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Ex-RAF-Terrorist: Christian Klar ist ein freier Mann

Erstes Weihnachten in Freiheit seit 26 Jahren: Ex-RAF-Terrorist Christian Klar hat die Justizvollzugsanstalt Bruchsal verlassen. Seine Mindesthaftzeit läuft eigentlich erst am 3. Januar ab, doch Klar hatte im Gefängnis gearbeitet und "Urlaub" angespart. Nun sitzt nur noch eine Ex-Terroristin der Roten Armee Fraktion hinter Gittern.

Der ehemalige RAF-Terrorist Christian Klar ist nach 26 Jahren Gefängnis wieder frei. Der 56-jährige wurde am Freitag aus der Justizvollzugsanstalt Bruchsal entlassen, wie sein Anwalt und die Justizbehörden bestätigten. Zum Aufenthaltsort wurden keine Angaben gemacht. Klars Anwalt Heinz-Jürgen Schneider sagte, sein Mandant könne jetzt selbst bestimmen, wo er sich aufhalten wolle. Die Vorstellung, dass Klar nun durch die Talkshows tingeln werde, sei allerdings absurd.

Auch ein Sprecher des baden-württembergischen Justizministeriums bestätigte die Freilassung. Mit Beschluss vom 24. November hatte das Oberlandesgericht Stuttgart die Vollstreckung des Rests der lebenslangen Freiheitsstrafe mit Wirkung zum 3. Januar zur Bewährung ausgesetzt. In einer Erklärung des Justizministeriums vom Freitag hieß es, die Anrechnung von sogenannten Freistellungstagen habe zu einer Vorverlegung der Entlassung geführt. Klar habe sich solche Tage während seiner Haft erarbeitet. "Ob er der Öffentlichkeit Auskunft über seinen Aufenthaltsort geben will oder nicht, obliegt allein der Entscheidung von Christian Klar", hieß es weiter.

Klar galt als Kopf der zweiten Generation der RAF. Er wurde am 16. November 1982 festgenommen und saß seitdem im Gefängnis. 1992 wurde er zu lebenslanger Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe verurteilt, die aus sechs lebenslangen Einzelfreiheitsstrafen und sogenannten zeitigen Freiheitsstrafen von 15, 14 und zwölf Jahren gebildet wurde.

Der gebürtige Freiburger war des neunfachen Mordes unter anderen an Generalbundesanwalt Siegfried Buback, Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto und Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer schuldig gesprochen worden. Um seine Freilassung nach Verbüßung der Strafe hatte es heftige Diskussionen gegeben, weil Klar weder Reue gezeigt, noch sich von seinen früheren schweren Taten distanziert, geschweige denn zur Aufklärung der RAF-Verbrechen beigetragen hat.

Obwohl Klars Haltung eine "schwere Belastung für die Opfer und ihre Angehörigen" sei, hatte das Oberlandesgericht nach eigener Aussage nur darüber zu entscheiden gehabt, ob von dem Ex-Terroristen weitere schwere Straftaten zu erwarten seien. Für eine fortgesetzte Gefährdung durch Klar, habe es in einem entsprechenden Gutachten jedoch "keine Anhaltspunkte" gegeben. Bundespräsident Horst Köhler hatte im Mai 2007 eine Begnadigung Klars abgelehnt, dessen Bewährungszeit nun fünf Jahre läuft.

Schleyer-Sohn: Selbst Klar muss Vorzüge des Rechtsstaats erhalten

Schleyers Sohn zeigte Verständnis für Klars Freilassung. "Ich habe schon immer gesagt: Bei den RAF-Terroristen handelt es sich um gemeine, kriminelle Verbrecher", sagte Jörg Schleyer. "Dann kann man ihnen die Vorzüge, die ein Rechtsstaat bietet, nicht verschließen." Klar habe keine Reue gezeigt. "Wer so brutal und menschenverachtend gegen andere gehandelt hat, dem nimmt man sowieso keine Reue ab", meinte Schleyer, dessen Vater 1977 erschossen worden war.

Letztes RAF-Mitglied in Haft ist nach der Freilassung Klars Birgit Hogefeld. Sie ist seit dem Anti-Terror-Einsatz von Bad Kleinen im Jahr 1993 im Gefängnis und kommt frühestens 2011 frei.

joe/AP/DPA / AP / DPA