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Kopftuch-Streit: Beckstein stellt sich vor Deligöz

Die Morddrohungen an die Grüne Ekin Deligöz haben auch Bayerns Innenminister Beckstein empört: Das Vorgehen "rückärts gewandter Kreise" sei traurig, sagte er.

Nach den fundamentalistischen Drohungen gegen die türkischstämmige Grünen-Abgeordnete Ekin Deligöz wollen die Grünen die Meinungsfreiheit offensiv gegen Islamisten verteidigen. Fraktionschefin Renate Künast sagte in Berlin: "Ich hoffe auf eine Kampagne. Man kann unterschiedlicher Meinung beim Kopftuch sein, aber die Debatte muss nach demokratischen Spielregeln ablaufen." Parteichefin Claudia Roth sagte: "Es ist vollkommen inakzeptabel, dass die Meinungsfreiheit in unserem Land in Frage gestellt wird." Die Vertreter islamischer Verbände beraten die Lage auf Einladung Künasts mit den Grünen.

Diesem Urteil schloss sich auch Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) an: "Es ist traurig, wenn rückwärts gewandte Kreise eine schiere Selbstverständlichkeit wie die Forderung nach dem Ablegen des Kopftuchs zum Anlass für Morddrohungen nehmen", sagte Beckstein dem "Münchner Merkur".

Islamische Verbände als Vorbilder

Künast zeigte sich zuversichtlich, dass die Verbände als "Vorbild" mäßigend auf Deligöz-Kritiker in Deutschland einwirken könnten. Die Abgeordnete hatte nach einem Appell an muslimische Frauen in Deutschland, als Zeichen der Emanzipation ihr Kopftuch abzulegen, Anfeindungen und Morddrohungen erhalten. Sie steht seither unter Personenschutz.

Deligöz untermauerte im Deutschlandfunk ihre Position: "Ich kämpfe hier um das Recht der Meinungsfreiheit." Sie zeigte sich von den Anfeindungen enttäuscht, aber auch motiviert, sich weiter für die Emanzipation von Musliminnen einzusetzen: "Da ist eine große Enttäuschung, was mich aber eigentlich mehr ermuntert weiterzumachen." Ihren Appell, auf das Kopftuch abzulegen, verteidigte sie gegen den Vorwurf der Naivität: "Ich halte es im Gegenzug für naiv, wenn man das Kopftuch nur als Modeaccessoire sieht."

DPA / DPA