Hetzjagd auf Inder "Kein überraschendes Ereignis"


Nach dem brutalen Angriff auf acht Inder bei einem Volksfest in Mügeln sind zwei Männer festgenommen worden. Die 21 und 23 Jahre alten Deutschen wurden kurz darauf aber wieder freigelassen. Die Politik reagiert entsetzt auf die Ereignisse in Sachsen.

Die brutale Hetzjagd auf indische Besucher im sächsischen Mügeln hat Bestürzung und Sorge hervorgerufen. "So ein Gewaltexzess ist nicht hinnehmbar", sagte Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) bei einem Besuch der Kleinstadt zwischen Dresden und Leipzig. Die Hintergründe des Angriffs müssten nun rasch ermittelt werden. Noch sei nicht geklärt, ob es fremdenfeindliche Motive gab.

Etwa 50 zumeist junge Deutsche hatten nach Behördenangaben in der Nacht zum Sonntag acht Inder nach einer Rangelei im Festzelt eines Stadtfestes verfolgt. Insgesamt 14 Menschen wurden verletzt, unter ihnen alle acht Inder. Eine Polizeisprecherin bestätigte, dass es bei dem Angriff ausländerfeindliche Rufe gab. Ein fremdenfeindliches Motiv werde daher nicht ausgeschlossen. "Wir ermitteln aber in alle Richtungen", zunächst wegen Landfriedensbruchs, Körperverletzung und Sachbeschädigung.

Der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Sebastian Edathy (SPD), warnte davor die rechtsextreme Szene zu unterschätzen. "Die Übergriffe von Mügeln sind ein ganz entsetzliches Ereignis, überraschend kommt es aber nicht", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Ich kann dunkelhäutigen Bürgern auch heute nicht mit gutem Gewissen raten, Volksfeste in ostdeutschen Kleinstädten zu besuchen."

Der scheidende israelische Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, sieht die Gefahr eines wachsenden Rechtsextremismus in Deutschland. Die Akzeptanz für Rechtsradikalismus in der deutschen Gesellschaft scheine in den vergangenen Jahren gewachsen zu sein, sagte Stein der "Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen". "Letztendlich muss sich die deutsche Gesellschaft die Frage stellen, inwieweit sie bereit ist, anti-demokratisches Gedankengut zuzulassen oder etwas dagegen zu unternehmen."

Sinti und Roma sehen Politik in der Pflicht

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma forderte ein konsequentes Vorgehen der Strafverfolgungsbehörden. Zur besseren Bekämpfung rassistisch motivierter Gewalttaten sei "endlich auch ein politisches Signal des Gesetzgebers notwendig", so der Vorsitzende des Zentralrats, Romani Rose.

Unterdessen stockte die Polizei in Sachsen die Ermittlungsgruppe zu dem Übergriff auf 15 Beamte auf, der Staatsschutz wurde eingeschaltet. Die Ermittler suchten weitere Zeugen. "Wir müssen die genauen Abläufe des Geschehens klären und weitere Hinweise auf die Angreifer sammeln", sagte die Sprecherin.

Bislang gab es zwei Festnahmen. Die 21 und 23 Jahre alten deutschen Tatverdächtigen wurden aber wieder auf freiem Fuß gesetzt. Die Männer waren durch Zeugenaussagen belastet worden.

"Bei uns gibt es keinen rechtsextreme Szene"

Der Bürgermeister von Mügeln, Gotthard Deuse (FDP), widersprach Vermutungen zu einem rechtsradikalen Hintergrund. "Bei uns gibt es keinen rechtsextreme Szene", sagte er. Wenn der Angriff einen fremdenfeindlichen Hintergrund habe, müssten die Täter aus Nachbarorten kommen. Es gibt allerdings Aussagen, wonach im Vorfeld bekannt war, dass Rechtsextreme zu dem Stadtfest anreisen wollten. So soll der Mügelner Jugendclub nach Medienberichten entsprechende Hinweise erhalten und weitergeleitet haben.

Die Polizeidirektion Westsachsen hatte erst mehr als 20 Stunden nach dem Vorfall offiziell über die Ereignisse berichtet. Danach soll die Gruppe der Deutschen die acht Inder verfolgt haben. Diese hätten vergeblich versucht, sich bei einem Landsmann in dessen Pizzeria "Picobello" in Sicherheit zu bringen. Rund 70 Polizisten drängten die Angreifer schließlich ab. Dabei wurden auch zwei Beamte verletzt. Von den verletzten Indern und Deutschen kamen zwei ins Krankenhaus. Die Opfer waren laut Bürgermeister Deuse auf Einladung der Stadt bei dem Volksfest. "Umso bedauerlicher ist der Vorfall."

DPA DPA

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