HOME

Kommunalwahlen: CSU verliert die großen Städte

Bei den Kommunalwahlen in Bayern hat die SPD ihre Hoheit über die beiden größten Städte verteidigt. In München konnte Amtsinhaber, der Sozialdemokrat Christian Ude sogar noch zulegen. Ministerpräsident Günther Beckstein nannte die Resultate "bitter". Eine Überraschung zeichnet sich in Augsburg ab.

Die CSU hat in den größten bayerischen Städten eine schwere Schlappe erlitten. Bei den Kommunalwahlen wurden die SPD-Oberbürgermeister in München und Nürnberg mit großer Mehrheit wiedergewählt und konnten nach ersten Ergebnissen und Prognosen ihre Vorherrschaft auch in den Stadträten kräftig ausbauen. Die CSU musste dagegen bei der ersten Wahl nach Amtsantritt von Parteichef Erwin Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein teils deutliche Einbußen hinnehmen. Beckstein nannte diese Resultate "bitter", verwies aber auf recht unterschiedliche Ergebnisse und CSU-Erfolge in Augsburg und Erlangen.

Parteichef Erwin Huber sagte auf einer CSU-Wahlparty in München, die CSU habe nicht verloren, es gehe um Persönlichkeitswahlen. Die Ergebnisse in München und Nürnberg könnten nicht aufs Land hochgerechnet werden. Dagegen sagte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil in Berlin, die bequemen Zeiten für die CSU seien vorbei. Für Beckstein und Huber habe die erste Wahl desaströs geendet.

Ude mit bislang bestem Ergebnis

In München wurde Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) nach Auszählung von 874 der 883 Stimmbezirke mit seinem bislang besten Ergebnis von 66,8 Prozent wiedergewählt. Sein CSU-Kandidat Josef Schmid kam nur auf 24,5 Prozent. Nach einer Prognose von Infratest Dimap für das Bayerische Fernsehen kann Ude die bayerische Landeshauptstadt auch mit einer gestärkten rot-grünen Rathausmehrheit regieren. Die CSU fiel dagegen im Stadtrat auf nur noch 28,5 Prozent zurück. Ude bedankte sich bei der Münchner Bevölkerung "ganz herzlich" für seine insgesamt vierte Wahl mit steigender Tendenz und bekundete die Absicht, die älteste rot-grüne Koalition in Deutschland für weitere sechs Jahre fortzusetzen. Die Irritationen auf Bundesebene seien für die SPD nicht gerade wohltuend gewesen, hätten aber keine Auswirkungen auf die Kommunalwahl gehabt.

In Nürnberg wurde SPD-Oberbürgermeister Ulrich Maly mit 64,3 Prozent im Amt bestätigt. Sein Gegenkandidat Clemens Gsell von der CSU kam nur auf 27,4 Prozent. Im Nürnberger Stadtrat fiel die CSU laut Prognose um zehn Prozentpunkte auf 33,5 Prozent ab. Die Linkspartei erreichte in München laut Prognose 4,0, in Nürnberg sogar 5,0 Prozent. In der drittgrößten bayerischen Stadt Augsburg dagegen lag SPD-Oberbürgermeister Paul Wengert im ersten Wahlgang mit 40,6 Prozent hinter CSU-Herausforderer Kurt Gribl (43,6 Prozent) zurück und muss in der Stichwahl in zwei Wochen um seine Wiederwahl bangen. In Erlangen wurde CSU-Oberbürgermeister Siegfried Balleis mit 55,8 Prozent wiedergewählt. Auch die CSU-Oberbürgermeister in Ingolstadt, Amberg und Kempten wurden im Amt bestätigt.

Stichwahlen in Würzburg, Regensburg und Passau

Dagegen müssen sich die Christsozialen Pia Beckmann in Würzburg, Hans Schaidinger in Regensburg und Albert Zankl in Passau der Stichwahl stellen. Zankl lag mit 37,7 Prozent klar hinter SPD-Herausforderer Jürgen Dupper (46,7 Prozent). Mit der überwältigenden Mehrheit von 80,1 Prozent wiedergewählt wurde dagegen auch der Fürther Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD). Das Landesergebnis wird erst im Lauf der Woche erwartet.

Bei den letzten Kommunalwahlen hatten die CSU landesweit 45,5 Prozent, die SPD 25,1 Prozent und die Freien Wähler 15,6 Prozent erreicht. Der SPD-Fraktionschef im Landtag, Franz Maget, sprach von einem "fantastischen Ergebnis für die SPD in Bayern". Das sei eine gute Vorlage für die Landtagswahl im September: "Die SPD hat Rückenwind - der CSU schwimmen die Felle davon." CSU-Fraktionschef Georg Schmid sagte dagegen, die CSU habe auf dem Land exzellent abgeschnitten und sich als dominierende Kraft in Bayern behauptet. Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause nannte die Grünen die Gewinner dieser Kommunalwahl mit rot-grünen Mehrheiten in München und neu in Nürnberg.

94,5 Prozent für die CSU im Allgäu

Der Oberallgäuer Ferienort Balderschwang - nicht nur Bayerns kleinste, sondern auch höchst gelegene Kommune - ist sich treu geblieben und hat auch bei diesen Kommunalwahlen seinen Ruf als besonders schwarze Gemeinde untermauert. Der einzige Bürgermeisterkandidat Werner Fritz, der als Parteiloser auf der offenen CSU-Liste antrat, brachte es auf 88,3 Prozent der Stimmen. Noch deutlicher fiel in der 240-Einwohner-Gemeinde das Ergebnis bei der Landratswahl aus: 94,5 Prozent der 175 Stimmberechtigten votierten laut dem örtlichen Wahlleiter für den amtierenden Landrat Gebhard Kaiser (CSU).

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters