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Neuwahl des Präsidenten: Begrenzte Amtszeit: Fifa-Reformer wollen zweites "System Blatter" verhindern

Der Weltfußballverband zieht Lehren aus dem System Blatter. Wie aus dem Reform-Komitee verlautet, soll der Fifa-Präsident künftig höchstens zwölf Jahre amtieren dürfen. Obwohl suspendiert, hat Uefa-Chef Platini noch Chancen auf eine Kandidatur.

Ein Baustellenschild steht vor der Zentrale des Weltfußballverbandes Fifa

Baustelle Fifa: Das Reform-Komitee will verhindern, dass es in Zukunft noch einmal etwas wie ein System Blatter geben wird

Die Fifa soll nach der Suspendierung von Sepp Blatter wie geplant Ende Februar einen neuen Präsidenten bekommen. Der Weltfußballverband halte an dem für 26. Februar geplanten Wahltermin für die Nachfolge Blatters fest, teilte die Fifa am Dienstag über den Kurznachrichtendienst Twitter nach einer Sitzung des Exekutivkomitees mit. Die Wahl werde im Rahmen eines außerordentlichen Fifa-Kongresses in Zürich stattfinden, bei dem die Teilnehmer auch über Reformen für den von Skandalen geschüttelten Verband abstimmen sollen.

Zu diesen Reformen soll gehören, dass der oberste Fußballfunktionär künftig nach längstens zwölf Jahren aus dem Amt scheiden muss. Außerdem soll eine Altersgrenze bei 74 Jahren für den Verbandsboss festgelegt werden. Das verlautete am Dienstag aus dem Reform-Komitee der Fifa. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert dazu ein Statement des Komitees, das die weitreichenden Vorschläge begründet: "Die Fifa-Führer müssen begreifen und akzeptieren, dass die Fehler der Vergangenheit real waren, und sie waren nicht akzeptabel." Das Exekutivkomitee begrüßte diese Vorschläge, die nach derzeitiger Lage allerdings frühestens 2027 relevant werden.


Für Platini bleibt Hintertür offen

Die Fifa wäre aber nicht die Fifa, wenn es für die bisherigen Strukturen nicht doch noch eine Hintertür gäbe. So kann Uefa-Chef Michel Platini trotz seiner aktuellen Sperre weiter auf den Sprung ins höchste Amt des Weltfußballs hoffen. Nach Ende der Bewerbungsfrist am 26. Oktober werde zwar ein Integritätscheck der Anwärter folgen, teilte die Fifa mit. Dieser werde allerdings nicht durchgeführt, solange ein Kandidat gesperrt sei. Platinis Suspendierung läuft Anfang Januar aus und kann noch um 45 Tage verlängert werden. Die Fifa-Ethikkommission strebt wie im Fall Blatter ein schnelles endgültiges Urteil an.

Um doch antreten zu können, müsste nun der Einspruch des Franzosen gegen seine Suspendierung erfolgreich sein oder er von den Korruptionsvorwürfen freigesprochen werden. Erst am Montag hatte er beklagt, dass sein Name "durch den Dreck gezogen" werde. Ihm wird der Erhalt einer Zahlung in Höhe von zwei Millionen Schweizer Franken durch Blatter im Jahre 2011 für Dienste, die damals neun Jahre zurücklagen, zur Last gelegt. Für diese Vereinbarung gibt es nach Angaben Platinis keinen schriftlichen Vertrag, sondern nur ein "Gentleman's agreement".

"Mehr Informationen für die Öffentlichkeit"

Das Exekutivkomitee sprach sich zudem für eine dringend notwendige Transparenz-Offensive aus - wenngleich auch in diesem Fall recht vage. Die Ethikhüter dürfen nun "mehr Informationen" über ihre Untersuchungen veröffentlichen, bislang galt eine Verschwiegenheitsklausel. Erst bei rechtskräftigen Urteilen konnte bislang eine Begründung veröffentlicht werden.

Sowohl Chef-Untersucher Cornel Borbely als auch Hans-Joachim Eckert als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer hatten sich vehement für das Recht zur Information eingesetzt. Nun könnte theoretisch auch über mögliche Untersuchungen beispielsweise gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Zuge des Vorwurfs schwarzer Kassen bei der WM-Bewerbung 2006 berichtet werden.

Weitere Reformvorschläge: Das Exekutivkomitee soll künftig "Rat" heißen und die Rolle eines Aufsichtsrates haben. Dort soll jede Konföderation einen Sitz mit Frauen-Wahlberechtigung haben. Es soll nicht mehr über die Verwendung von Geldern entscheiden. Der Fifa-Generalsekretär soll als Geschäftsführer agieren und dem Rat berichten. Die Bezüge aller hohen Amtsträger des Verbandes sollen veröffentlicht werden. Das Finanzkomitee soll mehrheitlich mit unabhängigen Personen besetzt werden. Ganz grundsätzlich soll es einen Kulturwandel geben. Fans und Sponsoren würden nur noch vollständige Transparenz akzeptieren.

dho/Reuters/DPA