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KANZLERKANDIDATUR: »Verschwörung« in der Union

Nur wenige Tage nach dem CDU-Parteitag ist der Streit über die Kanzlerkandidatur erneut heftig entbrannt. Mehrere Parteigrößen wollen Angela Merkel scheinbar zum Verzicht drängen.

Nur wenige Tage nach dem CDU-Parteitag in Dresden ist der Streit über die Kanzlerkandidatur in der Union erneut heftig entbrannt. Medienberichten zufolge haben mehrere CDU-Landeschefs und Ministerpräsidenten die CDU-Vorsitzende Angela Merkel zum Verzicht zu Gunsten von CSU-Chef Edmund Stoiber bewegen wollen.

Der mecklenburg-vorpommersche Landeschef Eckhardt Rehberg, Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel, der schleswig-holsteinische Landeschef Johann Wadephul sowie Saar-Regierungschef Peter Müller sollen am Rande des Parteitags vereinbart haben, Merkel zum Verzicht zu drängen.

Wortführer sei dabei Müller gewesen. Auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch und der niedersächsische CDU-Chef Christian Wulff gehörten zu der Gruppe, hieß es.

Müller dementiert

Eine »Verschwörung« wurde von Müller und andere CDU-Spitzenpolitiker umgehend dementiert. Müller sagte, von einer Intrige gegen Merkel sei ihm nichts bekannt. Der Zeitplan müsse eingehalten werden.

Wulff, der auch stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender ist, äußerte sich ähnlich und sagte, es sei weder mit Koch noch mit Müller oder anderen eine gemeinsame Position festgelegt worden. Koch wollte sich nicht äußern. Stoiber erklärte, es bleibe bei der »klaren und fairen Abmachung«, dass die Frage Anfang 2002 entschieden werde.

Goppel gelassen

CSU-Generalsekretär Thomas Goppel äußerte sich gelassen zur neu aufgeflammten Kandidatur-Debatte. »Unsere Frage ist nicht, wer alles aus der Reihe tanzt. Angela Merkel und Edmund Stoiber halten sich an die getroffenen Vereinbarung. Wenn andere in der riesigen Mannschaft ihre Meinung sagen müssen, kann man sie nicht daran hindern«, sagte er. »Die beiden Vorsitzenden werden zur rechten Zeit mit ihren Parteien die notwendige Entscheidung treffen.«

Rüttgers kritisiert

Der nordrhein-westfälische CDU-Vorsitzende Jürgen Rüttgers hat für die erneute Diskussion nach eigenen Angaben kein Verständnis. »Man kann nicht gleichzeitig auf dem Parteitag einem Verfahren zustimmen und wenige Tage später das Gegenteil tun«, bemängelte er.

Während des Bundesparteitags in Dresden sei mehrheitlich beschlossen worden, dass zunächst die Programm- und dann die Personalfragen geklärt werden sollten. Wenn irgendjemand gegen dieses Verfahren gewesen wäre, hätte er dies auf dem Parteitag öffentlich sagen können.

»Das hat aber niemand getan und wer auf dem Bundesparteitag den Mund gehalten hat, der sollte dies auch jetzt tun«, sagte Rüttgers.