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Fraktionsvorsitz: Gerhardt gibt ab

FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt gibt sein Amt zum 1. Mai 2006 ab. Er macht damit den Weg für Guido Westerwelle als Fraktionschef frei, der seine Ansprüche direkt nach der Wahl angekündigt hatte.

Guido Westerwelle und Wolfgang Gerhardt zeigten sich schließlich in demonstrativer Eintracht. Vor den Mikrofonen nach der ersten Berliner Koalition-Sondierung mit der Union sollte es keine Spur mehr von dem internen Machtkampf geben, der seit Sonntag zwischen beiden ausgetragen wurde. Die beiden Liberalen hatten sich zuvor auf ein Modell für die weitere Zusammenarbeit verständigt, mit dem beide das Gesicht wahren wollen.

FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt gibt sein Amt zum 1. Mai 2006 ab. Das kündigte er nach einer Präsidiumssitzung in Berlin an. Gerhardt unterstrich, dass es sich um einen gemeinsamen Vorschlag mit FPD-Chef Guido Westerwelle gehandelt habe. Der Vorschlag entspreche seiner persönlichen Lebensplanung.

Noch in der Wahlnacht hatte Westerwelle gegenüber Gerhardt den Anspruch angemeldet, neben dem Parteivorsitz auch die Führung der Fraktion zu übernehmen. Er führte dies auf die Absprache vor der Wahl zurück für den Fall, dass die FDP in die Regierung und Gerhardt damit Außenminister geworden wäre. Trotz der erheblichen Stimmenzugewinne für die FDP scheint ihre Regierungsbeteiligung jedoch in weite Ferne gerückt. Somit ist für den 61-jährigen Gerhardt der Traumjob an der Spitze des Auswärtigen Amtes kaum mehr greifbar.

"Der lässt sich nicht vom Hof jagen"

Das bereits seit Jahren ungleiche Tandem an der Spitze der FDP ist somit seit dem Wahlsonntag zerbrochen. Von "Putsch" war gar die Rede. "Der lässt sich nicht vom Hof jagen", meinten Gerhardt-Vertraute. Doch der Wahlausgang hat den Wunsch in der Partei deutlich verstärkt, dass die FDP - sollte sie bei einer großen Koalition stärkste Oppositionskraft werden - mit einer Stimme sprechen müsse.

Die Stimmengewinne von 7,4 auf knapp 10 Prozent bei der Bundestagswahl werden innerparteilich vor allem Westerwelle zugeschrieben. Gerhardts Hinweis, er habe schließlich für den programmatischen Tiefgang und als Außenminister-Kandidat auch für Stimmen gesorgt, ging unter. Vor allem die Jungen in der stark erneuerten Fraktion drücken auf einen Generationswechsel an der Spitze.

Gerhardt und die "alte Garde" abgeschoben

So vermuten viele, dass die "alte Garde" mit Rainer Brüderle, Hermann Otto Solms und Gerhardt in der neuen Legislatur an Gewicht verlieren wird. Bei Gerhardt wurden jetzt alte Wunden wieder aufgerissen. 2001 war der hessische Liberale alter Schule von dem jugendlichen Westerwelle - damals mit tatkräftiger Unterstützung von Jürgen W. Möllemann - aus dem Parteivorsitz gedrängt worden. Die FDP hatte zuvor eine ganze Serie von Wahlniederlagen kassiert.

Gerhardt zog sich auf den Fraktionsvorsitz zurück. Er blieb loyal. Ein starkes Konkurrenzverhältnis zwischen der Fraktion und der Parteiführung im Thomas-Dehler-Haus sorgte aber immer wieder für Reibereien. Damit soll nun auf absehbare Zeit Schluss sein. Gerhardt sei für die parteinahe Friedrich-Naumann-Stiftung ein "ausgezeichneter Kandidat" wurde deren Chef Otto Graf Lambsdorff zitiert. Dieses Amt wird im Frühjahr 2006 vakant.

Frank Rafalski, DPA / DPA
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