HOME

Kritik an Silvester-Einsatz: Grünen-Chefin Simone Peter lobt jetzt die Kölner Polizei

Die Vorsitzende der Grünen, Simone Peter, hat der Kölner Polizei Rassismus vorgeworfen - die Reaktionen fielen entrüstet aus. Ein Hamburger Polizist sprach auf Facebook von einem Schlag ins Gesicht. Nun macht die Parteichefin einen Rückzieher.

Polizeikontrollen vor dem Hauptbahnhof von Köln an Silvester

Polizeikontrollen vor dem Hauptbahnhof von Köln an Silvester: Zielpersonen nur nach dem Aussehen ausgewählt?

Am Ende eines entrüstungsreichen Tages hat Grünen-Chefin Simone Peter ein Einsehen. Nach ihren anfänglich kritischen Äußerungen zum Vorgehen der Kölner Polizei an Silvester ein ausdrückliches Lob folgen lassen. "Dass die Menschen in Köln in diesem Jahr friedlicher feiern konnten und sich die Übergriffe des letzten Jahres nicht wiederholten, ist auch der gut vorbereiteten Polizei zu verdanken", schrieb die Politikerin auf Facebook. Wenn - wie vor einem Jahr - verabredete Gruppen aggressiv aufgetreten seien, sei das besorgniserregend. "Es war richtig, hier schnell und präventiv zu reagieren und die Sicherheit aller Menschen in Köln zu gewährleisten", schrieb Peter weiter.

Kölner Polizei weist Rassismus-Vorwürfe zurück

Vor einem Jahr war es in Köln zu massenhaften sexuellen Übergriffen gekommen. Die Beschuldigten waren überwiegend Nordafrikaner. In diesem Jahr wollte die Polizei Ähnliches unbedingt verhindern. Konkret setzte sie in der Nacht am Hauptbahnhof mehrere hundert Männer fest, vornehmlich nordafrikanischer Herkunft. Nach Angaben der Polizei hätte es sonst zu ähnlichen Zuständen wie damals kommen können. Rassismus-Vorwürfe wies die Polizei zurück.

Im Laufe der Debatte hatten eine ganze Reihe von Polizisten und Politiker das Vorgehen der Kölner Beamten verteidigt. Darunter auch SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel. Er hält die Rassismus-Kritik am Silvestereinsatz für überzogen. Der Vorwurf, der erfolgreiche Einsatz zur Verhinderung von Gewalt, Diebstahl und sexuellen Übergriffen sei mit einem rassistischen Profiling verbunden gewesen, sei "eine absurde und geradezu verrückte Debatte", sagte Gabriel den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Die Polizei hat mit ihrem Profil "Nafris/Nordafrikaner" nichts anderes getan, als die Realität zu beschreiben Was soll die Polizei eigentlich anderes machen, als exakt diese Gruppe von Nordafrikanern abzufangen und nicht in die Kölner Innenstadt zu lassen", so Gabriel.

Polizeikontrollen von Nordafrikanern zu Silvester in Köln: Rassismus oder gute Polizei-Arbeit?

Hamburger Polizist empört sich über Kritik

Besondere Aufmerksamkeit hatte ein Schreiben des Hamburger Polizei-Gewerkschaftschefs Gerhard Kirsch erregt. Ebenfalls auf Facebook wandte er sich an die Grünen-Politikerin: "Sehr geehrte Frau Peter, ich weiß zwar nicht, wo Sie Ihre Silvester-Nacht verbracht haben, aber es kann nach meinem Dafürhalten nicht in Köln, Hamburg oder an einem anderen neuralgischen Ort des Jahreswechsels 2015/16 gewesen sein. Sie werfen der Polizei vor, nach "Aussehen" zu überprüfen - meinten nach meiner Meinung wohl aber eher ein rassistisch motiviertes Vorgehen.  Lassen Sie sich gesagt sein, dass alles getan wurde, um sexuelle Übergriffe auf Frauen jeglicher Hautfarbe und Aussehens nach den Erfahrungen des Jahreswechsels zu verhindern - und: Sie wurden mit wenigen Ausnahmen verhindert. Als Gewerkschafter und Polizeibeamter, der in der Silvesternacht in Hamburg bei seinen Kolleginnen und Kollegen war, empfinde ich ihre Äußerungen als einen Schlag ins Gesicht derjenigen, die eine hoch brisante Lage mit Bravour gemeistert haben."

Der Beitrag des Polizisten scheint das Gefühl vieler Menschen getroffen zu haben, fast 9000 Menschen haben auf ihn in rund zehn Stunden reagiert, mehr als 3000 Mal wurde er geteilt.

nik/DPA