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Kritik an Guttenbergs Afghanistan-Besuch: "Fehlt nur noch Frau Katzenberger"

Stephanie zu Guttenberg begleitet ihren Mann und Verteidigungsminister Karl-Theodor zur Stippvisite nach Afghanistan. Die Aufgaben sind klar verteilt: Sie plaudert mit Soldatinnen, er zeichnet mit Johannes B. Kerner eine Show auf. Die Opposition wittert plumpe PR. Der Minister kontert: "Ich tue das, was ich für richtig halte."

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat erstmals gemeinsam mit seiner Ehefrau Stephanie die deutschen Truppen in Nordafghanistan besucht. Das Paar traf bei der Blitzvisite am Montag mit Soldaten an den Standorten Masar-i-Scharif und in der Unruheregion Kundus zusammen. Zur Delegation zählte auch Moderator Johannes B. Kerner, der eine Talkshow mit dem Minister und Soldaten aufzeichnen wollte. Die Opposition reagierte mit Empörung und warf Guttenberg Selbstinszenierung vor.

Stephanie zu Guttenberg wollte sich bei ihrem ersten Afghanistan-Besuch ein Bild vom Einsatz der deutschen Soldaten machen und ihnen danken. Sie habe ihren Ehemann schon immer auf einer seiner Reisen an den Hindukusch begleiten wollen, sagte sie im Feldlager in Kundus. Ihr Gatte war bereits zum siebten Mal in Afghanistan. Der Gefahr in Afghanistan begegne sie mit viel Respekt. "Das ist kein spaßiger Ausflug, das ist bitterer Ernst", sagte Stephanie zu Guttenberg. "Von Angst darf man sich hier nicht überwältigen lassen, sonst ist man eindeutig am falschen Platz." Sie wolle sich aber nicht durch die angespannte Sicherheitslage davon abhalten lassen, "als Bürger dieses Landes Danke zu sagen". Frau zu Guttenberg besuchte am Vormittag zunächst das Lazarett und sprach dann mit Soldatinnen über die Anforderungen für Frauen im Einsatz. "Das kann man wahrscheinlich manchmal von Frau zu Frau besser", sagte die Ehefrau des Ministers.

Guttenberg ist der erste deutsche Minister, der seine Ehefrau mit ins Einsatzgebiet nimmt. Im Frühjahr war bereits der damalige Bundespräsident Horst Köhler in Begleitung seiner Ehefrau zu einem Truppenbesuch in Nordafghanistan. Eine umstrittene Äußerung in einem Interview auf dem Rückflug nach Deutschland wurde später zu einem Grund für Köhlers Rücktritt.

"Guttenberg nutzt Bundeswehr als Dekoration"

SPD-Chef Sigmar Gabriel kritisierte die Reise der Guttenbergs als "absolut unangemessen". "Ich finde, Frau Katzenberger fehlt noch", sagte er unter Anspielung auf die Teilnahme des Moderators Johannes B. Kerner. Die Generalsekretärin Andrea Nahles haut in die gleich Kerbe: "Mit dieser Entourage macht zu Guttenberg sich immer mehr zum Staatsschauspieler. Eine Amerikanisierung der Politik, bei der die Inszenierung wichtiger wird als der Inhalt, tut der deutschen Politik nicht gut." Der Verteidigungsminister kontert: "Ich tue das, was ich für richtig halte, um den Soldaten hier im Einsatz die Anerkennung und die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die sie verdienen", sagte Guttenberg am Montag dem Internet-Portal "Spiegel Online" vor seinem Rückflug von Masar-i-Scharif nach Deutschland.

"Die Soldaten werden für die Show des Ministers instrumentalisiert", bemängelte der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels im "Tagesspiegel". Er sprach von einer befremdlichen Inszenierung. Der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour erklärte, es sei Guttenbergs eigene Entscheidung, ob er aus dem Truppenbesuch vor Heiligabend einen Familienausflug mache. "Allerdings läuft er Gefahr, dass er die Risiken im Einsatzgebiet stark banalisiert", sagte er.

Grünen-Chefin Claudia Roth hielt Guttenberg vor, er nutze die vorweihnachtliche Kulisse in den deutschen Feldlagern in Masar-i-Scharif und Kundus "für plumpe Eigen-PR". Während in Berlin über die Bilanz des bisherigen Einsatzes debattiert werde, produziere er strahlende Bilder mit Gattin im Krisengebiet. "Der extra eingeflogene Hofberichterstatter samt Fernsehstudio wird dabei für die gewünschte Verbreitung sorgen", sagte sie dem "Hamburger Abendblatt".

Kritik kam auch vom Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi. "Die ministerielle PR-Aktion mit Gattin und Talkshow-Tross verbessert weder die Lage im Land, noch macht sie den von der klaren Mehrheit der Deutschen abgelehnten Bundeswehreinsatz richtig", sagte Gysi dem "Tagesspiegel". Afghanistan sei das letzte Land, das sich für Showbusiness und Entertainment eigne. Auch der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, reagierte verärgert auf die unübliche Mitreise der Ministergattin ins Kriegsgebiet. "Guttenberg nutzt die Bundeswehr als Kulisse und Dekoration für seine Inszenierungen", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung". Langsam gehe dem Minister jegliches Gespür dafür ab, wo die Grenzen seien.

Wie erklären wir es unseren Kindern?

Guttenberg sagte zur Mitreise seiner Frau: "Es war ihr eigener Wunsch, und es war ein Wunsch, der immer wieder aus der Truppe geäußert wurde." Der gemeinsame Besuch solle zeigen, "dass der Einsatz der Soldaten nicht nur politisch getragen wird, sondern darüber hinaus". Die Bundesregierung teilte mit, Stephanie zu Guttenberg bezahle ihre Reisekosten selbst. Zur Reaktion ihrer beiden acht und zehn Jahre alten Töchter auf die Reiseplanung sagte Stephanie zu Guttenberg: "Begeistert waren sie nicht, aber sie haben das verstanden." Sie habe den beiden Kindern erklärt, dass sie in Afghanistan Menschen frohe Weihnachten wünschen wolle, die nicht mit ihrer Familie feiern können.

Der Minister dankte den Soldaten. "Es ist ganz wichtig, dass man gerade in der Weihnachtszeit jenen Anerkennung und Unterstützung gibt, die tausende Kilometer von der Heimat entfernt einen harten Dienst absolvieren", sagte er. "Es ist eine Frage des Herzens."

Hangar wird zum Fernsehstudio

Für die Sendung von Moderator Kerner, die am Donnerstag ausgestrahlt werden soll, wurde ein Hangar auf dem Flugplatz von Masar-i-Scharif in Beschlag genommen und mit Einsatzfahrzeugen und einem Sanitätshubschrauber dekoriert. Der Minister würdigte die Show als weiteren Versuch, die Einsatzbedingungen besser nach Deutschland zu vermitteln. "Es muss verstanden werden, was dieser Einsatz bedeutet."

Nach Angaben eines Ministeriumssprechers gab es eine Anfrage der Redaktion. Diese sei im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit angenommen worden. Das Format sei geeignet, die Öffentlichkeit über die Besonderheiten des Einsatzes in Afghanistan "durch das unmittelbare Gespräch mit den Soldatinnen und Soldaten zu informieren", sagte der Sprecher zur Begründung.

zen/swd/DPA/Reuters/AFP/DAPD / DPA / Reuters