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stern-Chefredakteur Greta Thunberg ganz persönlich und die Doppelmoral des Gesamtmetall-Chefs: Gregor Peter Schmitz über den aktuellen stern

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"Es überrascht mich selbst, dass ich noch nicht durchgedreht bin" – Greta Thunberg auf dem aktuellen stern-Cover
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Greta Thunberg gibt ihr wohl persönlichstes Interview und eine exklusive stern-Recherche enthüllt die Doppelmoral von Gesamtmetall-Chef Stefan Wolf. Gregor Peter Schmitz über den aktuellen stern.

Vorige Woche war ich in der TV-Sendung "Maischberger" zu Gast. Es ging, natürlich, um den Ukraine-Krieg. Auch Norbert Röttgen, CDU-Mann, und Amira Mohamed Ali, Linken-Frau, waren geladen. Anders als wir Journalisten konnten sie sich kein Entweder-oder erlauben, sie mussten Stellung beziehen. Röttgen legte leidenschaftlich dar, warum wir Wladimir Putin entschieden entgegentreten müssten, selbst wenn dieser mit Atomwaffen drohe. Er bluffe nur, irrationale Bombenabwürfe seien nicht zu befürchten. Doch die Linken-Vertreterin insistierte: Was, wenn Putin doch irrational ist?

Die Frage blieb bei mir hängen, denn sie fällt gerade in vielen Gesprächen. Wir wissen ja, dass Putin genau diese Ungewissheit säen will, aber deswegen allein verschwindet sie nicht. Die verhärtete TV-Debatte erinnerte mich an unsere verhärteten Ukraine-Debatten. Die einen sagen, es sei schon Verrat, nur den leisesten Zweifel an unserer Unterstützung für Kiew erkennen zu lassen, und es sei allein die Entscheidung der Ukraine, wann der Konflikt ende. Die anderen sagen, genauso absolut, man dürfe auf gar keinen Fall die Atommacht Russland provozieren. Am Ende werden sich jedoch beide Seiten treffen müssen: Abschreckung, ja. Aber auch Gedankenspiele, wie der Konflikt enden könne. Nur: Wie sollen die gelingen, wenn keine Grautöne mehr möglich sind? Diese schaffen nämlich in der Diplomatie Frieden.

Persönliche Einblicke von Greta Thunberg

Vermittelnde Töne, Kompromissbereitschaft gar, verbindet kaum jemand mit Greta Thunberg. Sie ist zornig, sie ist laut, von ein bisschen Krise lässt sie sich ihre Klima-Entschlossenheit garantiert nicht kaputtmachen. Sie ist aber auch: erwachsen geworden. Mein Kollege Jonas Breng traf die 19 Jahre alte Schwedin, und sie sprach mit ihm so offen wie vielleicht noch nie. Dass sie auch mal albern sei, dass sie oft gar nicht aufhöre zu quatschen, dass sie gerade "so glücklich sei" wie nie.

Ganz normale Sätze, aber bei einem so ernsten Menschen wie Thunberg klingen sie fast ungeheuerlich. Darf eine Klimaaktivistin glücklich sein, da doch gerade verhandelt wird, wie viel Klimaschutz wir uns in der Krise noch leisten wollen? Und schließlich fragten wir uns als Redaktion: Wie sollen wir Greta inszenieren? Zornig, mit ölverschmiertem Gesicht? Oder fröhlich lachend, voller Zuversicht? Machen Sie sich Ihr eigenes Bild von Greta.

Exklusive stern-Recherche zum Gesamtmetall-Chef

Viele Haushaltshilfen in Deutschland arbeiten schwarz, an der Steuer vorbei, auch in Journalistenhaushalten. Und: Viele Unternehmer in Deutschland greifen schon mal zu Tricks, damit die Bilanz noch etwas besser ausfällt. Ist es also berichtenswert, wenn ein Mann seine Haushaltshilfe über Jahre schwarz beschäftigt und in seinem eigenen Betrieb mit Lohndumping zu hantieren scheint? Oh ja, es kommt auf den Mann an – und was der sonst so sagt. Stefan Wolf ist als Präsident von Gesamtmetall einer der mächtigsten Arbeitgeber-Vertreter der Republik.

In seiner Branche stehen Tarifverhandlungen an, auf die viele andere schauen. Wolf predigt Verzicht, auf Lohnerhöhungen müssten die Arbeitnehmer gar nicht hoffen, auf Wärme im Büro angesichts der hohen Energiekosten auch nicht. "Lieber zwei Pullover als keinen Arbeitsplatz", so Wolf. So pointiert kann man argumentieren, aber sollte man dann nicht persönlich unantastbar sein? Ob Herrn Wolf zu trauen ist, haben Manka Heise und Christian Esser – neue Chefreporter Investigativ bei RTL Deutschland – mit stern-Autorin Tina Kaiser über Monate recherchiert. Ihr Stück dürfte Pflichtlektüre in den anstehenden Metall-Tarifverhandlungen sein.

Herzlich Ihr
Gregor Peter Schmitz

Erschienen in stern 42/2022

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