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Junge Menschen vor der Wahl "Mit nationalen Alleingängen werden wir das weltweite Klimaproblem nicht in den Griff bekommen"

Benjamin Körner
Benjamin Körner darf zum ersten Mal für die Bundestagswahl ein Kreuzchen setzen – und möchte für die Partei Volt in den Bundestag
© Felice Maltzahn / Project Together
Für den 21-jährigen Benjamin Körner ist die Klimakrise das Thema der diesjährigen Bundestagswahl. Wie sich das Problem lösen ließe und welche Themen die Volksparteien stärker angehen sollen, hat er bei der "Unmute Now"-Kampagne in Köln erzählt.

Das Klima geht den Bach runter. Corona hat die Unis dicht gemacht. Und Rente kriegen wir ja eh alle nicht mehr. Kurz vor der Bundestagswahl fühlen sich viele junge Menschen von der Politik alleingelassen. Ihre Perspektiven und Interessen finden im Wahlkampf kaum statt. Ihnen will die  "Unmute Now"-Kampagne der gemeinnützigen Organisation "ProjectTogether" Gehör verschaffen.

Seit dem 23. August 2021 ist das "Unmute Now"-Team mit einem Bus quer durch Deutschland unterwegs. Ihr Ziel: Mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen und ihre Stimmen sichtbar zu machen. In Köln trifft das Team Benjamin Körner. Für den 21-jährigen Politik-Studenten ist es die erste Bundestagswahl, an der auch er seine Stimme abgeben darf. Außerdem kandidiert er für die Partei "Volt" für den Bundestag.

Wirst du am 26. September wählen gehen?

Benjamin: Ja, ich werde wählen gehen, weil es wichtig ist, dass die junge Generation über Zukunftsfragen mitentscheidet. Fragen wie der Klimaschutz werden heute entschieden, betreffen aber vor allem unsere Generation in der Zukunft.

Was ist für dich das wichtigste Thema bei der Wahl?

Das ist ganz klar die Klimapolitik. Wir müssen die Krise endlich gemeinsam europäisch angehen, mit nationalen Alleingängen werden wir dieses weltweite Problem nicht in den Griff bekommen.

Werden deine Interessen von den etablierten Parteien vertreten?

Kaum. Das liegt aus meiner Sicht daran, dass es ohnehin sehr viele ältere Wähler*innen gibt. Wir sollten das Wahlalter auf 16 senken, um dieses Ungleichgewicht zu reduzieren.

Wie nimmst du den bisherigen Wahlkampf wahr?

Ich finde es schade, dass viel zu viel über Personen und Kleinigkeiten gestritten wird und zu wenig über Inhalte. Ich engagiere mich bei der paneuropäischen Partei Volt, weil sie offen und transparente Strukturen hat in die sich jede*r direkt einbringen und beispielsweise am Programm mitarbeiten kann. Über eine kostenlose Plattform kann jede*r mitdiskutieren. Das ist unkompliziert und motivierend, weil man sieht seine eigene Wirksamkeit. Man hat das Gefühl, dass sich der persönliche Einsatz lohnt und wertgeschätzt wird. 

Was muss die neue Bundesregierung als erstes angehen?

Früherer Kohlestopp bis 2030 und eine sozial gerechte CO2-Abgabe.

Viele junge Menschen fühlen sich von der Politik vernachlässigt. Woran glaubst du liegt das?

Die Politik liefert einfach nicht die Themen, die uns junge Leute interessieren, wie zum Beispiel Klima, digitale Bildung, Breitbandausbau. Dafür braucht es offensichtlich neue Parteien.

Was müsste sich ändern, damit sich mehr junge Leute politisch engagieren?

Die politischen Parteien müssen ihr Angebot und ihr Auftreten anpassen. Wir bei Volt haben innerhalb  kürzester Zeit auf das neue Rezo-Video reagiert, das viel besprochene Antwort-Video von Philipp Amthor wird hingegen immer noch unter Verschluss gehalten.

Hast du Angst vor der Zukunft?

Ich bin ein optimistischer Mensch, sehe aber auch die realen Herausforderungen. Wenn wir beim Klima nicht jetzt handeln, ist es zu spät.

Was wünscht du dir für die Zukunft? 

Ich wünsche mir eine moderne, digitalisierte und klimagerechte Zukunft, die alle Europäer*innen solidarisch mitnimmt.

Was würdest du der nächsten Bundeskanzlerin, dem nächsten Bundeskanzler gerne sagen, wenn du könntest?

Ich würde ihm oder ihr sagen, dass die Zukunft Europa ist. Nur zusammen als ein vereintes Europa können wir die Herausforderungen, die vor uns liegen, meistern.

Hinweis: Im Rahmen der "Unmute Now"-Bustour stellen externe Moderator:innen jungen Menschen die wichtigsten Fragen rund um die Bundestagswahl 2021. Der stern veröffentlicht die Interview-Serie.

cl/tkr

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