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Nato berät über Libyen-Krise: De Maizière will Einsatz der Bundeswehr prüfen

Verteidigungsminister Thomas de Maizière schließt eine Entsendung von Bundeswehrsoldaten nach Libyen nicht völlig aus. Am laufenden Nato-Einsatz wird sich Deutschland aber auch weiterhin nicht beteiligen. Derweil fliegt das Militärbündnis weiter Angriffe auf Tripolis.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière hat für den Fall eines Sturzes des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi die Entsendung deutscher Soldaten in das nordafrikanische Land nicht ausgeschlossen. Deutschland werde eine mögliche Entsendung "konstruktiv prüfen", sofern dies von den Vereinten Nationen gewünscht werden sollte, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag in Brüssel am Rande eines Nato-Treffens.

Auf die Frage, ob Deutschland für "die Zeit nach Gaddafi" möglicherweise auch zu militärischer Hilfe in Libyen bereit sei, sagte der Minister: "So weit sind wir noch nicht. Es bräuchte dann ein Uno-Mandat." Er hoffe, dass es in Libyen "zu einer Lösung kommt, die nicht eine militärische Präsenz dort erfordert, sondern ökonomische infrastrukturelle Hilfe, vielleicht beim Aufbau von Sicherheitskräften".

De Maizière fügte dann hinzu: "Wenn es anders kommen sollte, dann werden wir das prüfen - und konstruktiv prüfen." Der Minister unterstrich erneut, dass Deutschland sich an dem laufenden Nato-Militäreinsatz in Libyen nicht beteiligen werde.

Erneute Nato-Angriffe auf Tripolis

Die Nato hat unterdessen Medienberichten zufolge ihre Luftangriffe auf die libysche Hauptstadt Tripolis auch in der Nacht zum Donnerstag fortgesetzt. Wie der arabische Nachrichtensender al Dschasira online berichtete, wurde die Stadt am späten Abend von einer schweren Explosion erschüttert. Auch der Triebwerkslärm eines Kampfflugzeuges sei zu hören gewesen. Am Mittwoch hatte die Nato angekündigt, den Luftkrieg in Libyen bis zum Sturz des Regimes von Machthaber Muammar al Gaddafi fortsetzen zu wollen.

Die Mitgliedstaaten zeigten sich aber nicht willens, ihre militärischen Anstrengungen deutlich über das bisherige Maß auszuweiten. Ein Appell von Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen an alle 28 Nato-Regierungen, zusätzliche militärische Kräfte für den Libyen-Einsatz bereitzustellen, verhallte beim Treffen der Verteidigungsminister in Brüssel ohne erkennbare Reaktion.

mlr/DPA/AFP / DPA