Deutschland Rente sinkt bis 2030 drastisch


Die gesetzliche Rente soll langfristig drastisch sinken und bis zum Jahr 2030 nur noch 40,1 Prozent des Bruttolohnes betragen.

Die gesetzliche Rente soll nach Zeitungs- Informationen langfristig drastisch sinken und bis zum Jahr 2030 nur noch 40,1 Prozent des Bruttolohnes betragen. Das schreibt die Tageszeitung "Die Welt" unter Hinweis auf den Abschlussbericht der Rürup-Kommission. Die Regierung sei bereit, eine derartige Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus durchzusetzen, heißt es in dem Blatt, das sich auf Regierungskreise beruft. Derzeit liege das Rentenniveau bei 48 Prozent des Brutto-Durchschnittslohnes.

Rürup warnt vor Schnellschüssen

Der Vorsitzende der Reformkommission für die Sozialsysteme, Bert Rürup, warnte vor Schnellschüssen zur Stabilisierung der Rentenbeiträge. Auch eine Nullrunde für Rentner löse kein Problem, sagte Rürup der Zeitung "Financial Times Deutschland" (FTD/Montag). "Die Kurzfristmaßnahmen müssen deshalb mit einer langfristigen Reform verbunden werden." Die Vorschläge seiner Kommission könnten die aktuelle Not der Rentenkassen 2004 nicht lindern. Rürup: "Unsere Vorschläge wirken langfristig. Im nächsten Jahr entlasten sie die Rentenkassen nicht."

Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Gudrun Schaich-Walch drückte unterdessen aufs Reformtempo. Die Fraktion solle bereits am 26. August über die Zukunft der Rentenreform diskutieren, sagte sie der FTD. "Sofort nach der Sommerpause erwarten wir Vorschläge des Ministeriums, wie wir die Beiträge im nächsten Jahr stabil halten." Sie plädierte ähnlich wie Rürup dafür, das kurzfristige Sparpaket für die Rente mit einer langfristigen Reform zu verbinden.

Drastische Einschnitte

Nach den Grünen plädieren auch SPD-Fachpolitiker für drastische Einschnitte bei der Rente. "Das wenige Geld, was da ist, darf man nicht in erster Linie in Rentenerhöhungen stecken", sagte der Vorsitzende des Bundestagsausschusses Wirtschaft und Arbeit, Rainer Wend, der "Berliner Zeitung" (Montag). Er schlug vor, Erwerbstätige erst nach längerer Lebensarbeitszeit in Rente gehen zu lassen. "Man könnte zum Beispiel eine Lebensarbeitszeit von 42 Jahren festlegen. Wer mit 20 anfängt zu arbeiten, dürfte dann mit 62 in Rente. Wer aber erst mit 28 seinen Beruf ergreift, müsste bis 70 arbeiten."

Flexibler Renteneintritt

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ/Montag) müssen sich die Arbeitnehmer auf einen flexiblen Renteneintritt einrichten. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) wolle die geltende Regelung verändern, die den Renteneintritt mit 65 vorsieht, schreibt das Blatt unter Berufung auf den "Wirtschaftsbericht 2003". Die Bürger sollten wählen können, ob sie länger arbeiten und sich eine höhere Rente verdienen, oder ob sie früher in Ruhestand gehen, was zu Kürzungen führt. Arbeitgeber und Gewerkschaften sollten dafür die Tarifverträge "optional" ausgestalten.

Nullrunden unausweichlich

Aus Sicht des Freiburger Finanzexperten Bernd Raffelhüschen sind künftig mehrjährige Renten-Nullrunden unausweichlich. Schon durch die Riester-Rente zur privaten Altersvorsorge werde der Rentenanstieg jährlich um 0,5 Prozentpunkte gedämpft, sagte der zur Rürup- Kommission gehörende Wissenschaftler der dpa. Ein von der Regierung geplanter Nachhaltigkeitsfaktor, der das Verhältnis von einer steigenden Zahl Rentner zu weniger Beitragszahlern berücksichtigt, würde den Anstieg nochmals drücken. Raffelhüschen: "Es wird also in den nächsten Jahren einen ganz geringen Anstieg geben." Er könne sich vorstellen, dass Kanzler Gerhard Schröder "auch noch den restlichen kleinen Anstieg kürzt, sollten die Finanzprobleme sehr stark sein".

Nach der Ankündigung weiterer Einschnitte bei den Renten durch den Bundeskanzler war die Diskussion über die Höhe der Altersbezüge am Wochenende voll entbrannt. Eine Nullrunde für die Rentner im kommenden Jahr stößt bei CDU-Chefin Angela Merkel, aber auch in der SPD auf Widerstand. Die Gewerkschaften lehnen alle bisherigen Vorschläge für die im Herbst geplante Rentenreform der Regierung ab.


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