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Konstantin Wecker: "Ich hoffe, dass sich etwas rührt"

Nicht nur Politiker und Journalisten waren am Dienstag im Reichstag. Die Linkspartei hatte auch den Musiker Konstantin Wecker eingeladen. Im stern.de-Interview sagt Wecker, was er über Oskar Lafontaine, die große Koalition und Angela Merkel denkt.

stern.de: Hallo Herr Wecker. Was machen Sie denn hier im Reichstag?

Konstantin Wecker: Ich bin von Gregor Gysis Büro gefragt worden, ob ich heute nicht als Gast der Linkspartei dabei sein möchte. Die Einladung habe ich sehr gerne angenommen, weil ich zum einen Zeit hatte, zum anderen die Möglichkeit nutzen wollte, die Sitzung zu beobachten. Ich wollte auch die Chance nutzen, mit Lafontaine und Gysi ein wenig ins Gespräch zu kommen. Ich habe die Hoffnung, dass diese Partei den außerparlamentarischen Bewegungen eine Stimme verleihen wird - explizit der Friedensbewegung, als deren Teil ich mich betrachte.

Wie war die Stimmung?

Sehr locker und sehr nett. Bei der Linkspartei waren ja mehrere Gäste da. Dass die Linkspartei jetzt im Parlament ist, eröffnet die Chance, dass man künftig Dinge erfährt, die man sonst vielleicht nicht erfahren würde.

Was halten Sie denn von der großen Koalition? Haben Sie Angst vor diesem Bündnis?

Nein. Ich habe da überhaupt keine Angst. Ich bin eigentlich sehr zufrieden mit diesem Wahlergebnis, weil ich der Meinung bin, dass das neoliberale Komplott wirklich eine eindeutige Absage erhalten hat. Werner Schneyder hat einmal sehr schön gesagt, dass sich Rot-Rot nicht mehr verbinde, habe mit einem alttestamentarischen Männer-Hass zu tun - zwischen Schröder und Lafontaine. Den Ausdruck finde ich auch sehr schön, weil das Wahlprogramm Gerhard Schröders eigentlich erstaunlich SPD-mäßig gewesen ist - anders jedenfalls als sein Regierungs-Programm.

Können Sie sich dennoch vorstellen, künftig die SPD zu unterstützen?

Man darf meine Unterstützung für die Linkspartei nicht überbewerten. Ich habe dieses Mal gesagt, ich wähle die Linkspartei, weil ich eine starke Opposition möchte und weil ich es schön finde, dass sich WASG und PDS verbunden haben. Jetzt schauen wir mal. Wenn die Partei das erfüllt, was sie versprochen hat, dann glaube ich sowieso, dass es irgendwann zu einer rot-roten Annäherung kommen wird. Das wäre auch vernünftig.

Mit Oskar Lafontaine haben Sie keine Probleme?

Nein, ich habe mit ihm überhaupt keine Probleme. Ich kenne ihn schon länger und habe auch im Vorfeld der Wahlen mit ihm gesprochen. Ich finde, dass er sehr klar denkt. Er ist ausgesprochen dämonisiert worden, was bei mir sofort ein Gerechtigkeitsgefühl erregt hat. Inhaltlich ist man in diesen Zeiten der Dämonisierung nicht auf ihn eingegangen. Ich bin der Meinung, dass Lafontaine aufrecht gewesen ist. Das Umfaller-Mäntelchen würde ich eher anderen anhängen als ihm.

Wem denn?

Zum Beispiel den Grünen - mit ihrer Einwilligung zum Einsatz der Bundeswehr im Kosovo-Krieg. Ganz eindeutig sind Sie in Bezug auf ihre friedenspolitischen Vorstellungen umgefallen.

Was erwarten Sie jetzt von der neuen Regierung?

Dass sich was rührt. Ich hoffe, dass sich etwas rührt, dass vielleicht auch die Chance genutzt wird aufzuhören, Menschen, die man zuerst in die Verarmung getrieben hat, dann auch noch als Frustrierte zu beschimpfen, wenn sie sich darüber beschweren. In den vergangenen Jahren haben sämtliche große Konzerne unglaubliche Gewinne einfahren. Dieses Missverhältnis müsste doch irgendwann einmal aufgedeckt werden. Dieses Missverhältnis ist da, viele Leute glauben daran, aber die Medien wollen es offenbar nicht aufdecken.

Was wünschen Sie besonders der künftigen Kanzlerin Angela Merkel?

Für mich ist Angela Merkel einfach kein Thema. Ich denke nicht darüber nach.

Die Fragen stellte Florian Güßgen