Katastrophenalarm Todesdrama in Eissporthalle


Tragödie in der Eissporthalle von Bad Reichenhall: Beim Einsturz des Daches kamen am Montag mindestens fünf Menschen ums Leben, darunter ein Kind. 20 bis 25 Menschen wurden verletzt, etwa eben so viele wurden am Abend noch vermisst. Zum Zeitpunkt des Unglücks war die Halle geöffnet - obwohl die Einsturzgefahr möglicherweise bekannt war.

Die Rettungskräfte sprachen von einem Wettlauf mit der Zeit. Vor der Katastrophe hatte es nach AP-Informationen Warnhinweise gegeben: Der örtliche Eishockeyverein hatte ein für den Nachmittag geplantes Training wegen möglicher Einsturzgefahr der Halle kurzfristig abgesagt. Das Landratsamt Berchtesgadener Land löste Katastrophenalarm aus.

"Ich denke, die Zahl der Toten wird weiter steigen. Wir vermissen 20 bis 25 Personen", sagte der Traunsteiner Polizeisprecher Johann Bohnert. Nach seinen Angaben waren zum Zeitpunkt des Einsturzes viele Familien mit Kindern in der Halle des Kurbades. Unter den zuerst geborgenen Toten befand sich mindestens ein Kind. Die Rettungsarbeiten würden die ganze Nacht andauern. Zur Ursache sagte Bohnert, es habe stundenlange Niederschläge mit sehr schwerem Schnee gegeben. Am Abend waren die Rettungskräfte dabei, mit schwerem Gerät die Halle zu sichern und die Decke anzuheben. Nach den Verschütteten wurde unter anderem mit Hundestaffeln gesucht.

Schwierige Bergung

Im Einsatz waren auch Bundeswehrsoldaten, das Technische Hilfswerk, das Deutsche Rote Kreuz und Feuerwehren aus dem gesamten Umkreis und sogar aus Österreich. Wegen der starken Schneefälle sei es aber schwierig, schnell an den Unglücksort zu gelangen, sagte Rot-Kreuz-Sprecherin Hanna Hutschenreiter. Die Polizei sperrt auf der Autobahn 8 bei Bad Reichenhall einen Fahrstreifen für den Einsatz der Rettungskräfte.

Am Unglücksort versuchte die Feuerwehr, die Reste des Daches abzustützen und zu den Verletzten vorzudringen, wie Polizeisprecher Fritz Braun sagte. Die Bergung gestalte sich schwierig, da das Vordringen in den Trümmern gefährlich sei. Die Rettungsarbeiten sind auch ein Wettlauf mit der Zeit. Peter Volk, Sprecher des Malteser Hilfsdienstes in der Region Traunstein, erklärte, wer verschüttet worden sei, liege auf einer Eisfläche. "Deshalb stellen sich unsere Rettungskräfte nicht nur auf schwer verletzte, sondern auch auf stark unterkühlte Personen ein", sagte Volk. Verletzte wurden unter anderen zu einer Salzburger Klinik geflogen.

Stoiber tief erschüttert

Buchstäblich in letzter Minute war vor dem Einsturz ein Training des örtlichen Eishockey-Athletik-Clubs (EAC) abgesagt worden. EAC-Vorstand Thomas Rumpeltes sagte der Nachrichtenagentur AP, er sei gegen 15.30 Uhr von der Stadt Bad Reichenhall informiert worden, dass das Training nicht stattfinden könne. Die Begründung sei gewesen, dass Einsturzgefahr bestehe. "Der öffentliche Lauf lief scheinbar noch", sagte Rumpeltes.

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber zeigte sich in einer ersten Reaktion Tief erschüttert. "Wir alle sind in Sorge und in Gedanken mit den Opfern dieses schweren Unglücks. Unsere Hoffnung ruht jetzt auf den Rettungskräften vor Ort, die ihr Möglichstes tun", sagte der CSU-Vorsitzende in München.

Schon zwei Stunden zuvor hatte eine Katastrophe das Berchtesgadener Land heimgesucht: Gegen 14.00 Uhr verschüttet eine Lawine am Bergmassiv Reiteralpe zehn Wintersportler. Sieben einheimische Wintersportler konnten sich nach Angaben der Polizei sehr schnell selbst aus dem Schneebrett befreien. Stunden nach dem Unglück wurden dann zwei der Verschütteten, ein Mann und eine Frau tot geborgen. Ein weiterer Mann wird noch immer vermisst. Ihm werden kaum Überlebenschancen eingeräumt.

Starke Schneefälle behindern Einsatz

Ihre Gruppe befand sich auf einer Schneeschuhwanderung am 1607 Meter hohen Schrecksattel bei der Reiteralm, wie das Bayerische Rote Kreuz in Bad Reichenhall mitteilte. Das Gelände ist sehr unwegsam und vom Tal aus nur nach einem langen Aufstieg zu erreichen. Gegen 14 Uhr ging bei der Rettungsleitstelle der telefonische Notruf ein.

Ein Großaufgebot von Rettungskräften war im Einsatz, darunter eine Suchhundestaffel, mehrere Verbände der Bergwacht und die alpine Einsatzgruppe der Polizei. Ein Polizeisprecher sagte, die rund drei Dutzend Bergspezialisten versuchten, sich zu dem Unglücksort durchzuschlagen. Behindert wurde der Einsatz durch starke Schneefälle. Deswegen konnten auch keine Hubschrauber eingesetzt werden.

AP/DPA/Reuters


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