VG-Wort Pixel

Silvester 2021 Scholz' erste Neujahrsansprache: Nur das Jackett schimmert jetzt weniger

Olaf Scholz Neujahrsansprache
Olaf Scholz bei der Aufzeichnung seiner ersten Neujahrsansprache.
© Denzel Jesco/Bundesregierung/BPA / DPA
Nach nur drei Wochen im Amt hält Olaf Scholz seine zweite große Ansprache. Wie schon vergangenes Jahr überstrahlt Corona fast alles andere. Schnörkellos im Auftritt führt er die unaufgeregte Art von Angela Merkel fort. Kanzlerin kann er.

"Ich hätte nicht vermutet, dass 2020 noch zu toppen wäre", sagte Ex-CDU-Kanzlerhoffnung Armin Laschet im stern-Interview über das "beschissene" Jahr 2021. Wären die vergangenen zwölf Monate halbwegs normal verlaufen, würde er nun am Silvesterabend vor den Fahnen Deutschlands und Europas an Solidarität und Durchhaltekraft appellieren. So wie es Angela Merkel die vergangenen 16 Jahre getan hat und es nun Olaf Scholz tut. Nach nur drei Wochen im Amt steht also der vor kurzem noch unwahrscheinlichste Kanzler vor der Kamera und hält seine erste Neujahrsansprache. Inhaltlich unterscheidet sie sich kaum von der des "beschissenen" Jahres 2020, so wenig wie der Reichstag im Hintergrund. Nur das Jackett schimmert jetzt weniger.

"Wir müssen schneller sein als das Virus"

Die Pandemie also. Immer noch. "Tun wir miteinander alles – aber auch wirklich alles – dafür, dass wir Corona im neuen Jahr endlich besiegen können", sagte der Kanzler im angemessenen Ton. Er trägt seinen Text mit einem scholzigen Gesichtsausdruck vor, der eine interne Heiterkeit durchschimmern lässt, von der Merkel zwar oft sprach, die man ihr aber nur selten ansah. Als die Vorgängerin vor zwölf Monaten über das Virus sprach, verwies sie im Zuversichtsabschnitt ihrer Rede auf die gerade beginnende Impfkampagne. Mittlerweile ist klar: Impfen hilft, aber es gibt zu viele Verweigerer und die Omnikron-Variante mischt die Karten noch einmal neu. "Jetzt kommt es auf Tempo an. Wir müssen schneller sein als das Virus", so der SPD-Mann.

Beim Thema Corona führt nur selten ein Weg an den unseligen Leugnern, Verharmlosern und Skeptikern vorbei. Von einer Spaltung des Landes aber will Scholz nichts wissen. "Ich möchte hier mit aller Deutlichkeit sagen: Das Gegenteil ist richtig! Unser Land steht zusammen", sagt der Regierungschef beinahe kämpferisch. Obwohl er natürlich Recht hat, was etwa den unermüdlichen Einsatz von Pflegekräften und Medizinern betrifft oder Rücksichtnahmen und Verzicht durch den überwiegenden Teil der Bevölkerung, klingt der Satz trotzdem ein wenig nach dem Pfeifen im Walde. Die Impfgegner erinnerte er an die "vier Milliarden Menschen auf der ganzen Welt, die ohne größere Nebenwirkungen bereits geimpft" seien. Dass ein deutscher Bundeskanzler solche simplen Tatsachen überhaupt erwähnen muss, sagt einiges über den Stand der Debatte nach dem zweiten Corona-Jahr.

Olaf Scholz setzt keine neue Standards 

Scholz' Neujahrsansprache setzt keinen neuen Standard in Sachen Festreden. Schnörkellos und norddeutsch im Auftritt führt er nahtlos die unaufgeregte Art von Angela Merkel fort. So gesehen trifft sein Anfangsscherz die Sache: Dass er da nun vor den Leuten stehe, sei eine "kleine Veränderung" zu den Vorjahren, stellte er fest. Seine Koalition aus SPD, Grüne und FDP hat sich für die nächsten vier Jahre viel vorgenommen. Die 20er Jahre sollen zu einem Jahrzehnt des Aufbruchs werden, sagte er, allein der Klimaschutz sei eine "gigantische Aufgabe". Es war jetzt das zweite Mal nach seinem Amtsantritt, dass Olaf Scholz zum Aufbruch bläst. Diesmal beendete er seine Rede mit der Aufforderung "bleiben wir zusammen!". Kanzlerin kann Scholz.

Die vorab aufgezeichnete Rede wird im ZDF um 19.15 Uhr, in der ARD um 20.10 Uhr ausgestrahlt.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker