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Kandidat für den CDU-Vorsitz: Hat Friedrich Merz wirklich zwei Flugzeuge?

Ein Konzernchef aus dem Sauerland bezweifelt, dass Friedrich Merz zwei Flugzeuge besitzt. Aber der bekräftigt: Eines nutze er selbst, das andere eine Firma, bei der er den Aufsichtsrat führt.

Dieses Foto machte ein Planespotter vor etwa zwei Jahren von der mutmaßlichen Privatmaschine von Friedrich Merz. Dem Profil nach zu urteilen sitzt Merz hier offenkundig selbst in der Pilotenkanzel.

Dieses Foto machte ein Planespotter vor etwa zwei Jahren von der mutmaßlichen Privatmaschine von Friedrich Merz. Dem Profil nach zu urteilen sitzt Merz hier offenkundig selbst in der Pilotenkanzel.

Kaum eine Information über Friedrich Merz hat solche Diskussionen ausgelöst wie die Nachricht, dass er zwei Flugzeuge besitzt – er, der sich zugleich als Angehöriger der oberen Mittelschicht betrachtet, nicht als Mann der Oberschicht.

Jetzt sät ein Merz-Unterstützer Zweifel, ob dem Kandidaten für den CDU-Vorsitz wirklich zwei Maschinen gehören:  "Er hat ein Flugzeug", sagte Ulrich Bettermann dem stern. "Zwei Flugzeuge stimmt nicht", bekräftigte der Unternehmer auch in einer Mail. Ein zweites könne sich der Christdemokrat finanziell gar nicht leisten, glaubt Bettermann. Er selbst ist Besitzer eines Konzerns für Installationstechnik in Menden im Sauerland. Der Flugplatz Arnsberg-Menden, von dem aus Merz regelmäßig startet, ist ein Teil von Bettermanns Unternehmensreich – er kennt sich also eigentlich aus.

Friedrich Merz

Bettermann will Friedrich Merz zum Instrumentenflugschein geraten haben

Der 72-Jährige Multimillionär ist selbst Privatflieger. Er hat in Arnsberg nach eigenen Angaben drei Firmenjets stationiert, um auch entlegene Standorte des Unternehmens im Ausland zu erreichen. Vor etwa zehn Jahren will er Merz geraten haben, den Instrumentenflugschein zu machen. Worauf der sich ein Jahr lang reingekniet habe, bis er es geschafft hatte. Und Bettermann ist ein erklärter Merz-Unterstützer.

Aber ein Sprecher von Friedrich Merz widersprach jetzt gegenüber dem stern Bettermanns Zweifeln und bekräftigte: "Die Firma Volatus besitzt zwei Flugzeuge. Eines wird überwiegend von Herrn Merz genutzt, das andere überwiegend von der Firma Wepa Industrieholding."

Die Volatus GmbH & Co. KG in Arnsberg gehört Friedrich Merz persönlich. Bei der Wepa Industrieholding SE, die unter anderem Toilettenpapier und Papiertaschentücher herstellt, ist er der Aufsichtsratsvorsitzende. Bei der Maschine, die diese Firma offenbar regelmäßig von Merz mietet, dürfte es sich um die in Arnsberg-Menden stationierte Turboprop-Maschine vom Typ Socata TBM-910 handeln. In den vergangenen Monaten steuerte das Flugzeug mit dem Kennzeichen D-FAFM immer wieder von dem Flugplatz im Sauerland aus Ziele in Frankreich, Italien und Großbritannien an – und zwar regelmäßig Airports, in deren Nachbarschaft der Wepa-Konzern Standorte unterhält.

Nach einer Landung im belgischen Antwerpen im September 2018 wurde die Maschine in einer dortigen Auflistung ausdrücklich der Volatus GmbH zugeordnet. Allerdings wirft diese Geschäftsbeziehung zwischen Merz als Flugzeugvermieter und der von ihm beaufsichtigten Aktiengesellschaft auch Fragen auf.

Um die "Unabhängigkeit der Aufsichtsratsmitglieder" zu sichern, so der Münchner Professor und Gesellschaftsrechtler Michael Habersack, dürfen sie laut Aktiengesetz zusätzliche Beraterverträge mit der kontrollierten Gesellschaft nur mit Zustimmung des ganzen Aufsichtsrates abschließen. Lieferbeziehungen wie die Vermietung eines Flugzeuges seien davon aber nicht erfasst, sagt Habersack. Möglicherweise gebe es hier eine Lücke im Gesetz.

Laut dem Anfang 2018 veröffentlichten jüngsten Jahresabschluss der Wepa Industrieholding erhielten die drei Aufsichtsratsmitglieder – darunter Merz – im Jahr 2016 zusammen eine Vergütung von 242.000 Euro.

Kennung D-IAFM - mit den Initialen von Friedrich Merz

Das zweite Flugzeug von Merz, das er regelmäßig selbst fliegt, ist nach Recherchen des stern keine Cessna, wie gelegentlich behauptet wird. Tatsächlich handelt es sich offenkundig um eine zweimotorige DA62 des österreichischen Herstellers Diamond. Eine Maschine dieses Typs mit der Kennung D-IAFM – wie bei der D-FAFM mit dem Kürzel FM wie Friedrich Merz – startet laut Trackingseiten regelmäßig vom Flugplatz Arnsberg-Menden. Am Nachmittag des 15. November flog sie vom Flugplatz Schönhagen bei Berlin nach Lübeck. An diesem Abend fand dort eine der CDU-Regionalkonferenzen statt, auf denen sich die Kandidaten für den Parteivorsitz vorstellen. Am gestrigen Dienstag war das Flugzeug von Schönhagen nach Stuttgart unterwegs. Im benachbarten Böblingen trat dort am Abend Merz ebenfalls auf einer CDU-Regionalkonferenz auf. Auch andere Flüge der DA62 - die günstig mit Dieseltreibstoff betrieben werden kann - passen zu Auftritten, die Merz in den vergangenen Monaten absolvierte. Auf manchen Fotos der Maschine, die Planespotter geschossen haben, erkennt man das Profil des Piloten. Es passt zu dem von Merz.

Eine neue DA62 kostet mindestens gut 900.000 Euro. Das scheint sich mit dem Betriebsvermögen von 997.354 Euro zu decken, das die Merz-Firma Volatus GmbH & Co. KG für das Jahr 2016 in ihrem Abschluss auswies. Die deutlich stärker motorisierte Socata TBM-910 ist dagegen neu erst für über drei Millionen Euro zu haben. Aber folgt man dem Merz-Sprecher, dann besitzt die Firma offenkundig auch eine Maschine diesen Typs.

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