VG-Wort Pixel

Kritik an Lehrerausbildung Den Anforderungen nicht gewachsen


Kritik an den Bildungsreformen. Der Aktionsrat Bildung bemängelt die Qualität der Lehrerausbildung in Deutschland. Lehrer gingen angesichts unausgegorener Reformwellen in eine "innere Emigration". Empfohlen werden Schulinspektionen.

Der Aktionsrat Bildung übt nach den Bildungsreformen der vergangenen Jahre harsche Kritik an Deutschlands Lehrerbildung. In ihrem neuen Jahresgutachten bemängeln der Hamburger Bildungsforscher Dieter Lenzen und seine Mitarbeiter, dass Teile der Lehrerschaft angesichts unausgegorener Reformwellen schon in die "innere Emigration" gingen und die Qualität der Lehrerausbildung mit den veränderten Anforderungen nicht Schritt gehalten habe. Um die Qualität des Unterrichts besser kontrollieren zu können, empfiehlt der Aktionsrat daher regelmäßige Schulinspektionen. An den Hochschulen sieht das mit prominenten Bildungsforschern besetzte Gremium dagegen ganz andere Probleme: Überarbeitung und Burnout der Dozenten und Professoren.

Grundschullehrerinnen bescheinigt der Aktionsrat einen "erheblichen Professionalisierungsbedarf". Das vergleichsweise schlechte Abschneiden der deutschen Schulen bei internationalen Vergleichen habe zu einer grundlegenden Erschütterung des Selbstverständnisses der Lehrer geführt und sei "für die weitere Grundschulreform nicht ungefährlich". Der Erschütterung folge nicht automatisch eine Verbesserung der Lehrerleistungen, sondern nicht selten auch "innere Emigration" oder sogar "offener Widerstand".

Ähnlich schwerwiegende Probleme sehen die Fachleute an den weiterführenden Schulen. Die Anstrengungen zur "Stärkung der Professionalität des Lehrpersonals" stimmten "nur ansatzweise" mit den künftigen Anforderungen an den Lehrerberuf überein. Die Bildungsforscher fordern daher Änderungen bei der Lehrerausbildung.

An den Hochschulen sieht Bildungsforscher Lenzen - selbst Präsident der Universität Hamburg - keinen Widerstand gegen Reformen, sondern Überlastung. Die Reformen an den Hochschulen seien ausschließlich durch die erhöhte Arbeits- und Einsatzbereitschaft des wissenschaftlichen Personals realisiert worden. "Dieses Personal weist jedoch inzwischen erhebliche Burnout-Symptomatiken auf", heißt es in dem Gutachten.

cjf/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker