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Forsa-Umfrage: Mehrheit der Bayern lehnt Stoiber ab

Edmund Stoiber ist in der Wählergunst tief gefallen. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des stern sind 60 Prozent der bayerischen Wähler dagegen, dass der CSU-Chef 2008 bei der Landtagswahl noch einmal antritt.

Lange galt er als Garant für satte Mehrheiten der CSU in Bayern, doch nach der Spitzelaffäre ist CSU-Chef Edmund Stoiber in der Gunst der Wähler tief gefallen. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des stern sind 60 Prozent der Befragten bayerischen Wähler dagegen, dass die CSU 2008 mit Stoiber als Spitzenkandidaten in die Landtagswahl zieht. Nur 32 Prozent der Befragten sind dafür. Das Ergebnis der Umfrage belegt das tiefe Misstrauen, das in der Bevölkerung gegenüber Stoiber entstanden ist - durch seine überhastete Flucht aus Berlin nach der Bundestagswahl 2005, aber auch durch die vorweihnachtliche Spitzelaffäre. Dabei stehen die CSU-Anhänger noch mehrheitlich hinter Stoiber. 52 Prozent der von Forsa befragten Anhänger der Christsozialen wollen mit Stoiber ins Rennen gehen. Stützen kann sich Stoiber auf dieses Ergebnis jedoch nicht. Immerhin 45 Prozent der CSU-Anhänger sind gegen eine erneute Kandidatur des Ministerpräsidenten.

Absolute Mehrheit für CSU

Spitzelaffäre hin, Stoiber her: Trotz der internen Tumulte um die Kür ihres Spitzenkandidaten darf die CSU offenbar damit rechnen, auch künftig mit einer stabilen Parlamentsmehrheit in Bayern regieren zu können. Laut Forsa würden sich bei einer Wahl am nächsten Sonntag 54 Prozent der Wähler in Bayern für die Christsozialen entscheiden. Im Vergleich zur letzten Wahl im September 2003 würde dieses Ergebnis zwar einen Verlust von sieben Prozentpunkten bedeuten. Damals holte die CSU 60,7 Prozent der Stimmen. Das Ergebnis zeigt aber, dass selbst ein in der Wählergunst gefallener Spitzenkandidat Stoiber die CSU wohl kaum die Macht im Freistaat kosten dürfte. Dennoch dürfte die Nähe zur 50-Prozent-Marke die Nervosität in der Partei erhöhen.

Klar offenbart die Umfrage zur Landtagswahl zudem die eklatante Schwäche der stärksten Oppositionspartei in Bayern: Die SPD kommt auf schlappe 18 Prozent - und unterbietet damit noch ihr schlechtes Ergebnis von 19,6 Prozent bei den vergangenen Landtagswahlen im Jahr 2003. Die Sozialdemokraten können in Bayern nicht einmal davon profitieren, dass sich die CSU öffentlich selbst zerlegt. Stimmgewinne verzeichnen können allerdings die Grünen. Sie legen von 7,7 Prozent im Jahr 2003 auf 9 Prozent zu. Die FDP überspringt mit 6 Prozent die 5-Prozent-Hürde, an der sie 2003 mit 2,6 Prozent noch scheiterte. Offenbar wandern CSU-Wähler zur FDP ab.

Mehrheit der Befragten für Urwahl

Seit seiner überhasteten Flucht aus Berlin nach der Bundestagswahl im September 2005 gilt Stoiber als angezählt. Auslöser des aktuellen Unmuts gegenüber dem CSU-Chef ist ein offener Streit innerhalb der CSU, der in der Woche vor Weihnachten ausbrach. Die Fürther Landrätin und Stoiber-Kritikerin Gabriele Pauli behauptete, sie sei von Stoibers engsten Mitarbeitern bespitzelt worden. Stoiber bestritt die Vorwürfe, aber Michael Höhenberger, sein Büroleiter in der bayerischen Staatskanzlei und enger Vertrauter, musste dennoch gehen.

Pauli versucht seither, die stoiberkritische Dynamik zu nutzen, um eine Urwahl des Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008 durchzusetzen. Die Mitglieder sollen entscheiden. Bei Wählern und Parteimitgliedern trifft Paulis Plan auf Zustimmung. In der Forsa-Umfrage des stern sprach sich eine Mehrheit von 53 Prozent der Befragten für eine Urabstimmung über den CSU-Spitzenkandidaten aus, nur 36 Prozent waren dagegen. Auch unter den CSU-Anhängern gab es eine Mehrheit von 51 Prozent für eine interne Wahl. 39 Prozent der CSU-Anhänger lehnten den Vorschlag ab.

Parteispitze versucht Flucht nach vorne

Auch die Parteiführung sperrt sich gegen den Plan. Die CSU-Spitzen versuchen es stattdessen mit der Flucht nach vorne. Stoiber soll möglichst schnell zum Spitzenkandidat gekürt werden, um eine Personaldiskussion geschwind zu ersticken. Potenzielle Rivalen Stoibers stärken dem Chef entweder den Rücken, wie etwa Joachim Herrmann, Fraktionschef der CSU im bayerischen Landtag, oder sie halten sich bedeckt, wie etwa Landwirtschaftsminister Horst Seehofer. Am Dienstag wurde bekannt, dass Stoiber nun möglicherweise schon Mitte Januar von der Landtagsfraktion zum Spitzenmann ausgerufen werden soll. Am kommenden Montag soll das Partei-Präsidium bei seiner Sitzung in München ein Votum für Stoiber abgeben, eine Art Solidaritätsbekundung. Die Opposition spricht von einer Panikreaktion. Offen ist, ob die CSU-Basis dieses Vorpreschen zu Gunsten Stoibers goutiert oder sich gegen das Dekret von oben sperrt.

Für die Umfrage hat das Forsa-Institut zwischen dem 27. und 29. Dezember 1009 Wahlberechtigte in Bayern repräsentativ befragt. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei drei Prozent nach beiden Seiten.

fgue/stern.de