Fehmarnbelt-Querung Bundestag macht den Weg frei


Sie ist 20 Kilometer lang und 5,6 Milliarden Euro teuer: Für den Bau der Ostseebrücke über den Fehmarnbelt hat der Bundestag den Weg frei gemacht. Allerdings ist das Milliardenprojekt alles andere als unumstritten. Umweltschützer kritisieren, dass das voraussichtliche Verkehrsaufkommen kaum den Bau einer Bundesstraße rechtfertige.

Die Entscheidung des Bundestags für eine Ostseebrücke über den Fehmarnbelt ist im Norden auf ein geteiltes Echo gestoßen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schleswig- Holstein begrüßte die Zustimmung des Bundestages zum Bau der festen Fehmarnbelt-Querung. "Wir erwarten von der neuen Verbindung und dem Ausbau der Straßen- und Schienenverbindung zwischen Hamburg und Kopenhagen deutlich positive Wachstums- und Beschäftigungseffekte", sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Bernd Rohwer. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und die Grünen kritisierten das Votum.

Knapp drei Monate nach dem dänischen Parlament hatten in der Nacht zum Freitag auch die deutschen Abgeordneten den Staatsvertrag zwischen beiden Ländern gebilligt. Bis zum Jahr 2018 soll zwischen der deutschen Ostsee-Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland eine 19 Kilometer lange Brücke entstehen.

Dänemark übernimmt dabei die Baukosten in Höhe von geschätzt 4,8 Milliarden Euro. Die Bundesrepublik muss nur die Bahn- und Straßenanbindung auf deutscher Seite bezahlen, für die rund 800 Millionen Euro veranschlagt sind. Allerdings hält der Bundesrechnungshof eine Verdoppelung der Kosten für möglich.

Der Neubau soll die Fahrtzeit zwischen Mitteleuropa und Skandinavien um eine Stunde verkürzen. Der Bundesrat muss zwar auch noch zustimmen, die Länderkammer hatte aber bei einer ersten Beratung keine Bedenken vorgebracht.

Schon jetzt sei ein wachsendes Interesse für Betriebsansiedlungen entlang der A 1 zwischen Hamburg und Lübeck zu erkennen, betonte IHK-Hauptgeschäftsführer Rohwer. Jetzt müssten auch die Hinterlandverbindungen einschließlich der Anbindung der nördlichen und westlichen Landesteile verbessert werden, damit die positiven Effekte der neuen Querung in ganz Norddeutschland optimal genutzt werden könnten, sagte Rohwer.

Die Landesvorsitzende der Grünen in Schleswig-Holstein, Marlies Fritzen, kritisierte den Plan hingegen als "verkehrspolitischen Supergau". Das, was CDU und SPD in Kiel als großen Erfolg der Koalition feiern, sei "ökonomischer und ökologischer Wahnsinn". Ohne die genaue Kenntnis der Kosten für die Hinterlandanbindung gleiche die Entscheidung für die feste Fehmarnbelt-Querung einem finanzpolitischen Harakiri. "Mittel für dringend notwendige Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen werden vermutlich über Jahre hinaus gebunden an eine Strecke, deren Verkehrsaufkommen nicht einmal den Bau einer neuen Bundesstraße rechtfertigen würde", sagte Fritzen.

Der Naturschutzbund Deutschland kritisierte die Entscheidung als völlig verfrüht. "Das Votum des Bundestages kann sich als Sargnagel für Natur und Umwelt im Ostseeraum erweisen", sagte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke. Zunächst hätten alle Fakten der Umweltuntersuchungen, die endgültige Trassenführung und die Kosten der deutschen Hinterlandanbindung bekannt sein müssen, sagte er.

Tschimpke warnte vor hohen Folgekosten durch mögliche Umweltschäden für die Bundesrepublik. "Der Nabu wird alle rechtlichen Mittel prüfen und ausschöpfen, um das aus ökologischer und ökonomischer Sicht fragwürdige Infrastrukturprojekt juristisch zu verhindern."

DPA DPA

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