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Meinung

Neuer Parteisprecher Chrupalla: Die AfD nach dem Parteitag: Das Braune scheint durch

Björn Höcke ist nicht Parteichef der AfD, aber der Einfluss seines völkischen Flügels ist gewaltig gestiegen. Es ist nicht zu übersehen: Die AfD ist nochmal weiter nach rechts gerückt.

Tino Chrupalla ist zum Nachfolger von Alexander Gauland als zweiter Parteisprecher gewählt worden

Jörg Meuthen wurde als Parteisprecher bestätigt, Tino Chrupalla ist zum Nachfolger von Alexander Gauland als zweiter Parteisprecher gewählt worden.

Getty Images

Björn Höcke ist dann doch nicht Parteichef der Alternative für Deutschland geworden. Das soll an dieser Stelle kurz betont werden. Man konnte in den zurückliegenden Monaten bisweilen den Eindruck gewinnen, der thüringische Landeschef der Rechtspopulisten werde sich auf dem Braunschweiger Parteitag gewissermaßen zum nationalen Führer ausrufen lassen – vorerst nur der AfD, doch mit viel Willen zur Apokalypse ließ sich gar ein Hauch von "Machtergreifung" wittern. 

War natürlich Quatsch. Und darum ist es am zurückliegenden Wochenende auch nicht ganz so schlimm gekommen, wie manch einer befürchtet hatte. Nur vielleicht ist das, was tatsächlich geschah am Ende sogar schlimmer.

Es hat sich ein wahrer Rechtsruck vollzogen

Denn wer nun glaubt, mit der Wahl des Görlitzer Malermeisters Tino Chrupalla als Nachfolger für den scheidenden Parteichef Gauland hätten sich die gemäßigten, also weniger rechtsextremen Kräfte innerhalb der Partei durchgesetzt – der dürfte sich erneut gewaltig irren.

Sicher, Höcke sitzt noch immer nicht mal im Vorstand der Partei. Und ja, dieser Tino Chrupalla, der fortan neben Jörg Meuthen die AfD anführt, ist auf den ersten Blick kein Radikaler. Der 44-Jährige, der bei der letzten Bundestagswahl aus dem Stand das Direktmandat in seinem Wahlkreis holte (und damit den heutigen sächsischen MP Kretschmar aus dem Parlament kegelte), soll als Identifikationsfigur aufgebaut werden - für Ostdeutsche, für kleine Handwerker und Unternehmer. Chrupalla ist nicht Mitglied des Flügels, er ist kein Höcke-Mann – und doch war er dessen Wunschkandidat. 

Doch im Windschatten dieser scheinbar gemäßigten Spitze hat sich ein wahrer Rechtsruck vollzogen. Die einstige Professoren-Partei ist dabei, sich immer weiter zu radikalisieren. So ist Höcke-Freund Stephan Brandner nun allen Ernstes zum Parteivize gewählt worden. Eben erst wegen erwiesener Nicht-Eignung als Vorsitzender des Bundestags-Rechtsausschusses abgesetzt, habe er nun wieder Kapazitäten, um "wie von der Kette gelassen" seine zumeist äußerst rechte Meinung kund zu tun. Parteivize ist fortan neben der ultrakonservativen Beatrix von Storch auch Alice Weidel. Die Fraktionschefin hatte zuletzt immer radikalere Züge entwickelt und ihre neue Flügel-Nähe durch einen Besuch bei der neurechten Sommerakademie von Götz Kubitschek unter Beweis gestellt.

Skandale sind kein Hindernis für die Parteikarriere

Auch Skandale sind selbstredend kein Hindernis auf dem Weg in den Bundesvorstand dieser Partei. Der eine gab in seiner Zeit als rechter Burschenschaftler Liederbücher mit verdächtigem Nazi-Liedgut heraus – egal, gewählt. Der andere finanzierte in Polen einen Gedenkstein mit, dem Historiker eine "Verherrlichung nationalsozialistischer Verbände" vorwerfen – was soll’s? Und selbstverständlich wurde auch Brandenburgs AfD-Chef Andreas Kalbitz, der eigentliche Stratege des völkischen Flügels wieder in den Vorstand gewählt trotz seiner inzwischen bekannten klar rechtsextremen Vita.

Tino Chrupalla wurde zum AfD-Bundesvorsitzenden gewählt

Gemäßigteren Kräften, die es sogar gewagt hatten, vor dem Radikalismus des völkischen Flügels zu warnen, fielen bei den Vorstandswahlen dagegen reihenweise durch. Im Zweifel wählt die AfD also lieber rechts, weit rechts – auch wenn der Verfassungsschutz zuschaut und womöglich bald auch offiziell beobachtet. 

Was also taugt da ein Vorsitzenden-Duo, das als gemäßigt gilt?

Chrupalla duldet Rechtsextremisten

In seiner Rede auf dem Parteitag wandte sich der Neue ausdrücklich gegen "drastische Sprache" – dabei benutzt er sie bisweilen selbst. Und wenn bei einem Wählertreff ein Mann von der drohenden "Umvolkung" schwadroniert, von "unseren Jungs", die damals in Nürnberg gehängt worden seien – dann gibt dieser Chrupalla dem Mann "in Teilen Recht“. So geschehen und im Video festgehalten.

Nein, wahrscheinlich ist Chrupalla kein Rechtsextremist. Aber er ist einer, der Rechtsextremisten in den eigenen Reihen duldet, der ihnen "in Teilen“ Recht gibt, statt ihnen zu widersprechen. Als Parteichef wird der Malermeister künftig wohl etwas dicker Farbe auftragen müssen. Sonst scheint das Braune so stark durch. 

tis