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G8-Proteste: Attac kapituliert vor "Hooligans"

Die Polizei hat mit massiver Präsenz die Demos am Montag in Rostock im Zaum gehalten - auch wenn in Lichtenhagen wieder Flaschen flogen. Die Polizei debattiert, ob sie ihre Deeskalierungsstrategie ändern sollte, Attac zeigt sich angesichts der Gewalt ratlos.

Zwei Tage nach den blutigen Ausschreitungen bei den Anti-G8-Protesten haben am Montag in Rostock tausende Menschen unter massiver Polizeipräsenz weitgehend friedlich demonstriert. Die Polizei gab die Zahl der Teilnehmer an der Demonstration für weltweit bessere Lebensbedingungen von Ausländern mit 10.000 an, die Veranstalter sprachen von 15.000. Bei einer anderen Demonstration kam es im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen vereinzelt zu Rangeleien zwischen Polizisten und Demonstranten, die Flaschen auf die Beamten geschleudert hatten. Die Polizei zeigte deutlich mehr Präsenz als am Samstag - personell als auch mit Wasserwerfern und Räumpanzern.

Insgesamt wurden 49 Demonstranten meist wegen Verstoßes gegen das Vermummungsverbot festgenommen. Vereinzelt holten die Beamten auch Teilnehmer aus der Menge, denen eine Beteiligung an den schweren Ausschreitungen vom Samstag vorgeworfen wird. Am Samstag waren am Rande der Anti-G8-Großdemonstration in Rostock fast 1000 Menschen verletzt worden, Dutzende davon schwer.

Schäuble will hart vorgehen

Die Polizeigewerkschaften bekräftigten ihre Forderung nach Änderung der bisher auf Deeskalation ausgerichteten Strategie. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) kündigte mit Blick auf den am Mittwoch in Heiligendamm beginnenden G8-Gipfel an, gegen Gewalttäter werde mit aller Härte vorgegangen. Der Schweriner Innenminister Lorenz Caffier (CDU) unterstützte dies, bekräftigte aber, an der Deeskalationsstrategie werde festgehalten.

Bei der Demonstration unter dem Motto "Für globale Bewegungsfreiheit - gleiche Rechte für alle" forderten die Teilnehmer unter anderem "mehr Bewegungsfreiheit für Migranten" und eine Umkehr in der Asylpolitik. Um ihrem Protest Nachdruck zu verleihen, blockierten mehrere hundert Demonstranten kurzzeitig die Rostocker Ausländerbehörde.

50 Autonome zogen sich aus

Mit mehrstündiger Verspätung begann am Nachmittag der Protestzug zum Rostocker Stadthafen, dem Schauplatz der Krawalle vom Samstag. Unter den Teilnehmern waren nach Polizeiangaben rund 2500 potenzielle Gewalttäter. Die Polizei stoppte den Zug zwischenzeitlich, weil nach ihren Angaben einige Teilnehmer das Vermummungsverbot missachtet und sich mit Steinen bewaffnet hatten. Daraufhin legten rund 50 Autonome ihre Kleidung bis auf die Unterwäsche ab. Mehrere Hundertschaften begleiteten die Demonstranten in beiderseitiger Doppelreihe. Die Polizei verwehrte ihnen den Weg durch die Innenstadt und begründete das damit, dass die Route nur für ein Fünftel der Teilnehmer - 2000 Demonstranten - genehmigt worden sei. Die Organisatoren beendeten den Marsch daraufhin auf halbem Weg. Am Abend feierten mehrere tausend Menschen friedlich am Stadthafen, hörten Bands und tanzten.

Der Mitbegründer der globalisierungskritischen Organisation Attac, Sven Giegold, rechnet allerdings damit, "dass es in den nächsten Tagen nicht friedlich bleiben wird". Attac werde alles tun, um Ausschreitungen zu verhindern, sagte er dem Nachrichtensender n-tv. Giegold räumte aber eine "gewisse Ratlosigkeit" ein. "Hooligans" könne seine Organisation nicht erreichen. Attac-Protestkoordinator Peter Wahl forderte im NDR eine eindeutigere Distanzierung der friedlichen Demonstranten von Gewalttätern.

DPA / DPA