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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: Pegida spaltet die AfD

Wenn sich Islamhasser und Anti-Euro-Populisten verbünden, bleibt den Akademikern Lucke und Henkel eigentlich nur eins: Sie müssten ihre Partei, die AfD, verlassen.

Von Lutz Kinkel

Showdown auf dem Parteitag: AfD-Chef Bernd Lucke

Showdown auf dem Parteitag: AfD-Chef Bernd Lucke

Natürlich will sich bei den etablierten Parteien des konservativen Spektrums niemand die Hände schmutzig machen. Union und FDP fassen das Pegida-Stammpublikum, Enttäuschte, Resignierte, Neonazis, Verschwörungstheoretiker und Islamhasser, nur mit der Kneifzange an. Sie heben diese Exemplare hoch und mustern sie mit dem halb besorgten, halb faszinierten Blick des politischen Soziologen. Sind diese Wesen in reguläre Parteien integrierbar? Nein. Verkörpern sie ein quantitativ interessantes Wählerpotential? Vielleicht.

Letzteres erzeugt bei Konservativen einen gewissen Speichelfluss. Deswegen fährt die Union nun eine Doppelstrategie: Angela Merkel grenzt sich gegen Pegida ab, Horst Seehofer versucht, die Themen der Protestbewegung aufzunehmen. Dasselbe Spiel bei der FDP: Christian Lindner distanziert sich, Wolfgang Kubicki breitet die Arme aus. Selbst die AfD versackt im Widerspruch. Parteichef Bernd Lucke und sein Mitstreiter Hans Olaf Henkel wollen mit Pegida nichts zu tun haben. Ihre Parteifreunde im Osten, Alexander Gauland, Konrad Adam und Frauke Petry, fordern den "Schulterschluss". Für diesen Mittwoch hat Petry erstmals Pegida-Vertreter in die AfD-Räume im sächsischen Landtag eingeladen. Da soll zusammenwachsen, was aus ihrer Sicht zusammengehört.

Lager Lucke, Lager Petry

Das aber spaltet die Partei. Auf der einen Seite Lucke und Henkel, die Ökonomen, Akademiker und Anzugträger. Konservativ und marktliberal sind beide, ausländerfeindlich aber nicht. Ihr Thema ist der Euro, die Finanzpolitik, die Zukunft des Nationalstaats und des Marktes. Seitdem sich die Eurokrise deutlich abgeschwächt hat, hängen sie inhaltlich etwas auf dem Trockenen. Noch leben sie von der Attitüde, Volksvertreter zu sein, die nicht zum politischen Establishment gehören, aber dieser Effekt verbraucht sich erfahrungsgemäß rasch. Dauerhaft können sie nur darauf setzen, bürgerliche Konservative an sich zu binden, die von Merkels CDU enttäuscht sind.

Ganz anders die Linie von Petry, Gauland und Adam. Sie versuchen, den Protest von Rechts einzusammeln. Sie glauben, mit der Islamophobie ein neues Thema gefunden zu haben. Sie bieten sich Pegida an. Als parlamentarischer Arm einer außerparlamentarischen Bewegung. Sie rücken die AfD in den breiten Strom der rechtspopulistischen Bewegungen Europas, von FPÖ bis Front National. Setzen sich Petry, Gauland und Adam durch, bliebe Lucke und Henkel eigentlich nur eines: Sie müssten ihre eigene Partei verlassen. Austreten.

Showdown auf dem Parteitag

Ob es soweit kommt, wird sich auf dem AfD-Parteitag Ende Januar zeigen. Lucke beansprucht den alleinigen Parteivorsitz für sich. Seine bisherigen Co-Vorsitzenden sollen sich unterordnen - wollen dies aber partout nicht tun. Weil an der Personalfrage auch die inhaltliche Frage hängt. Der Ton der Auseinandersetzung ist jetzt schon so bitter, dass eine Zusammenarbeit kaum noch möglich erscheint. Es sei denn, Lucke und Henkel gehen. Damit verlöre die AfD ihre Bürgerlichkeit - und Merkel hätte sie endlich da, wo sie die AfD gerne sehen würde: bei den rechten Sekten.