Fall Kurnaz Humor der besonderen Art


Haben deutsche Soldaten Murat Kurnaz misshandelt? Stimmen die Vorwürfe, die der Ex-Guantanamo-Häftling im stern erhoben hat? Das Verteidigungsministerium hüllt sich in Schweigen - und kontert Fragen mit einem ganz eigenen Humor.

Ist das komisch? Es war ein sehr eigenwilliger Humor, den der Sprecher des Verteidigungsministeriums am Montag in Berlin offenbarte. Auf die Frage, ob es denn sein könne, dass Mitglieder des Kommandos Spezialkräfte, kurz KSK, den Deutschtürken Murat Kurnaz in Afghanistan misshandelt hätten, verweigerte der Sprecher die Aussage. KSK, sagte er jedoch in einer humoristischen Anwandlung, bedeute auch: "Konsequenter Schweige-Kurs."

Spezialeinheit KSK im Verdacht

Eigentlich ist die Angelegenheit selbst für Freude des bemühten Witzes zu delikat, um damit Schabernack zu treiben. Kurnaz, der vor wenigen Wochen nach über vier Jahren Haft im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba, freigelassen worden war, hatte in der vergangenen Woche in einem stern-Interview schwere Vorwürfe gegen Bundeswehrsoldaten erhoben. Er hatte behauptet, in einem US-Stützpunkt im afghanischen Kandahar von zwei deutschen Soldaten misshandelt worden zu sein - möglicherweise von Mitgliedern des Kommandos Spezialkräfte (KSK). Geschehen sei dies zwischen Ende Dezember 2001 und Anfang Januar 2002.

"Er hat meinen Kopf auf den Boden geschlagen"

"Ich war noch keine zwei Wochen dort," sagte Kurnaz dem stern, da wurde ich abends hinter zwei Lastwagen geführt. Es hieß, zwei deutsche Soldaten wollten mich sehen. Sie trugen Camouflage-Uniformen, das Tarnmuster war aus kleinen Punkten zusammengesetzt, wie vom Computer gemacht, und sie trugen die deutsche Flagge am Ärmel. Ich musste mich hinlegen, die Hände auf dem Rücken gefesselt. Der eine zog mich an den Haaren hoch […] er hat meinen Kopf auf den Boden geschlagen […]." Sollten sich die Vorwürfe als wahr erweisen, müsste die Bundesregierung nicht nur erklären, wie es sein kann, dass deutsche Soldaten offenbar von der Entführung Kurnaz' wussten, ohne dass die Bundesregierung etwas dagegen unternommen hat. Zudem müsste sie erklären, wie es sein kann, dass deutsche Soldaten einen von einem fremden Staat entführten Deutschen misshandeln.

Zweifel an Aussagen

Die nach den Vorwürfen eingeleiteten internen Untersuchungen wegen angeblicher Misshandlungen durch Bundeswehrsoldaten seien noch nicht abgeschlossen, hieß es am Montag. Wahrscheinlich könne dem Verteidigungsausschuss des Bundestages bei seiner nächsten Sitzung am 18. Oktober berichtet werden, sagte der Sprecher des Ministeriums. Am Wochenende waren nach Medienberichten Zweifel an den Einlassungen des in Bremen lebenden Türken laut geworden.

Deutscher Besuch auf Kuba

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm verwies am Montag erneut darauf, dass das Parlamentarische Kontrollgremium (PKG) alleiniger Ansprechpartner für die Regierung sei, wenn es um die Aktivitäten von Nachrichtendiensten gehe. Kurnaz hatte in dem Interview auch gesagt, er sei während seiner Haft im US-Gefängnis Guantanamo auf Kuba nicht nur 2002 von deutschen Beamten vernommen worden, sondern noch ein weiteres Mal im Jahr 2004. Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge teilte das Bundeskanzleramt dem PKG am vergangenen Freitag mit, es habe nur die Befragung 2002 gegeben.

Der "Spiegel" schrieb vor dem Hintergrund der Kurnaz-Vorwürfe zu angeblichen Misshandlungen, nach ersten Erkenntnissen der Bundeswehr sei das KSK Ende 2001 noch in Oman stationiert gewesen. Nur zwei Offiziere seien in Kandahar gewesen. Uniformen wie von Kurnaz beschrieben hätten damals dort nur die Kanadier getragen. Dagegen berichtete "Bild am Sonntag" unter Berufung auf zuverlässige Geheimdienstquellen, KSK-Soldaten hätten in Afghanistan Kontakt zu Kurnaz gehabt. Er sei aber nicht misshandelt worden.

FGÜ mit DPA

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