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Von AfD bis Zweitstimme Was Sie über die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern wissen müssen

Ein beschmiertes Wahlplakat der AfD in Rostock
Wettschmieren im Wahlkampf: Auf diesem Plakat der AfD in Rostock haben sich Gegner und Anhänger der Rechtspopulisten ein regelrechtes Duell geliefert.
© Bernd Wüstneck/DPA
Mecklenburg-Vorpommern wählt einen neuen Landtag. Doch landespolitische Themen drangen im Wahlkampf kaum durch. Die Flüchtlingsdebatte dominierte klar, und das dürfte sich auch im Ergebnis zeigen. Alles Wichtige zur Wahl.

Mecklenburg-Vorpommern wird seit zehn Jahren von einer Koalition aus SPD und CDU regiert. Das Bündnis besaß zuletzt mit 55 der 71 Landtagssitze eine komfortable Mehrheit und arbeitete weitgehend ohne öffentlich ausgetragenen Streit. Für eine Neuauflage von Rot-Schwarz dürfte es den Umfragen zufolge aber knapp werden. Auch, weil die AfD voraussichtlich mit einer großen Mannschaft erstmals in den Schweriner Landtag einziehen wird. Alles Wichtige zur Wahl:

DIE FAKTEN

Rund 1,33 Millionen Wahlberechtigte sind zur Stimmabgabe aufgerufen. Das ist die bislang niedrigste Zahl - Ausdruck jahrelanger Abwanderung und geringer Geburtenzahlen. Die Wahlbeteiligung hatte bei der Landtagswahl 2011 mit 51,5 Prozent den bisherigen Tiefpunkt erreicht. Zur Landtagswahl am 4. September schicken 17 Parteien 382 Kandidaten ins Rennen um die 71 Parlamentssitze in Schwerin. Dazu kommen 7 Einzelbewerber. Insgesamt kandidieren 290 Männer und und 99 Frauen.

DAS WAHLRECHT

Jeder Wähler hat zwei Stimmen. In den 36 Wahlkreisen wird per Erststimme je ein Abgeordneter direkt gewählt. Die übrigen 35 Mandate werden entsprechend der Zweitstimmen über die Landeslisten so auf die Parteien verteilt, dass die Sitzverteilung dem Verhältnis der jeweils erzielten Zweitstimmen jener Parteien entspricht, die mindestens fünf Prozent der Stimmen erhalten.

DIE AUSGANGSLAGE

Bislang waren fünf Parteien im Landtag vertreten. Stärkste Kraft war mit 35,6 Prozent der Stimmen die SPD (27 Sitze), gefolgt von ihrem Koalitionspartner CDU mit 23,0 Prozent (18). Stärkste Oppositionspartei sind die Linken mit 18,4 Prozent (14). Die Grünen kamen auf 8,7 Prozent (7). Die rechtsextreme NPD war mit 6,0 Prozent im Parlament geblieben (5 Sitze) - als einzige NPD-Fraktion in einem der 16 Bundesländer.

DAS PERSONAL

Die SPD wird - wie schon bei ihrem Sieg 2011 - von Ministerpräsident Erwin Sellering (66) in den Wahlkampf geführt. Sein Herausforderer um das Spitzenamt ist erneut CDU-Landeschef und Innenminister Lorenz Caffier (61). Ebenfalls zum zweiten Mal tritt Helmut Holter (63) als Spitzenkandidat der Linken an.

Die Grünen werden von der Doppelspitze Silke Gajek (54) und Jürgen Suhr (57) angeführt. Die AfD tritt mit ihrem Landeschef Leif-Erik Holm (46) an. Die FDP stellte die gebürtige Französin Cécile Bonnet-Weidhofer (33) an die Spitze. Auf Platz eins der NPD steht Udo Pastörs (64).

DIE WAHLKAMPFTHEMEN

Die Flüchtlingsfrage und die Auswirkungen auf die Gesellschaft dominierten die öffentlichen Diskussionen. In einer Umfrage war Zuwanderung das meistgenannte Thema für die Wahlentscheidung. Danach folgten soziale Gerechtigkeit, Arbeitslosigkeit, Wirtschaft und Familie. Entsprechend lauten die Wahlversprechen. Sie reichen von mehr Tariftreue bei Löhnen, Anpassung der Ost- an die West-Renten und mehr Geld für Kinderbetreuung sowie benachteiligte Regionen bis hin zu zusätzlichen Polizisten, mehr Landärzten, weniger Bürokratie und mehr Ökolandbau.

DIE UMFRAGEWERTE

Laut dem am Donnerstagabend vom ZDF veröffentlichten "Politbarometer Extra" bleibt die SPD von Ministerpräsident Sellering trotz deutlicher Verluste mit 28 Prozent Zustimmung die stärkste Partei. CDU und AfD liegen in der Umfrage der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen mit jeweils 22 Prozent gleichauf. Die Linken erreichen 13 Prozent. Die Grünen kämen mit sechs Prozent Zustimmung in den Landtag, NPD und FDP mit aktuell je drei Prozent dagegen nicht.

Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Insa-Umfrage im Auftrag des Magazins "Cicero" käme die CDU sogar nur auf 20 Prozent - die AfD hingegen auf 23 Prozent. Vorne läge auch in dieser Umfrage die SPD mit 28 Prozent.

Nach Aussage der Forschungsgruppe geben diese Werte aber lediglich das Stimmungsbild für die Parteien zum Zeitpunkt der Erhebung wieder und stellen keine Prognose für den Wahlausgang dar. 38 Prozent wüssten noch nicht sicher, wen oder ob sie überhaupt wählen wollen. Unterschiedliche Mobilisierungserfolge könnten die Zahlen daher verändern.

DIE OPTIONEN

Würden die Umfrageergebnisse am Wahltag bestätigt, könnten SPD und CDU ihre Koalition wohl fortsetzen, allerdings mit einer deutlich knapperen Mehrheit als bisher. Alternativ könnte es auch knapp für Rot-Rot-Grün reichen, was mit Sellering als Regierungschef aber als unwahrscheinlich gilt. SPD, CDU, Grüne und Linke schlossen eine Zusammenarbeit mit der rechtspopulistischen AfD aus. 

mad DPA AFP

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