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Luftschlag nahe Kundus Bundeswehr hatte offenbar eigene Aufklärungsbilder


Tag für Tag kommen neue Details der Bombennacht von Kundus ans Tageslicht. Offenbar konnte Oberst Georg Klein sich nicht nur auf Bilder aus den US-Kampfjets stützen, auch die Bundeswehr soll den Luftschlag gefilmt haben. Zudem gerät nun auch die Kommando-Zentrale in Potsdam in Erklärungsnot.

Bei der Bombardierung der zwei Tanklastzüge in Afghanistan standen dem deutschen Oberst Georg Klein laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung nicht nur die Bilder aus den US-Kampfjets zur Verfügung. Wie das Blatt berichtet, filmte auch eine Kamera der Bundeswehr den Luftschlag. Demnach wurden diese Bilder nicht aus der Luft, sondern vom Boden aus aufgenommen. Dass die Bundeswehr in der Nacht vom 4. September über "bodengestützte Aufklärungsmittel" verfügte, war bislang nicht bekannt. Das Video zeigt laut "Bild" die Momente vor der Explosion, den Feuerball und mehrere Minuten nach der Explosion.

Bei dem von Bundeswehr-Oberst Klein in den frühen Morgenstunden des 4. September angeordneten Luftangriff waren nach stern-Recherchen 92 Menschen getötet worden, darunter viele Zivilisten. Dem "Bild"-Bericht zufolge lagen im Einsatzführungskommando in Potsdam zuvor schon Videobilder vor, die der B1-Bomber der US-Armee aufgenommen hatte. Darauf waren demnach eindeutig Menschen mit Waffen wie Kalaschnikows zu erkennen, aber ebenso Unbewaffnete, die somit nicht sicher den radikalislamischen Taliban zuzurechnen waren.

Wie das Blatt unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumente zudem berichtet, begann der Einsatz der Bundeswehr gegen die Taliban offenbar deutlich früher als bisher bekannt. Im Zusammenhang mit der späteren Bombardierung bezieht sich demnach eine Meldung der "Task Force 47" an das Einsatzführungskommando in Potsdam auf den Bericht eines Informanten. Der Report soll auf den 3. September, morgens um 9.30 Uhr Ortszeit datiert sein.

Rückendeckung für Guttenberg

Auch die politische Debatte um den Luftschlag von Kundus geht weiter. Der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz warnte den entlassenen Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan vor einer Eskalation seines Streits mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag forderte Schneiderhan in der "Rheinischen Post" auf, die Auseinandersetzung mit dem Minister "nicht eskalieren zu lassen". Das sei auch im Interesse Schneiderhans selbst. Polenz bescheinigte dem früheren General "hohe fachliche Kompetenz und Sachlichkeit". Diesen Ruf dürfe er nicht gefährden.

Guttenberg ist in Bedrängnis geraten, weil der von ihm entlassene Schneiderhan den Minister indirekt der Lüge bezichtigt. Guttenberg habe die "Unwahrheit" über die Umstände seines Ausscheidens gesagt, sagte Schneiderhan der "Zeit". Der 38-jährige Guttenberg hatte den Vier-Sterne-General wegen angeblich vorenthaltener Dokumente zu dem Luftschlag am 25. November entlassen. Schneiderhan bestreitet, dass er Guttenberg vorsätzlich Dokumente vorenthalten habe.

AFP/DPA DPA

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