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Integration: Die große Lüge von der Toleranz

Ali sollte schuften, nicht Deutsch lernen. Warum auch? Er sollte ja wieder gehen. Doch er blieb, ohne anzukommen, weil die Deutschen ihn ausgrenzten. Polemik von stern-Autorin Stefanie Rosenkranz über die gescheiterte Integration.

Es gab offenbar eine Zeit, da war das Leben schön und ganz Deutschland ein einziger Reigen von United-Colors-of-Benetton-Menschen, die sorglos durch Wiesen, Wälder und Einkaufszentren einer mulitkulturellen Zukunft entgegen- spazierten. Seite an Seite und Hand in Hand schritten da Costa aus Griechenland, Giuseppe aus Italien und insbesondere Ali aus der Türkei, auf den wir große Hoffnungen setzten. Mittendrin gingen wir, gekleidet in einen Poncho sowie eine Batik-Hose aus dem Dritte-Welt-Laden. Voller Schuldbewusstsein über unsere Vergangenheit streckten wir zur Wiedergutmachung beharrlich beide Arme aus und umarmten die pittoresken Verdammten und Verfolgten dieser Erde, denen wir unermüdlich Bruderküsse ins Barthaar zu pressen suchten.

Dieses beschauliche Deutschland wird nach dem Ritualmord durch einen islamischen Fundamentalisten am niederländischen Filmemacher Theo van Gogh zu Grabe getragen. Zum soundsovielten Mal nach dem 11. September. "Holland ist überall", warnt der SPD-Politiker Dieter Wiefelspütz. Die "Zeit" analysiert die "Tücken der Toleranz", die "Welt" inszeniert täglich den "Abschied von Mulitkulti" oder gar "vom Multi-Kulti-Trauma" - als sei die ganze Republik bis vor kurzem eine Kuschelgruppe gewesen, in der permanent in allerschönster Eintracht folkloristische Straßenfeste gefeiert wurden.

Immer wieder wird auch die Frage laut, ob wir, die Ureinwohner, nicht zu tolerant seien. Nicht so sehr gegenüber Costa und Giuseppe, die wir jetzt nostalgisch verklären, sondern gegenüber Ali. Denn Ali hat uns insgesamt doch sehr enttäuscht. Seinerzeit haben wir der Rügenwalder Teewurst entsagt, um uns furchtlos-kosmopolitisch von Döner zu nähren, doch Ali dankte uns das im Gegenzug keineswegs, indem er Maultaschen oder Grünkohl mit Pinkel verzehrte. Stattdessen wurde Ali in seinem Ghetto immer türkischer und muslimischer. Er wurde sogar türkischer und muslimischer als die Türken selbst, trotz seines deutschen Passes, den wir ihm irgendwann mal zähneknirschend gewährt haben. Und Aysegül, deren Präsenz wir lange Zeit überhaupt nicht wahrgenommen hatten, war keine Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe, sondern verpackte sich in immer mehr Stoffbahnen.

Alis Kinder entwickeln sich auch nicht so, wie wir es von ihnen erwarten konnten: Ihr Deutsch ist schlecht, ihr Türkisch nicht besser. 60 Prozent bleiben sitzen oder werden bei der Einschulung zurückgestellt. Heute beenden weniger von ihnen eine Ausbildung als noch vor zehn Jahren. Die Töchter tragen schon im Kindergartenalter Kopftücher und werden später oft zu Ehen mit Männern aus der alten Heimat gezwungen. Die gegelten Söhne, auf die häufig ebenfalls eine unbekannte "Importbraut" wartet, lungern unterdes vor Discos herum, machen unsere Jennifers und Lenas an und krakeelen: "Was guckssu?", wenn wir verstört gucken.

Einst haben Ali und Aysegül

uns unheimlich betroffen gemacht - wir wähnten sie als Doppelopfer ihres heimatlichen Unrechtsstaates sowie unseres eigenen ausländerfeindlichen Staates, und wenn sie dann auch noch Kurden waren: Jackpot! Doch jetzt merken wir, dass sie gar nicht von uns gerettet werden wollen, sondern vor uns, und zwar vom Allmächtigen. Ihrem Allmächtigen, Allah, nicht unserem, an den wir ohnehin nicht mehr glauben. Aus Ali, der Arbeitskraft, wurde erst Ali, das Opfer, und dann Ali, das Sicherheitsrisiko.

Ali tanzt nicht bei "Rock gegen Rechts", stattdessen geht er in islamische Gotteshäuser. Und hört dort etwa, dass wir im Jenseits wegen unserer Ungläubigkeit "nur das Höllenfeuer erwarten können". Und auch, dass unser Schweiß "einen üblen Geruch verbreitet" und wir "stinken". So wurde es jüngst in einer Berliner Moschee gepredigt - benannt ausgerechnet nach Mevlana, einem der größten mystischen Philosophen des Islam, der einst dichtete: "Wer auch immer du bist, komme,/auch wenn du ein Ungläubiger, ein Heide, ein Feuer-Verehrer bist, komme/ unsere Bruderschaft ist keine der Hoffnungslosigkeit/ selbst wenn du deine Gelübde gebrochen hast/ hundert Mal, komme." Ali, so ist zu befürchten, ist für diese Botschaft nicht empfänglich. Wir übrigens auch nicht, obwohl das genau die Art von Ausspruch ist, um die sich bei Kirchentagen ganze Seminare und so genannte interreligiöse Dialoggrunden ranken.

Wir fassen zusammen und blicken zurück: Der einzige Versuch der Deutschen, mit einer Minderheit zusammenzuleben - einer perfekt assimilierten, integrierten, hoch qualifizierten und in jeder Hinsicht bereichernden Minderheit -, war gerade auf das Entsetzlichste geendet in einer Massenmordmaschine, die Bundesrepublik kaum gegründet, da mangelte es an Arbeitskräften, um das Wirtschaftswunder voranzutreiben. Darum importierte man Menschen, um sie nach Gebrauch wieder in ihre Heimat zurückzuschicken.

Zunächst kamen die so

genannten Gastarbeiter aus dem christlichen und abendländischen Süden Europas, man nannte sie "Itaker" oder "Spaghetti-Fresser". Dass sie "wegen ihrer kulturellen Nähe schnell die gesellschaftlichen Barrieren überwanden", wie die "Welt" neulich meinte, ist eine kühne Behauptung: Zwar hat es Costa Cordalis zum Dschungelkönig gebracht, und aus dem "Spaghetti-Fresser" Giuseppe ist "mein Italiener" geworden. Tatsache ist aber auch, dass bei allen Schulvergleichen die Kinder italienischer Migranten noch schlechter abgeschnitten haben als ihre türkisch- oder russischstämmigen Altersgenossen. Und dass der Verfassungsrichter Udo di Fabio, dessen Großvater in den 20er Jahren aus Italien nach Duisburg auswanderte, um in einer Zeche zu malochen, einer der wenigen Sterne am abendländischen Gastarbeiter-Himmel in Deutschland ist. In der dritten Generation.

Dass uns Costa und Giuseppe nicht stören, liegt hauptsächlich daran, dass wir nach ihnen noch viel mehr Menschen importierten, die uns noch viel mehr stören, und zwar alle aus einem einzigen Land. "Der Multikulturalismus ist erledigt", urteilt die "Welt". Deutschland war in Wahrheit nie multi - und schon gar nicht kulti.

Wenn von multi die Rede ist, meint man damit eigentlich ein Duo. Auf der einen Seite wir, die Ureinwohner, mehr als 80 Millionen. Auf der anderen Seite sie, die Türken, zwei Millionen. Und was kulti angeht: Abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen, erschöpft sich das hierzulande in Folklore, Pizza, Pide und Giros. Die Kultur der Armut ist die Armut der Kultur; die Bundesrepublik hat sich für eine Armutsmigration entschieden. Die Auswanderung hierher, zu uns, führte nirgendwo zu einem Brain-Drain, und bei uns nicht zu einer kulturellen Bereicherung. Bis auf eine burleske Phase sind wir bei der Politik geblieben, dass zu uns jeder kommen kann, solange er noch mehr Probleme hat als wir selbst.

Vor ein paar Jahren umwarben wir die Spezies des "hoch qualifizierten Computer-Inders", dem wir sogar eine (begrenzte) Aufenthaltsgenehmigung geben wollten. Was uns der Computer-Inder damit dankte, dass er lieber in Bangalore blieb oder nach Silicon Valley ging - vielleicht, weil man ihn dort nicht Computer-Inder nennt, sondern Mister Patel.

Zunächst, Anfang der 60er Jahre, als das Reservoir von Costas und Giuseppes erschöpft war, brachten wir Ali in einem Männerwohnheim im Industriegebiet unter, fernab von uns und unserer Gesellschaft. Er sollte schuften, nicht Deutsch lernen, wozu auch, denn er sollte ja wieder gehen. Und Ali wollte gehen, er sparte für die Familie und eine Tankstelle nahe Bingöl oder sonstwo im wilden Osten der Türkei. Was Ali hoffte oder ersehnte, kümmerte uns nicht, was wir hofften oder ersehnten, kümmerte ihn nicht. Integration war damals geradezu verboten.

Sesshaft wurde Ali

erst nach dem Anwerbestopp 1973, zu einer Zeit, als die Türkei sich in einer wirtschaftlichen Talsohle befand und nichts werden konnte aus der Tankstelle. So holte er Frau und Kinder nach und tauschte seine Schlafstatt im Wohnheim gegen eine Wohnung im Sanierungsgebiet. Dort stieß er auf Helga und Herbert, die bislang gedacht hatten, das Maximum an Ausland sei Catarina Valente. Jetzt lebten sie plötzlich Wand an Wand mit Ali und Aysegül. Das konnte nicht lange gut gehen, und als über Helga und Herbert noch Hassan und Buket einzogen, verließen die fluchtartig ihr Viertel.

So kommt es, dass Ali und Aysegül nicht mit uns, sondern neben uns leben, im Ghetto. Dort überlassen wir sie sich selbst und sind ihnen gegenüber unglaublich tolerant, solange sie uns nicht stören. Das heißt, wir sind lethargisch, denkfaul und komplett gleichgültig.

Irgendwann erfand der Christdemokrat Friedrich Merz den Begriff "deutsche Leitkultur", nicht wenige von uns reagierten darauf etwa so, als habe er "Selektion" oder "Endlösung" gesagt. Dabei ist eine "Leitkultur" an und für sich nicht schlecht, sofern sie existiert. Doch wie präsentiert sich die Leitkultur für Ali und Aysegül im Ghetto? "Ausländer, lasst uns mit diesen Deutschen nicht allein!" oder "Ausländer raus!"

Der Finanzminister macht Kassensturz und möchte den Nationalfeiertag opfern, was mehrheitlich dann doch abgelehnt wird. Wenig später macht Hans-Christian Ströbele den Vorschlag, einen islamischen Feiertag einzuführen, als "Signal" nach Holland - Ströbele, der vermutlich erschrocken an sich herumgerochen hat, um herauszufinden, ob er wirklich stinkt. Aufgrund mäßiger Begeisterung lenkt er ein: "Ich möchte den Christen nichts wegnehmen." Als seien die Christen eine Ethnie auf Papua-Neuguinea.

Für Ströbele sind wir alle Alis.

Jörg Schönbohm, Innenminister in Brandenburg, erweckt dagegen den Eindruck, dass alle Alis potenzielle "Hassprediger" sind, denen er notfalls die Staatsbürgerschaft aberkennen will, um sie "abzuschieben". Wie gesichtslos darf eine Nation sein? Und wann werden wir endlich aufhören, krampfhaft zu versuchen, die Zahnpasta zurück in die Tube zu schieben? Oder werden wir demnächst auch alle DVU-Wähler abschieben? Ali ist kein türkisches, sondern ein deutsches Problem, es geht längst nicht mehr darum, ob wir mit ihm leben wollen, sondern wie.

Deutsche Leitkultur, das ist Mülltrennung, Dosenpfand, Tierschutz und Glaubensfreiheit. "Allahs rechtlose Töchter" titelte neulich der "Spiegel" und prangerte einmal mehr an, dass deutsche Staatsbürgerinnen muslimischen Glaubens nicht den Schutz des Grundgesetzes genießen, sondern lediglich den Schutz von Paragraf 4: "Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet."

Im Ghetto bedeutet das: Schon Mädchen mit Pampers werden neuerdings verschleiert. Dank deutscher Rechtsprechung müssen sie weder am Sport- noch am Schwimmunterricht teilnehmen, Klassenreisen bleiben sie ebenso fern wie dem Sexualkundeunterricht. Blickdicht verpackt, werden sie 16-jährig zurück in die Heimat geschickt, wo sie dann irgendeinen Cousin heiraten - aus einem Land, das zu 99 Prozent islamisch ist und in dem gleichwohl das Tragen von Kopftüchern verboten ist an Schulen und Universitäten. Müssen wir wirklich zurückfallen hinter Mustafa Kemal Atatürk?

Wenn eine Moschee

gebaut werden soll, verhalten wir uns völlig schizophren. "Nicht Minarette sind gefährlich, sondern Keller und Garagen, in denen sich religiöse Splittergruppen verstecken", findet Frankreichs ehemaliger Innenminister Nicolas Sarkozy; von so einer Haltung sind wir Lichtjahre entfernt. Wir akzeptieren Moscheen nur dann, wenn sie aussehen wie "Aldi" und irgendwo im Industriegebiet liegen - wie wir generell alles akzeptieren, was wir nicht sehen und was uns nicht stört, so tolerant sind wir.

Bis jetzt haben wir mit dieser Haltung Glück gehabt, auch weil unser Ali ein braver Mensch ist, der uns noch nie etwas zu- leide getan hat. Er trennt den Müll und überquert keine Fußgängerampel bei Rot, mehr haben wir bisher nicht von ihm verlangt. Am Wochenende haben gar mehr als 25 000 Alis gegen den Terror im Namen des Islams demonstriert. "Unschuldige Menschen zu töten bedeutet nicht Dschihad", stand auf einem der Spruchbänder. Und was ist mit den schuldigen?

"Wir haben weniger eine Ausländer- als eine Inländerproblematik", hat Herbert L. Müller vom baden-württembergischen Verfassungsschutz gesagt. "Bei uns werden Neuankömmlinge entweder abgelehnt oder behütet. Aber auch der Behüter behandelt den Behüteten als defizitär." Mit unserem Talent zum Unglück sind wir auf dem besten Weg, eine Bruderschaft der Hoffnungslosigkeit zu werden. Um das abzuwenden, genügt es eigentlich, Ali nicht länger zu tolerieren, sondern endlich mal als Menschen zu behandeln. Nämlich nicht schlechter und auch keinen Deut besser als Helga und Herbert.

Stefanie Rosenkranz / print
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.