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Der politische Abwasch der Woche Rüttgers mag Nudeln - achja


In 100 Jahren wird sich niemand mehr an die NRW-Wahl erinnern. An "Scheidewege" für Europa auch nicht. BP hat die Losung der Woche ausgegeben: Et hätt noch immer jot jegange. Zeit für den Abwasch.
Von Axel Vornbäumen

Ganz ehrlich? Wahrscheinlich wird es die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am Sonntag nicht mal als Fußnote in die Geschichtsbücher schaffen. Zu prall war das Leben in dieser ersten Maiwoche des Jahrs 2010 auf unserem Planeten, als dass, sagen wir: 100 Jahre später, sich Generationen noch mit einem gewissen Rüttgers befassen werden; mit diesem blassen Jürgen, der in jenen Tagen seinen müden Wahlkampf mit solch lahmen Anekdoten aufzupeppen gedachte, wie jener, dass Nudeln zu seinen Lieblingsspeisen gehörten.

Ist Ihnen was aufgefallen? Das war nun eben extra etwas komplizierter formuliert! Da im Netz ja praktisch nichts verloren geht, sollen spätere Generationen, die diesen Abwasch lesen werden, durch das feine rhetorische Stilmittel des gedrechselten Schachtelsatzes wenigstens ein bisschen in die Komplexität der damaligen Zeit eingeführt werden. Zeiten, in denen ratlose Politiker rastlos ihre Ratlosigkeit zu kaschieren versuchten. Ganze All-inclusive-Pakete der Ratlosigkeit waren in dieser Woche zu besichtigen, gerne auch in Berlin.

Wie war es so in jenen Maitagen? Ein Vulkan hat Asche in die Luft gespuckt (Island, unbeachtet), eine Bohrinsel Öl ins Meer (Golf von Mexiko, undicht), ein Griechenland sich selbst in die Suppe (Griechenland, unverdrossen). In Berlin wähnte eine Kanzlerin einen ganzen Kontinent am "Scheideweg", was für Angela Merkel schon ein enormes Quantum an Pathos ist, das aber seltsamerweise anderntags in den Zeitungen kaum Erwähnung findet. Wahrscheinlich war man damals, im Mai 2010 dieser ganzen begleitenden Untergangsrhetorik irgendwie überdrüssig. Analogien wurden gesucht und als untauglich verworfen, weil die Krisen, die man gerade gedächtnishalber parat hatte, alle recht pisselig klein daher kamen, angesichts des Abgrunds, in den man wieder mal zu schauen glaubte.

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Mit geradezu stilbildendem Apokalypseeuphemismus stach in dieser Woche übrigens Tony Hayward hervor, der Vorstandschef von BP. Das ist die Firma, der die explodierte Ölplattform im Golf von Mexiko gehört, die aber nicht so recht weiß, was nun. Hayward jedenfalls fand, dass das Ölpestdrama am besten mit der beinahe gescheiterten Mission von Apollo 13 zu vergleichen sei. Damals, 1970, rettete die Nasa mit knapper Not die Besatzung der kaputtgegangenen Raumkapsel, wusste aber lange Zeit auch nicht, wie eigentlich. Ein dramatisches Unterfangen, sicher. Und mit glücklichem Ende. Und richtig viele Seevögel sind dabei auch nicht draufgegangen, wenn die Erinnerung nicht täuscht. Und wenn noch ein Eindruck nicht täuscht, dann hat Hayward die amerikanische Variante des kölschen "Et hätt noch immer jot jegange" angewandt. Was ja, zumindest für Köln (FC!), irgendwie auch stimmt - wenn man mal die Sache mit der U-Bahn weglässt.

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Weil wir schon bei U-Bahn sind. In Paris ist dieser Woche raus gekommen, dass immer mehr Bürger die Metro ohne Fahrschein benutzen, sich gegen das "Schwarzfahren" aber mit einem kleinen monatlichen Betrag in einer "Schwarzfahrerkasse" versichern. Pfiffig! Und günstig. Der Monatsbeitrag liegt derzeit bei sieben Euro.

Mit der Frage ob die NRW-Wahl es in die Geschichtsbücher schafft hat das, wie gesagt, alles nicht so furchtbar viel zu tun - wobei: Vielleicht kommt ja doch noch Rot-Rot-Grün. Dann hätte so was wie die Schwarzfahrerversicherung bestimmt eine gute Chance, Gegenstand der Koalitionsverhandlungen zu werden.


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