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Der politische Abwasch der Woche Die Balla-Balla-Koalition


Vergesst Gauck, vergesst Hartz IV - jetzt beginnt die Fußball-WM. Darauf haben die Berliner Koalitionäre sehnlich gewartet. Zeit für den Abwasch (heute mit kleinem Zitate-Quiz).
Von Axel Vornbäumen

Samstagnachmittag, 13.30 Ihr, Port Elizabeth: Griechenland gegen Südkorea. Der Hammer! Rehakles gegen Kim de Dingsda. Sie werden verstehen, dass wir ein wenig in Eile sind. Hier, bitte, schnell noch den restlichen Abwasch der Woche erledigt, bevor mit jeder Flanke auf den kurzen Pfosten der Ärger über die soziale Unausgewogenheit des Sparpakets zu verblassen beginnt. Unter uns: Ein bisschen hat er das ja schon. Die Vuvuzelas vom Eröffnungsspiel noch im Ohr, rühren wir bereits deutlich entspannter im trüben Polit-Schaum herum. Wie hat es einer dieser ominösen "Regierungskreisler" am Donnerstag ausgedrückt: "Wenn wir es schaffen, den Sommer zu erreichen, schaffen wir auch die Legislatur." Mmh. Wahrscheinlich wäre korrekter gewesen, zu sagen: Wenn wir es schaffen, die WM zu erreichen, schaffen wir auch die Legislatur. War ja schon knapp genug. Hat aber gewirkt. Merkel? Moment, das war doch, das war doch, na, ach ja: die nette Dame, die in letzter Zeit so ein bisschen angegangen aus der Wäsche geguckt hat.

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Stopp! Wir wollen nicht unpolitischer werden als wir ohnehin schon sind. Damit nicht alles in Vergessenheit gerät, hier schnell mal ein Test: Wer spricht da gerade über wen? "Er lebt auf der Grundlage fester Werte und ist der Zukunft zugewandt." Der Papst über Bischof Mixa? Nee, kann nicht sein, wegen Zukunft. Mal weiter sehen: "Er liebt die Begegnung mit Menschen und redet anderen trotzdem nicht nach dem Mund." Jogi Löw über Franz Beckenbauer? Nein, auch falsch. Jetzt aber: "Gerade in diesen Zeiten kann jemand wie xy dem Land etwas geben, was es dringend braucht: Zuversicht!" Stefan Raab über Lena? Falsch. Lena über Stefan Raab? Falsch. Anne Will über Günter Jauch? Also bitte. Christian Wulff über Angela Merkel? Niemals! Angela Merkel über Christian Wulff? Bingo!

Hätten Sie nicht gedacht? Wir auch nicht. Es gilt aber, zumindest was den wackeren Bundespräsidentenkandidaten angeht, das gedruckte Wort, die Kanzlerin in der FAZ, dann muss es auch stimmen.

Jetzt der nächste Test: "Durchgeknallte Gurkentruppe". Die CSU über die FDP? Stimmt, war zu einfach. "Wildsau". Die FDP über die CSU? Na logo. Und da sage noch einer, Politik könne wegen ihres verwaschenen Vokabulars keine Zuversicht mehr verströmen. Geht doch!

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Augenblick mal, wir haben da gerade in unserem Abwaschwasser noch was gefund..., ah, da ist er ja: "Cleaner little brother", wie man neuerdings in Berlin über Rainer Brüderle zu scherzen beliebt. Der Wirtschaftsminister, in dieser Woche mit kantigem Kinn hervorgetreten, weil er den Opelanern keine Staatsknete zur Verfügung stellen will. Die Kanzlerin hatte da mal kurz interveniert, dass das letzte Wort darüber noch nicht gesprochen sei - und kurzzeitig hatte es so ausgesehen, als ob Brüderle eine Art "Glos reloaded" werden würde, nur halt ohne gefärbte Haare im Amt. Aber nix da, es gibt noch Zeichen und Wunder. Die Kanzlerin ist ein bisschen eingekickt. Jetzt heißt es zwar gleich wieder, mit ihrer Führungsfähigkeit sei es nicht so dolle, aber erstens wussten wir das auch schon vor der WM - und zweitens sind die Zeiten vermutlich auch in der Politik vorbei, wo es eines "Capitano" bedurft hätte... Ach, Klinsmann über Ballack, Sommermärchen. Wir schön, dass es die Koalition bis zur WM geschafft hat. Die Vuvuzelas so lieblich. Und gleich Rehakles gegen Kim de Dingsda...


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