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NSA-Ausschuss: BND-Mitarbeiter soll für USA spioniert haben

Der NSA-Untersuchungsausschuss soll klären, in welchem Ausmaß Deutschland durch den US-Geheimdienst abgehört wurde. Offenbar wurde jedoch selbst der Ausschuss bespitzelt.

Ein Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) steht nach Medienberichten im Verdacht, im Auftrag der USA den NSA-Untersuchungsausschuss ausspioniert zu haben. Der 31-jährige Deutsche sei am Mittwoch wegen des dringenden Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit festgenommen worden, berichteten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" am Freitag.

Die Bundesanwaltschaft hatte am Donnerstag die vorläufige Festnahme des Deutschen "wegen des dringenden Verdachts der geheimdienstlichen Tätigkeit" öffentlich gemacht, ohne weitere Details zu nennen. Laut einer Mitteilung des NDR wurde der Mann bereits am Mittwoch verhaftet.

Die Bundesanwaltschaft nannte auch am Freitag weiterhin keine Einzelheiten zu dem Fall. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft sagte auf AFP-Anfrage in Karlsruhe: "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt erteilen wir zu dem Verfahren keine weiteren Auskünfte." Wie "SZ", NDR und WDR unter Berufung auf Regierungskreise berichteten, gestand der BND-Mitarbeiter in Vernehmungen, einem US-Geheimdienst Informationen über den NSA-Ausschuss geliefert zu haben. Es werde allerdings nicht ausgeschlossen, dass der Mann falsche Angaben gemacht habe. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre dies der bisher größte Skandal um einen deutsch-amerikanischen Doppelagenten in der Nachkriegszeit.

Merkel im Gespräch mit Obama

Das Bundestagsgremium soll die Hintergründe der von dem ehemaligen US-Geheimdienstler Edward Snowden enthüllten Spähaffäre aufklären, unter anderem will er die Rolle des BND beleuchten. Den Mitglieder des Untersuchungsausschusses seien mittlerweile Krypto-Handys gegeben wurden, um sie vor Lauschangriffen zu schützen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist am Donnerstag über den Spionageverdacht gegen einen 31-jährigen Bundesbürger informiert worden. Dies teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin mit. Seibert wollte sich nicht dazu äußern, ob der Fall auch bei einem Telefonat der Kanzlerin am Donnerstagabend mit US-Präsident Barack Obama eine Rolle spielte.

ono/AFP / AFP