Kofferbomben Speisestärke sollte Verletzte quälen


Mit einer besonders perfiden Methode wollten die sogenannten "Kofferbomber" das Unheil potenzieren: Den Brandsätzen war Speisestärke beigemischt, die sich nach der Explosion wie ein glühender Ölfilm auf die Haut gelegt hätte.

Laut "Focus" geht aus Aussagen des im Libanon verhörten mutmaßlichen Kofferbombers Jihad Hamad (20) hervor, dass die Attentäter im Internet recherchiert hatten, welche Wirkung das Pulver bei einer Explosion hat. Nach der Zündung der Bombe hätte sich ein Benzin-Luftgemisch mit dem feinen Staub der Stärke vermischt. Wie ein glühender Ölfilm hätte die Mischung die Reisenden überzogen und wäre tief in die Hautschichten eingezogen. Auch der "Spiegel" berichtet über die Verwendung der Speisestärke.

Die beiden Sprengstoffkoffer waren am 31. Juli in zwei Regionalzügen in Nordrhein-Westfahlen deponiert worden, jedoch wegen technischer Fehler nicht explodiert.

Fadi S. beteuert Unschuld

Die Bundesanwaltschaft darf laut "Spiegel" Hamad nun doch selbst verhören. Am vergangenen Donnerstag traf ein Bundesanwalt in Beirut ein. Bislang durften die Deutschen nur einmal 45 Minuten lang bei einer Vernehmung zuhören. Hamad und der zuerst als mutmaßlicher Attentäter in Kiel festgenommene Youssef Mohamad el Hajdib (21) gelten als Haupttäter. Wie der "Spiegel" weiter berichtet, hatte El Hajdibs Vater eine führende Rolle bei den Protesten gegen die Mohammed-Karikaturen gespielt. Er sei bei einer gewalttätigen Demonstration gegen das Beiruter UNO-Büro aufgefallen.

Der in Konstanz festgenommenen Syrer Fadi A.S. (23) hat dem "Spiegel" zufolge ausgesagt, er habe Hajdib dabei geholfen, im Internet nach Bauanleitungen für Bomben zu suchen. Den Koffer habe ein Marokkaner aus Düsseldorf besorgt. Der in Deutschland inhaftierte Syrer beteuert seine Unschuld. Sein Rechtsanwalt Wolfgang Ferner hat Haftprüfung beantragt. "Es gibt keine Belege für eine Beteiligung meines Mandanten an der Tat", sagte er dem "Focus".

Visa-Antragsteller besser prüfen

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach mahnte in der Berliner Zeitung "B.Z. am Sonntag" bessere Kontrollen bei der Visa-Erteilung an: "Der Staat muss sich die Menschen, die aus Problemstaaten zu uns kommen, viel genauer ansehen als bisher." Das gelte für die Visa- Antragsteller selbst, aber auch jene, die Ausländer einladen und für sie bürgen. "Zumindest einer der tatverdächtigen Kofferbomber hätte bei Überprüfung seines deutschen Bürgen kein Visum bekommen dürfen."

DPA DPA

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