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Joschka Fischer: "Wir sind Freunde, und wir werden helfen"

Außenminister Joschka Fischer hat seine Reise durch die asiatischen Flutgebiete mit Hilfszusagen beendet. Gleichzeitig warnte er davor, das Land doppelt zu bestrafen: Auch der Tourismus gehöre zum Wiederaufbau.

Zum Abschluss seiner viertägigen Reise durch die asiatischen Flutgebiete hat Bundesaußenminister Joschka Fischer Sri Lanka langfristige und umfassende Hilfe beim Wiederaufbau zugesichert. "Wir sind Freunde, und wir werden helfen", sagte er am Dienstag in Colombo. Deutschland sei zur sofortigen Unterstützung beim Wiederaufbau bereit. Die Bundesregierung werde sich zudem für Schuldenhilfe und freien Zugang Sri Lankas zum EU-Markt einsetzen. In der deutschen Botschaft nahm Fischer an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der Katastrophe teil.

Der Außenminister will dem Bundeskabinett in Berlin am Mittwoch von seiner Reise berichten. Sein srilankischer Amtskollege Lakshmar Kadirgamar dankte Deutschland für die "wahrhaft erstaunliche" Hilfe. "Wir sind tief berührt", sagte er nach einem Treffen mit Fischer.

Deutschland wird sich nach Angaben von Fischer beim Wiederaufbau auf konkrete Projekte konzentrieren. Im Rahmen der Soforthilfe müssten die sanitären Verhältnisse der Überlebenden verbessert werden, um einen Ausbruch von Seuchen zu verhindern. Dann müsse es zu schnellem Wiederaufbau kommen, damit die Menschen die Auffanglager verlassen könnten. Beschäftigungsmöglichkeiten müssten neu geschaffen, Schulen und Gesundheitssysteme wieder aufgebaut werden. Außerdem müsse man sich um die Waisen und die traumatisierten Kinder und Erwachsenen kümmern.

Tourismus ist Lebensgrundlage

Der Außenminister sagte: "Der Tourismus gehört zum Wiederaufbau." Auch das Auswärtige Amt werde mit Blick auf die Reisehinweise sorgfältig abwägen müssen. Wenn die Urlauber ausblieben, breche den Menschen die Lebensgrundlage weg. "Man darf jetzt nicht die Länder doppelt bestrafen." Für den Tourismus in der Region sei auch das geplante Tsunami-Warnsystem von "nicht zu unterschätzender Wirkung", sagte Fischer. Deutschland werde bei dessen Errichtung mit Expertise und Fachleuten zur Seite stehen. Fischer dankte auch den Sri Lankern. Urlauber hätten davon berichtet, wie sehr ihnen von Einheimischen bei der Katastrophe geholfen worden sei, sagte er. "Das werden wir nicht vergessen."

In Sri Lanka kostete die Katastrophe offiziell knapp 31.000 Menschen das Leben. Mehr als 5000 Menschen werden noch vermisst. Damit ist Sri Lanka gemessen an der Einwohnerzahl von nur 20 Millionen das am schwersten von der Naturkatastrophe betroffene Land. Mit Blick auf die Spannungen zwischen den Tamilen-Rebellen und der Regierung sagte Fischer vor Journalisten, er hoffe, die Katastrophe werde auch als Chance genutzt, bei dem Konflikt voranzukommen. "Die Hilfe muss allen gelten, und der Wiederaufbau muss allen gelten", so Fischer.

In der deutschen Botschaft gedachten Geistliche verschiedener Konfessionen der Toten. Fischer traf dort außerdem deutsche und einheimische Helfer, Vertreter der Tourismusindustrie und Beamte des Bundeskriminalamts (BKA). Das BKA versucht auch in Sri Lanka, Leichen von Ausländern zu identifizieren, die bei der Katastrophe ums Leben kamen.

Fischer sagte, Schwerpunkt seiner Reise sei nicht gewesen, zerstörte Regionen zu besuchen, sondern über die Koordination der nächsten Stufen der Hilfe zu sprechen. "Die Lebensperspektive neu zu eröffnen, den Wiederaufbau anzugehen in der ganzen Breite, das ist die Hauptaufgabe dieser Reise gewesen", sagt er. "Unter diesem Gesichtspunkt war sie außerordentlich hilfreich und nützlich." Fischer hatte vor Sri Lanka Indonesien und Thailand besucht.

DPA / DPA