HOME

Wahlkampf: Schleswig-Holstein-Wahlkampf: Das ist dran am "Schlampen"-Vorwurf

Beschimpfte der schleswig-holsteinische CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther eine Gewerkschafterin als "Verdi-Schlampe"? Dem Vorwurf war Günther in einer TV-Sendung ausgesetzt. Es spricht allerdings wenig dafür, dass diese Worte gefallen sind.

NDR-Wahlarena mit SPD-Ministerpräsident Torsten Albig, Moderator Andreas Cichowicz und CDU-Herausforderer Daniel Günther

Die NDR-Wahlarena mit SPD-Ministerpräsident Torsten Albig, Moderator Andreas Cichowicz und CDU-Herausforderer Daniel Günther (v.l.n.r.): Gabriele Schwohn (in grüner Jacke im Publikum) sorgte mit ihrem Beleidigungsvorwurf für einen Eklat.

"Fair im Ton, hart in der Sache" - so lautete das Fazit des Norddeutschen Rundfunks nach seinem TV-Duell der Spitzenkandidaten von SPD und CDU zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Fair war es aber nicht immer, dazu trugen allerdings weniger die Kontrahenten als eine Zuschauerin bei:

Die "Wahlarena" genannte Sendung lief nach bekanntem Muster ab: Auf der einen Seite der beliebte Landesvater Torsten Albig, auf der anderen sein weitgehend unbekannter Unions-Herausforderer Daniel Günther. Gemeinsam stellten sie sich in Lübeck den Fragen der Wählerinnen und Wähler, sie stritten sich über Straßenbau, Kitaplätze oder marode Schulen im nördlichsten Bundesland.

Sagte Daniel Günther "Verdi-Schlampe"?

Als es um die Flüchtlingspolitik ging, meldete sich Gabriele Schwohn aus Flensburg zu Wort, sie stellte sich als ehrenamtliche Gewerkschafterin vor und begann mit einem Vorwurf an CDU-Kandidat Günther: "Herr Günther hat ja mit Gewerkschaften nicht so viel am Hut, er ist kein Freund von Gewerkschaften", stellte sie in den Raum. Nachdem Günther verdutzt aufschaute, legte sie nach und sorgte damit für einen Eklat: "Sie haben mich mal Verdi-Schlampe genannt!", so ihr heftiger Vorwurf. Die im Landtag gefallene Beleidigung könne man nachlesen.

Günther reagierte brüskiert: "Bei aller Liebe, eine solche Wortwahl ist mir nun wirklich fremd. Ich habe das in meinem Leben noch nie gesagt, noch nie zu Ihnen oder zu einem anderen Menschen. Das finde ich wirklich ungeheuerlich, mir so etwas vorzuwerfen." 

Gewerkschafterin rudert zurück - ein bisschen

Was ist dran am dem Vorwurf? Auf eine Anfrage des stern reagierte die stellvertretende Vorsitzende des schleswig-holsteinischen Landesbezirks Nord von Verdi bislang nicht. Der NDR sprach nach eigenen Angaben mit Gabriele Schwohn. Dem Sender zufolge ruderte sie schon nach der Sendung zurück, zumindest ein bisschen:

In den Protokollen der Kieler Landtagsverwaltung finden sich dementsprechend auch keine beleidigenden Äußerungen Daniel Günthers - das bestätigte Tobias Rischer, Sprecher des Landtags dem stern. Auch in den Ausschüssen des Parlaments habe es eine solche oder ähnliche Beleidigung nicht gegeben. 

Laut CDU-Kandidat Günther relativierte Schwohn Ihren Vorwurf ebenfalls etwas, er teilte den "Kieler Nachrichten" mit: "Sie sagte dann zu mir, dass sie es nicht selbst, sondern von Dritten gehört habe."

Gabriele Schwohn ist SPD-Mitglied

Besonders pikant an der Angelegenheit ist: Gabriele Schwohn sitzt gleichzeitig auch im Kreisvorstand der SPD in Flensburg. Günther fordert jetzt, dass sich die Partei von der Äußerung ihres Mitglieds distanziere und sich entschuldige. Die SPD ihrerseits wiegelt ab und betont, dass sie keinen Grund sehe, sich zu diesem Anlass zu äußern: "Die Auswahl des Publikums der NDR-Wahlarena wurde ausschließlich vom NDR vorgenommen. Auf die Auswahl hatten wir weder Einfluss noch hatten wir Kenntnis davon. Alles Weitere müssten die Beteiligten von CDU und Verdi (...) untereinander klären." Weder Torsten Albig noch die Partei hätten mit dem Vorgang etwas zu tun.

Günthers Bekanntheitsgrad dürfte der Vorwurf der Gewerkschafterin nicht geschadet haben. Ob er ihm allerdings im sich abzeichnenden Kopf-an-Kopf-Rennen mit Torsten Albig hilft, ist mehr als fraglich: Bei vielen der rund 270.000 Zuschauern der "Wahlarena" dürfte nur der Vorwurf, nicht aber die Richtigstellung, angekommen sein - fair ist das nicht.

Erste Pressekonferenz Donald Trumps als US-Präsident