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Hitlers Hass-Pamphlet: Bayern will "Mein Kampf" als Schulbuch auflegen

Bisher gelang es dem Freistaat, die Nazi-Ideologien Adolf Hitlers unter Verschluss zu halten. Da Verlage "Mein Kampf" aber ab 2016 drucken dürfen, will ihnen Bayern mit einer wissenschaftlich kommentierten Ausgabe zuvorkommen. Auch ein Schulbuch ist geplant.

Bayern will eine wissenschaftlich kommentierte Ausgabe von Hitlers "Mein Kampf" herausgeben und damit einen Missbrauch und das kommerzielle Geschäft mit der Hetzschrift verhindern. Das Werk soll 2015 auf den Markt kommen. Dann laufen die Urheberrechte des Freistaats Bayern an der Propagandaschrift aus und eine Veröffentlichung durch Dritte kann nicht mehr verhindert werden.

Die wissenschaftlichen Arbeiten für die kommentierte Ausgabe seien bereits weit fortgeschritten, erläuterte das bayerische Finanzministerium am Dienstag. Ziel eines solchen Standardwerks sei die Entmystifizierung von "Mein Kampf", sagte Finanzminister Markus Söder (CSU) nach einem Runden Tisch mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen in Nürnberg. Neben KZ-Überlebenden und ihren Angehörigen fürchten auch Vertreter der jüdischen Gemeinden einen Missbrauch des Hass-Pamphlets etwa durch Neonazis.

Grundwerk des Nazi-Terrors

Hitler hatte das Machwerk 1924 während seiner Festungshaft im bayerischen Landsberg am Lech geschrieben. Es gilt als ideologisches Grundwerk des Nazi-Terrors und wurde zu Hitlers Lebzeiten millionenfach gedruckt. Bisher hatte der Freistaat Bayern stets mit Hinweis auf sein Urheberrecht die Veröffentlichung unkommentierter "Mein Kampf"-Ausgaben gestoppt und sein Nein in Zweifelfällen auf dem Gerichtsweg durchgesetzt.

Erst vor kurzem scheiterte der britische Verleger Peter McGee vor dem Landgericht München mit seinem Vorhaben, kommentierte Auszüge aus "Mein Kampf" in seiner historischen Wochenzeitung "Zeitungszeugen" am Zeitungskiosk zu veröffentlichen. Er hat allerdings angekündigt, in die nächste Instanz zu gehen.

Söder will Veröffentlichungen zuvor kommen

Söder räumte ein, dass vom Jahr 2016 an jedem die Veröffentlichung einer unkommentierten Ausgabe von "Mein Kampf" erlaubt sei - "vorausgesetzt, das geschieht nicht in volksverhetzender Weise". Es werde eine gewisse Medienaufmerksamkeit geben, die für verlegerisches Interesse an "Mein Kampf" sorgen könnte, sagte Söder. Er hoffe, mit einer kommentierten Ausgabe solche Projekte für Verlage kommerziell unattraktiv zu machen.

Neben dem wissenschaftlich bearbeiteten Standardwerk soll das Münchner Institut für Zeitgeschichte noch mit der Herausgabe einer Schulausgabe beauftragt werden. Sie solle junge Menschen zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Propaganda-Pamphlet anregen. "Wir wollen in allen Veröffentlichungen deutlich machen, welch großer Unsinn darin steht - allerdings mit fatalen Folgen", sagte Söder.

Hitlers Reden werden untersucht

Teil des offensiven Umgangs der Freistaats mit "Mein Kampf" sei auch eine in Nürnberg und München geplante Ausstellung. Zu dem am Dienstag auf den Weg gebrachten Maßnahmen-Paket gehöre außerdem eine wissenschaftliche Untersuchung von Reden, die Hitler auf den Nürnberger Reichsparteitagen der Nationalsozialisten gehalten habe. "Dabei steht die Frage im Vordergrund: In welchem Umfang hat später "Mein Kampf" in die Parteitagsrhetorik Eingang gefunden", erläuterte Söder.

iml/DPA / DPA
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