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Gericht: U-Haft für Al-Kaidas Online-Krieger

Ibrahim R. soll in Deutschland eine Art virales Marketing für Al Kaida betrieben haben. Die Bundesstaatsanwaltschaft hat Einblick in die Arbeitsweise des in Osnabrück lebenden Irakers gegeben.

Der 36-jährige Iraker Ibrahim R. habe von seiner Wohnung aus einen extremistischen Chatroom mit dem Namen "Al Ansar" (Die Unterstützer) verwaltet, sagte Bundesanwalt Rainer Griesbaum am Donnerstag in Karlsruhe. Nach der Festnahme des mutmaßlichen Al-Kaida-Helfers bei Osnabrück prüfen die Ermittler die Kontakte des Mannes zu Extremisten im Internet.

"Er hat den Zusammenhalt der terroristischen Vereinigung gefördert", so Griesbaum. Der Beschuldigte sei dringend verdächtig, seit dem 24. September 2005 von seinem Wohnsitz aus in mindestens 28 Fällen eine terroristische Vereinigung im Ausland unterstützt zu haben: In dem Chatroom habe er Propaganda für die "virtuelle Al-Kaida" betrieben und dort Videos von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden, dem mittlerweile getöteten Abu Mussab al-Sarkaui und Al-Kaida-Vize Aiman al-Sawahiri verbreitet. Das Material habe er sich im Internet beschafft.

Man habe bisher keine Informationen, wer der Betreiber des Chatrooms "Al Ansar" sei, sagte Griesbaum. Weil die Nutzer sich dort unter Decknamen einwählten, könne er auch nicht sagen, ob einige von ihnen sich in Deutschland aufhielten. Im Chatroom hätten die Unterhaltungen auf Hocharabisch und in dem Kurdendialekt Sorani stattgefunden. Der Chatroom sei frei zugänglich gewesen. Die Ermittler überprüften derzeit unter anderem zwei sichergestellte Laptops und handschriftliche Notizen des Irakers.

Kampf an propagandistischer Front

Der seit 1996 in Deutschland lebende Mann habe sich entschieden, nicht im Irak zu kämpfen, "sondern an der propagandistischen Säule zu arbeiten", so Griesbaum. Bereits in den Jahren 2004 und 2005 habe die Staatsanwaltschaft München II gegen den Mann ermittelt. Damals sei es um allgemeine Straftaten zur Unterstützung der Islamisten gegangen. Das Verfahren sei im Mai 2005 eingestellt worden. In Niedersachsen sei aber weiter gegen den Mann ermittelt worden, sagte Griesbaum. Im Frühjahr 2006 habe die Bundesanwaltschaft das Verfahren an sich gezogen. Ibrahim R. ist nach Erkenntnissen der Ermittler erst Besucher des Chatraums gewesen. Dann sei er Administrator geworden.

Der Verdächtige sei seit 1996 in Deutschland gewesen, habe keine Arbeit gehabt und nach einem abgelehnten Asylantrag nur eine bis Mitte November befristete Duldung gehabt.

AP/Reuters / AP / Reuters