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Neues Amt für Altkanzler-Gattin Doris Schröder-Köpf ist jetzt Integrationsbeauftragte


Drei Monate nach dem rot-grünen Wahlsieg in Hannover hat die Frau von Altkanzler Gerhard Schröder ein Ehrenamt übernommen: Doris Schröder-Köpf will sich um die Integration von Migranten kümmern.

Endlich ist es soweit: Lächelnd tritt Doris Schröder-Köpf an der Seite von Ministerpräsident Stephan Weil am Dienstag vor die vielen Kameras vor der Staatskanzlei in Hannover. Drei Monate nach dem Sieg von Rot-Grün bei der Niedersachsen-Wahl stellt Weil die derzeit wohl prominenteste SPD-Politikerin des Landes als Integrationsbeauftragte vor. Es ist - nach ihrem Landtagsmandat - der wichtigste politische Posten der 49-Jährigen und in ihrer Karriere ein ganz wichtiger Moment. Denn endlich geht es nicht nur um den Promi-Bonus, sondern auch um Sachpolitik.

"Für die Aufgabe ist eine hohe Kommunikationsfähigkeit gefordert", sagt Schröder-Köpf. Das könne sie gut. Lange hat sie auf ihre Vorstellung warten und sich in Geduld üben müssen - zuletzt hatte der Bund-Länder-Gipfel zur Endlagersuche in der vergangenen Woche die Ernennung verhindert. Doch Schröder-Köpf hat Geduld gelernt.

Durch Inhalte und Taten überzeugen

Seit 16 Jahren ist die gebürtige Bayerin mit Altkanzler Gerhard Schröder verheiratet. Doch so sehr sie das Blitzlicht in dessen Regierungszeit von 1998 bis 2005 auch genossen hat, seit sie sich Anfang 2012 für den "leisen Gang" in die Landespolitik entschieden hat, empfindet sie ihren Promi-Status nicht selten als Malus.

Denn Schröder-Köpf will nicht nur wegen ihres Namens auf der Karriereleiter vorankommen. Sie will durch Inhalte und Taten überzeugen. Die frühere Journalistin weiß, dass in der Politik Geduld und Zurückhaltung gefragt ist. So wundert es nicht, dass sie die zahllosen Interviewanfragen abgelehnt hat - freundlich, kategorisch.

Willkommenskultur für Niedersachsen

Ihre Motivation für den Integrationsposten habe viele Ursachen. Als Sozialdemokratin verspüre sie bei Missständen immer einen "ausgeprägten Reflex, was ändern zu wollen", sagt sie jetzt. In der Migrationspolitik sei in der Vergangenheit viel Unrecht geschehen. Doch auch private Verbindungen zum Thema seien ihre Antrieb: "Zwei meiner drei Kinder haben Doppelpässe und da macht man sich automatisch mehr Gedanken." Das Ehepaar Schröder hat zwei russische Kinder adoptiert.

Bei so viel Sachpolitik kann Schröder-Köpf an diesem Mittag auch mit gutem Gewissen die Vorteile ihres berühmten Namens genießen: Sie weiß genau wie Weil, dass ein anderer Integrationsbeauftragter nicht auf so großes Interesse in den Medien gestoßen wäre - so wichtig das Amt auch sein mag. Als unabhängige Anwältin soll Schröder-Köpf - so Weil - eine neue Willkommenskultur in Niedersachsen etablieren. Was auch angesichts der schrumpfenden Bevölkerung wichtig ist. Befugnisse hat sie dafür keine, Geld nur wenig. Einzig mit ihrem Namen und ihrem Rederecht in den diversen Kommissionen und Arbeitskreisen kann sie aufwarten.

Marco Hadem, DPA DPA

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