Lohndumping-Vorwürfe Schlecker beendet Zusammenarbeit mit Leiharbeitsfirma Meniar


Nach massiver Kritik und Lohndumping-Vorwürfen hat die Drogeriekette Schlecker die Zusammenarbeit mit der Leiharbeitsfirma Meniar beendet. Man habe die öffentliche Diskussion um die Beschäftigung von Meniar-Leiharbeitern "bisher nicht nachvollziehen können", erklärte ein Sprecher des Unternehmens am Montagabend in Ehingen.

Nach massiver Kritik und Lohndumping-Vorwürfen hat die Drogeriekette Schlecker die Zusammenarbeit mit der Leiharbeitsfirma Meniar beendet. Man habe die öffentliche Diskussion um die Beschäftigung von Meniar-Leiharbeitern "bisher nicht nachvollziehen können", erklärte ein Sprecher des Unternehmens am Montagabend in Ehingen. Um die Diskussion zu beenden, habe man jedoch beschlossen, mit sofortiger Wirkung keine neuen Arbeitnehmerüberlassungsverträge mit Meniar mehr abzuschließen. DGB und ver.di forderten Konsequenzen vonseiten der Politik.

Ver.di-Sprecherin Cornelia Haß sagte der Nachrichtenagentur DAPD am Dienstag: "Wir verfolgen mit Genugtuung, dass die Politik ein Problembewusstsein dafür entwickelt hat." Im Fall Schlecker sieht sie die Konsequenzen der Arbeitsmarktpolitik unter der rot-grünen Bundesregierung. "Deswegen muss es jetzt Korrekturen der Korrekturen geben", forderte die Sprecherin.

Sie brachte zudem einen finanziellen Ausgleich für Leiharbeitnehmer wegen ihrer zum Teil prekären Lebenssituation ins Gespräch und verwies auf ähnliche Regelungen Frankreich oder den Beneluxstaaten.

Schlecker war unter Druck geraten, weil das Unternehmen offenbar Teile der Stammbelegschaft durch Meniar-Leiharbeiter ersetzte, die nur die Hälfte des üblichen Gehalts bekommen. Dieses Vorgehen hat auch die Bundesregierung auf den Plan gerufen.

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kündigte eine Prüfung der Vorwürfe an. Möglicher Missbrauch von Leiharbeit soll notfalls mit schärferen Gesetzen eingedämmt werden. Von der Leyen betonte zugleich, ihr sei wichtig, dass nun das an sich gute Modell der Zeitarbeit nicht in Misskredit gerate. Viele Jobsuchende hätten dadurch überhaupt nur eine Chance am Arbeitsmarkt.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte im Deutschlandradio Kultur, es sei besonders im Einzelhandel mittlerweile "schlechte und üble Praxis", sich über Leiharbeitsfirmen Mitarbeiter vermitteln zu lassen und dadurch die Löhne zu drücken. Den Unionsparteien warf sie vor, sich bereits während der gemeinsamen Regierungsjahre gegen einen Mindestlohn gesperrt zu haben. Auch im aktuellen Koalitionsvertrag sei dazu nichts zu finden: "Darüber hinaus muss eigentlich der Bereich der Leiharbeit vom Stundenlohn genauso behandelt werden wie die Stammbelegschaft. Also gleicher Lohn für die gleiche Arbeit."

Die SPD-Generalsekretärin räumte ein, dass ihre Partei, in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften mit der Agenda 2010 den Bereich der Zeitarbeit neu geordnet habe. Dies sei aber mit dem Grundsatz der Gleichbezahlung geschehen, wenn nicht ein Tarifvertrag etwas anderes regelt. Jedoch habe der Zusatz der tarifvertraglichen Regelung "dazu geführt, dass es zu einem massenhaften Unterlaufen des Grundsatzes gleicher Lohn für gleiche Arbeit gekommen ist, weil einige eben mit einigen sogenannten christlichen Gewerkschaften und sonstigen Alternativen zum DGB dann Tarifverträge gemacht haben".

Kritik dafür erntete Nahles von der FDP: Der arbeitsmarktpolititsche Sprecher der Bundestagsfraktion, Johannes Vogel, erklärte, Nahles gefährde "mit ihrer reflexhaften Forderung nach einem Mindestlohn Jobs, anstatt den Menschen zu helfen". Es bringe nichts, die Zeitarbeit generell zu verteufeln. "Der Fall Schlecker macht jedoch deutlich, dass es auch unter den Unternehmen schwarze Schafe gibt." Auch er kündigte eine Prüfung an.

Grüne und Linke forderten so rasch wie möglich Konsequenzen. Die Linken-Bundestagsfraktion sprach sich für eine Begrenzung der Leiharbeit insgesamt aus.

AP AP

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