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Berliner Moschee-Projekt: "Dienerin des Satans" - Konservative Muslime und Islamisten hetzen gegen liberale Moschee

In der vergangenen Woche hat die Frauenrechtlerin Seyran Ateş in Berlin eine liberale Moschee eröffnet. Das Projekt wurde von Anfang an von konservativen Muslimen massiv kritisiert - es gibt Hetze und Drohungen.

Seyran Ateş kennt das: Seit die türkischstämmige Frauenrechtlerin politisch aktiv ist, wird sie massiv angefeindet. Früher wurde die Berliner Rechtsanwältin attackiert, weil sie sich für die Gleichberechtigung türkischer Frauen einsetzte. In der Gegenwart ist Ateş ins Visier konservativer und radikaler Muslime geraten, weil sie für einen liberalen, weltoffenen Islam kämpft.

Ihr jüngstes Projekt startete am vergangenen Freitag. Da eröffnete sie gemeinsam mit Mitstreitern die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee im Berliner Stadtteil Moabit. Die Moschee ist in einem Raum der evangelischen St.-Johannis-Kirche untergebracht: "Es ist Zeit, dass die liberalen, moderaten Muslime auch Gesicht zeigen", sagte die 54-Jährige dem "rbb"

Konservativen Muslimen ist Moschee ein Dorn im Auge

Die massiven Anfeindungen in Deutschland und weltweit haben einen Grund: Das liberale Moschee-Projekt ist vielen konservativen Muslimen ein Dorn im Auge. Und nicht nicht nur das: Es gab wüste Beschimpfungen und sogar Morddrohungen gegen Ateş. Denn sie bricht mit Tabus: Frauen und Männer beten in der Moschee gleichberechtigt nebeneinander, das Gotteshaus ist für Sunniten und Schiiten gleichermaßen offen und Homosexuelle sind ausdrücklich erwünscht. Zudem setzt sich Ateş für eine zeitgemäße Interpretation des Korans ein, die die zentralen Aussagen historisch-kritisch betracht und nicht wortwörtlich übernimmt. Ateş ist selbst gläubig und lässt sich für das Projekt zur Imamin ausbilden.

Betrachtet man die feindseligen Reaktionen auf das Projekt, wird deutlich, dass Ateş und liberale Muslime einen schweren Kampf zu führen haben. Den arabischen Bericht der Deutschen Welle über die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee schauten bislang 1,7 Millionen Menschen, berichtet "Spiegel online". Die meisten Kommentare unter dem Video sind negativ: "Das ist nicht die Religion unseres Propheten", zitiert die "Welt" den Kommentar eines Gläubigen. 


Doch das ist harmlos im Vergleich zur Hetze türkischer Medien, die das Thema aufgriffen. Sie berichteten laut "Spiegel online", dass Ateş und die Moschee angeblich von der Gülen-Bewegung gesteuert würden, seit dem Putschversuch Staatsfeind Nummer eins in der Türkei. Die Behauptung hatte der TV-Sender AHaber in die Welt gesetzt. AHaber nannte die Moschee demnach einen "Skandal" und "Verrat". Regierungsnahe türkische Medien griffen den Beitrag auf: Das Boulevardblatt "Takvim" berichtete unter der Überschrift "Gülen-Ketzerei, Applaus aus Israel". Die Gülenisten in Deutschland verzerrten den Islam nach ihren "eigenen, perversen Ansichten", schrieb die Tageszeitung "Star" demnach. Auch in den sozialen Medien in der Türkei wurde Ates heftig attackiert. Türkische Twitter-Nutzer beschimpfen sie als "Fetö (steht für Gülen-Bewegung, Anm. d. Red.)-Handlangerin" und "Terrorhelferin".

Hetzer toben sich auf Facebook aus

Auch auf Facebook tobten sich die Hetzer aus: Am Sonntag veröffentlichte Ateş die Privatnachricht eines Users namens Mustafa O. Dieser schickte ihr ein Pistolen-Symbol zu, dazu kommentierte er: "Bald". "Die Alte macht grade ihr Testament", kommentierte der Nutzer "Isa Sun" unter einem Video über die liberale Moscheegemeinde. "Ateş ich hoffe du verbrennst in der Hölle", schrieb ein anderer. "Fatoş G." empfahl: "Kopf gegen die Wand schlagen". Auf Anfrage bestätigte die 54-Jährige die zahlreichen Bedrohungen, berichtet die "Berliner Morgenpost". Eine Video-Botschaft an ihre Kritiker und Hetzer hat Ateş mittlwerweile von ihrem Profil gelöscht.

Einer der schärfsten Gegner der Frauenrechtlerin ist der Islamkonvertit und Antisemit, Martin Lejeune. Er wirft ihr einen "Kreuzzug gegen den Islam vor". Er spricht von einem "ganz gefährlichen Projekt" und fügt an: "Das muss gestoppt werden." Wer die Wahrheit verschweige, sei "ein Diener des Satans".