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Die Loveparade-Katastrophe von Duisburg: Adolf Sauerland, der belagerte Bürgermeister

21 Tote. Über 500 Verletzte. Die Loveparade-Tragödie hat Spuren in Duisburg hinterlassen. Der Bürgermeister ist im Amt geblieben. Trotz massiver Proteste. Nun kommt es wieder zum Showdown.

Von Florian Güßgen

Es war eine Katastrophe. 21 Menschen starben, über 500 wurden verletzt. Die Loveparade wurde zur Hölle, der Tunnel an der Karl-Lehr-Straße zur Todesfalle. Für die Stadt Duisburg hat dieses Unglück vieles verändert. Adolf Sauerland aber, der Oberbürgermeister, ist immer noch da, der Mann mit der randlosen Brille und dem Sozialkundelehrerbart, jener Politiker, der bei der Pressekonferenz am Tag nach der Katastrophe ein so jämmerliches Bild abgab. Der Druck auf den CDU-Mann war immens, die politische Ethik, die politische Verantwortung schien seinen Abgang zu gebieten, der Bundespräsident legte ihm den Rückzug nahe. Aber Sauerland ist geblieben, hat festgehalten an seinem Job - als die Medien ihn geißelten; als seine Abwahl im Rat der Stadt betrieben wurde - und scheiterte; als ihm Ketchup über den Anzug gekippt wurde; als es bei einer Personalversammlung der Stadt zu lauten Protesten kam, weil er gesagt hatte, er habe nichts unterzeichnet in Sachen Loveparade, weil er sich zu drücken schien. Er hat festgehalten, sich nicht beirren lassen von häufig gegenwärtigen Demonstranten oder gar von dem Anti-Sauerland-Video der lokalen Band "Bandbreite". Wie das geht, wie man das aushält, was so ein Druck mit einem macht, das weiß er wohl nur selbst.

Sauerland ist bis 2015 gewählt

Es ist eine lange Zeit bis 2015. Bis dahin ist der 55-Jährige gewählt. Direkt. Bis dahin ist er Verwaltungschef, politischer Vertreter der Stadt. Bis dahin wird ihn das Loveparadeunglück begleiten, ebenso der Ruch, wider jedweden politischen Anstand an seinem Sessel zu kleben, die Stadt zu spalten. Es tue ihm unendlich leid, dass sich dieses Unglück ereignet habe, es tue ihm weh, hat Sauerland immer wieder gesagt. Aber auch, dass Duisburg "seinen aufrechten Gang wiederfinden" müsse. Und: Er bleibe im Amt, bis gerichtlich festgestellt worden sei, wer denn nun die Schuld an dem Unglück trage - die Stadt oder der Veranstalter oder die Polizei. Dann erst werde er Konsequenzen ziehen. Mit möglicherweise bedrohten Pensionsansprüchen, so Sauerland, habe das nichts zu tun. Fünf Staatsanwälte der Staatsanwaltschaft Duisburg bearbeiten den Fall. Wie lange die Untersuchungen dauern, darüber schweigt sich die Behörde aus. Alle elf städtischen Mitarbeiter, gegen die ermittelt wird, sind nach wie vor in Amt und Würden. Gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters wird noch ermittelt, gegen einen Polizisten. Für 300.000 Euro hat Sauerland ein juristisches Gutachten in Auftrag gegeben. Das sprach die Kommune frei - und sorgte in der notorisch klammen Stadt doch für Aufregung. Was sollte das? Das Rathaus ist zu einer Wagenburg geworden. Es ist Sauerlands Wagenburg.

Denn das Unglück lässt ihn nicht in Ruhe. Anfang April erhoben laut "Spiegel" insgesamt 258 Loveparade-Opfer, Angehörige und Versicherungen Forderungen gegenüber der Stadt und dem Veranstalter Lopavent. Häufig geht es um Schmerzensgeldforderungen zwischen 1000 und 15.000 Euro. Aber es ist nicht nur das. Immer wieder bricht der Ärger über Sauerlands Amtsverbleib irgendwo heraus, platzt der dünne Boden, auf dem er sich bewegt. Er ist ein belagerter Mann.

"Wir können Sie nicht mehr als Oberbürgermeister anerkennen"

Wie jetzt vor dem Maifeiertag. Traditionell lädt der Bürgermeister kurz vor dem Tag der Arbeit Betriebsräte und Gewerkschafter zu einem Empfang ins Rathaus. Es ist ein Signal für eine gute Zusammenarbeit, eine Geste. Eigentlich. Denn dieses Jahr ist alles anders. Am späten Freitagnachmittag sollte gefeiert werden. Mit Gewerkschaftern, Abgeordneten aus dem Rat und dem Landtag, mit Schnittchen und Häppchen.

Aber dann schrieb der Duisburger IG-Metall-Chef Jürgen Dzudzek im April einen offenen Brief an Sauerland, der es in sich hatte. Der Empfang sei 1933 von dem damaligen Bürgermeister der Stadt ins Leben gerufen worden, hieß es, einem Gewerkschafter, der von den Nationalsozialisten durch die Straßen getrieben worden sei. Deshalb sei das Ereignis für die Gewerkschafter sehr wichtig. Und es sei wichtig, dass die Stadt Duisburg die Gewerkschafter "würdig" empfange. Genau diese Würde aber könne Sauerland nicht mehr gewährleisten. "Unser Vertrauen in Ihre Glaubwürdigkeit und in Ihr Verantwortungsbewusstsein besteht nicht mehr!", schrieb Dzudzek. Das sei schon vor der Loveparade-Katastrophe so gewesen. Regelmäßig sei Sauerland bei Gewerkschaftsveranstaltungen ausgepfiffen worden. Aber das Unglück habe alles noch einmal verschlimmert. "Ihr Verhalten in der Folge der uns zutiefst berührenden Ereignisse während der Loveparade lässt es nicht mehr zu, Sie als Oberbürgermeister und damit als ersten Repräsentanten der Stadt Duisburg anzuerkennen", schrieb der Metaller - und forderte Sauerland auf, der eigenen Veranstaltung fernzubleiben. Wumms. Das saß.

"Adolf Sauerland spaltet unsere Stadt"

Seitdem der Brief publik wurde, kocht der Streit um Sauerland wieder hoch in Duisburg. "Adolf Sauerland spaltet unsere Stadt", schimpfte Herbert Mettler, SPD-Fraktionschef im Duisburger Rat per Pressemitteilung. "Sein Versuch, sich in eine Normalität einzuschleichen, ist gescheitert." Es sei ja nicht nur der Streit um den Arbeitnehmerempfang. Auch Wohlfahrtsverbände beschwerten sich, sie würden vom Rathaus nicht einmal mehr Antworten auf Briefe bekommen. In der Tat hatte sich im April auch die Arbeitsgemeinschaft der in Duisburg aktiven Wohlfahrtsverbände bitter darüber beklagt, dass das Rathaus angeblich kaum mehr reagiert. Anfragen an den Oberbürgermeister würden abgewiesen oder ignoriert oder auf die lange Bank geschoben."Unsere Stadtverwaltung ist kein Dialogpartner mehr, das ist eine dramatische Entwicklung", schimpfte SPD-Mann Mettler. "Sauerland kann nichts mehr repräsentieren. Es lässt unsere Stadt nicht los, nichts wird normal mit ihm."

Die CDU schloss, zumindest offiziell, die Reihen hinter Sauerland. Der CDU-Fraktionschef im nordrhein-westfälischen Landtag, Karl-Josef Laumann, griff die IG-Metall an, unterstellte einen indirekten Nazi-Vergleich und drohte mit seinem Austritt aus der Gewerkschaft. Der Duisburger CDU-Chef Thomas Mahlberg bezeichnete Dzudzeks Brief als "Entgleisung". Selbst Ex-Oberbürgermeister Josef Krings, ein SPD-Mann, rügte die Bezugnahme auf den Nationalsozialismus. Allenthalben wurde eine Entschuldigung von dem Gewerkschafter eingefordert. Stattdessen erhielt Dzudzek Unterstützung. Von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, am Donnerstag, einen Tag vor der Veranstaltung, aber auch vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). In einer Presseerklärung empfahl DGB-Regionalchef Rainer Bischoff allen zu dem Empfang eingeladenen Gewerkschaftsfunktionären, am Freitagnachmittag vor das Rathaus zu kommen, aber nicht hinein zu gehen. "Die Haltung des amtierenden Oberbürgermeisters Adolf Sauerland gegenüber den Gewerkschaften in den vergangenen Jahren, sein Verhalten nach der Love-Parade sowie die öffentliche Diskussion der vergangenen Wochen über den Arbeitnehmerempfang macht uns eine Teilnahme bei Anwesenheit des Oberbürgermeisters Sauerland nicht möglich", heißt es in dem Schreiben. Es kommt einem Boykottaufruf gleich.

Sauerland: "Eine parteipolitisch motivierte Auseinandersetzung"

Aus dem Rathaus selbst gibt man sich in Sachen Arbeitnehmerempfang gelassen. Sauerland selbst will sich zur Sache nicht äußern. Nur soviel: "Parteipolitisch motivierte Auseinandersetzungen möchte ich nicht kommentieren", sagte er stern.de am Donnerstag. "Der Oberbürgermeister hat zu dem Empfang geladen", ergänzte Sauerlands Sprecher Josip Sosic. "Es steht den Eingeladenen frei, zu kommen oder nicht." Er verwies allerdings darauf, dass der DGB auch nach dem Loveparade-Unglück schon an Veranstaltungen mit Sauerland teilgenommen habe, etwa an der Gedächtnisveranstaltung zur Reichspogromnacht am 9. November 2010. Die Vorwürfe der Wohlfahrtsverbände weist Sosic ebenfalls zurück. "Die Verwaltung ist mitnichten handlungsunfähig", sagte er. Die Kritik der Verbände sei auch im Zusammenhang mit der Umsetzung des Bildungspakets von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen erhoben worden. Aber genau bei dieser Umsetzung hätten auch andere Kommunen erhebliche Probleme gehabt. Es handele sich also nicht um eine Duisburger Besonderheit. Mit den Wohlfahrtsverbänden werde gesprochen, aber man könne eben auch nicht jeden Wunsch erfüllen. C'est la vie.

Es wird also eine denkwürdige Veranstaltung werden am Freitagnachmittag. Um 17 Uhr soll der Empfang im Duisburger Rathaus beginnen. Sauerland wird ein paar Begrüßungsworte sprechen. Es wird etwas zu Trinken geben. Häppchen. Über 300 Gäste stehen auf der Einladungsliste, davon die Hälfte Gewerkschafter. Wer nun kommt? Wer nicht? Darüber will Sauerlands Sprecher Socic nicht spekulieren. Und tut es doch. 50, vielleicht 100 Gäste würden kommen, schätzt er. Wer weiß das schon? In jedem Fall wird man Normalität spielen drinnen im Rathaus. Draußen werden die Gewerkschafter den Bürgermeister belagern. Drinnen Sauerland, draußen die anderen. Das erscheint symptomatisch derzeit. Ein Ende ist nicht abzusehen. Die Staatsanwaltschaft sucht weiter nach Schuldigen. Und am 24. Juli wird sich die Tragödie zum ersten Mal jähren. Es werden viele Tränen fließen, die Wut wird wieder hochkochen. Die Gedenkveranstaltung würde zentral von der Staatskanzlei in Düsseldorf geplant, sagt Sauerlands Sprecher. Erst wenn hier der Ablauf stehe, wolle Sauerland sich äußern, ob und wie er daran teilnehmen werde. Vorher nicht. Dass er bis dahin seinen Posten aufgibt, erscheint unwahrscheinlich.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(