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Merkel versus Beck: Streit über Atomausstieg neu entbrannt

In der Diskussion um die Zukunft der Atomenergie sind Angela Merkel und Kurt Beck heftig aneinandergeraten. Während Beck zum schnellen Ausstieg aus der Technologie drängt, will die Kanzlerin mittelfristig daran festhalten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der SPD-Vorsitzende Kurt Beck streiten über die Zukunft der Atomenergie in Deutschland. Merkel warf der SPD mangelnden Realismus vor: Die Sozialdemokraten hätten es bisher versäumt, einen ausreichenden Ersatz zur Atomenergie zu benennen. Beck hingegen drängte zum Ausstieg aus der Technologie. "Ich bin dagegen, an der Atomkraft festzuhalten", sagte der SPD-Chef der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Denn das ist schon deshalb keine Zukunftstechnologie, weil es Uran auch nicht viel länger geben wird als Öl und Gas. Zudem wird Uran in Ländern abgebaut, die gleichermaßen politisch unsicher sind, wie viele Öl- und Gasstaaten", sagte Beck. Außerdem sei das Risiko nuklearer Unfälle zu groß. Er riet der Union davon ab, die Atomenergie im Wahlkampf zu thematisieren: "Nein, für Atomkraft zu streiten ist kein Gewinnerthema."

Atomenergie zur Vermeidung weiterer CO2-Emissionen

Dagegen warf die Bundeskanzlerin der SPD vor, sich der Wahrheit zu verweigern: "Wer, wie die SPD, sehr schnell aus der Atomstromerzeugung aussteigen will, muss auch sagen, wie er die dann fehlende Energie ersetzen und die Gefahr weiterer CO2-Emissionen vermeiden will", sagte die Bundeskanzlerin derselben Zeitung und fügte hinzu: "Das ist eine Diskussion, bei der sich alle den Wahrheiten stellen müssen." Die Regierungschefin kündigte indirekt an, dass in Kürze in der großen Koalition über die weitere Nutzung von Atomkraft diskutiert werden solle: "Wir erarbeiten im Rahmen des laufenden Energiegipfel-Prozesses unser Energiekonzept bis zum Jahr 2020, rechnen unterschiedliche Szenarien durch und wollen im Sommer mit allen Beteiligten darüber reden." Für eine weitere Nutzung der Atomenergie plädierte der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder: "Jeder in Deutschland und der Welt hat inzwischen gemerkt, dass wir mehr zur Bewahrung unserer Erde tun müssen", sagte Mißfelder in der "B.Z.". Diese Erkenntnis werde zu einer Renaissance der Atomenergie führen.

AP / AP