze befriedet und blieben auch in den langen Jamaika-Wochen eng beieinander. In Stein gemeißelt ist der Friede aber nicht. Zumal sich die CSU mit jedem Tag stärker auf die Verteidigung ihrer absoluten Mehrheit daheim konzentrieren wird. Und da könnte es für bayerische Wahlkämpfer verlockend sein, sich auch gegen Berlin zu profilieren.

Zeigen müsste sich in einem Doppelspitzen-Szenario zudem, wie sich Seehofer damit arrangieren würde. Möglich wäre, dass der langjährige Bundespolitiker sich vorrangig um die Berliner Themen kümmert und eventuell gar selbst als Minister ins Bundeskabinett geht. Dass Merkel das Verhältnis zur CSU zur Not auch reduziert aufs Pragmatisch-Kühle pflegen kann, haben die bittersten Wochen des Asylstreits gezeigt. An der gemeinsamen Fraktion als Basis der Regierungsfähigkeit der Union will niemand ernsthaft rütteln.

fs/DPA