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Trauer um SPD-Politiker: Egon Bahr stirbt im Alter von 93 Jahren

Der SPD-Politiker Egon Bahr ist tot. Er erlag in der vergangenen Nacht einem Herzinfarkt. Parteichef Sigmar Gabriel würdigte Bahr gegenüber dem stern als "einen der größten Politiker der Nachkriegsgeschichte".

SPD-Politiker Egon Bahr

SPD-Politiker Egon Bahr: In seinen letzten Wortmeldungen warnte er vor den Folgen eines zu harten Kurses gegenüber Russland und Präsident Putin

Egon Bahr, der Architekt der Ostpolitik, ist in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 93 Jahren gestorben. Er erlag nach stern-Informationen den Folgen eines Herzinfarkts. SPD-Chef würdigte Bahr gegenüber dem stern als "einen der größten Politiker der Nachkriegsgeschichte, der immer an die deutsche Einheit geglaubt und die Voraussetzungen dafür geschaffen hat".

 galt als engster Vertrauter des langjährigen SPD-Vorsitzenden Willy Brandt. In Brandts Zeit als Regierender Bürgermeister von Berlin war der Journalist Bahr dessen Pressesprecher. Anschließend ging er mit Brandt 1966 in die Große Koalition nach Bonn, wurde 1969 unter Brandt Staatssekretär im Bundeskanzleramt. In dieser Funktion verhandelte er Anfang der 1970er-Jahre den Moskauer und den Warschauer Vertrag wie den Grundlagenvertrag mit der DDR.

Architekt der sozialliberalen Ostpolitik

Bahr formulierte bereits 1963 das Motto "Wandel durch Annäherung". Auf ihn geht maßgeblich die sogenannte "Politik der kleinen Schritte" zurück, mit der die sozialliberale Koalition ab 1969 die Aussöhnung mit dem Osten vorantrieb. Ziel war es, das Leben für die Menschen im geteilten Deutschland zu erleichtern und langfristig eine Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten möglich zu machen. Seinen eigenen Beitrag an der Ost- und Entspannungspolitik beschrieb Bahr selbst so: "Ich war der Architekt, Brandt war der Bauherr – und der Bauherr entscheidet."

Auch nach dem Rücktritt von Willy Brandt als Bundeskanzler blieb er einer der prägenden Figuren der SPD, als Entwicklungshilfeminister und später auch als Bundesgeschäftsführer der SPD.

Zuletzt galt Egon Bahr neben und als einer der Weisen Männer der SPD. Er kam regelmäßig zum Arbeiten ins Willy-Brandt-Haus in Berlin, empfing Gäste und veröffentlichte Bücher. In seinen letzten Wortmeldungen warnte er vor den Folgen eines zu harten Kurses gegenüber Russland und Präsident Putin.

Andeas Hoidn-Borchers, Lorenz Wolf-Doettinchem
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