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Quadriga-Preis Putin, der Leader


Der Quadriga-Preis soll ein Symbol sein und diejenigen küren, die ein "Vorbild für Deutschland" sind. Jahr für Jahr wird er in Berlin verliehen. Immer ein Spektakel, aber ohne viel Aufregung. Bis Wladimir Putin kam.
Von Özlem Gezer

Verfolgte Oppositionelle, willkürliche Rechtssprechung, ermordete Journalisten. Das ist Russland. Ein Premierminister, der tschetschenische Freischärler in der Kloschüssel ertränken will, als Offizier des sowjetischen Geheimdiensts KGB die kommunistischen Diktaturen stützte und selten mit dem Völkerrecht auf einen Nenner zu kommen scheint: Wladimir Putin. Der russische Premier, ein Vorbild für Deutschland? Wenn es nach der diesjährigen Jury des Quadriga-Preises geht, dann ist er das. Dass ausgerechnet der russische Regierungschef Putin mit dem deutschen Einheitspreis ausgezeichnet werden soll, sorgt in Deutschland und Russland für Empörung. Grünen-Chef Cem Özdemir verlässt aus Protest die Jury. Russische Kremlkritiker und Menschenrechtler bezeichnen die Nominierung als "Schande" und sind schockiert über die Wahl der deutschen Preisverleiher. Trotz des internationalen Kritikhagels gibt sich das Gremium unbeirrt und hält an Putin fest.

Geehrt werden "Aufbruch, Erneuerung und Pioniergeist"

Seit 1993 vergibt der private Verein "Werkstatt Deutschland" den Preis. Die Vereinsmitglieder sind Politiker, Journalisten, Kulturschaffende und Unternehmer aus Ost und West. Darunter prominente Politiker wie Verkehrsminister Peter Ramsauer und Philipp Mißfelder. Sie wollen Menschen auszeichnen, die „durch ihr Engagement ein Zeichen für Aufbruch, Erneuerung und Pioniergeist setzen“. Viel Stringenz lässt sich jedoch aus der Liste der Preisträger nicht ablesen. In den vergangen Jahren hat die Jury den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan gekürt, der seine in Deutschland lebenden Landsleute ermahnt, sich nicht zu assimilieren. Den afghanischen Präsident Hamid Karzai, dem vorgeworfen wird, dass er der Korruption in seinem Land freien Lauf lässt. Und nicht zuletzt ist auch der Plagiator Karl-Theodor zu Guttenberg unter den Preisträgern des Quadriga-Preises.

Dieses Jahr suchte die Jury einen "Leader". Die Voraussetzung für den Preisträger sind auf der Vereinsseite klar definiert: "Leadership braucht die Motivation für das Mögliche. Leadership braucht die Handwerkskunst für das Machbare. Leadership braucht die Entschlossenheit für das Notwendige." Und an Entschlossenheit fehlt es Wladimir Putin wahrlich nicht. Begründung der Jury: Er stehe für die politische und wirtschaftliche Vertiefung der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Die Wirtschaftsbeziehungen der Länder florieren tatsächlich seit Jahren. Die Pläne für die Nord Stream Pipeline zwischen Greifswald und Wyborg verärgern zwar die Ostmitteleuropäer, aber laufen weiter. Die unerwartete Energiewende hierzulande und die Einstiegsabsichten des russischen Energieriesen Gazprom bei dem Stromversorger RWE werden die deutsche Abhängigkeit vom russischen Erdgas nicht mindern. Sicher ist: Mit Putin an der Macht werden die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen weiter wachsen. Ob das Deutschland so gut tut?


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