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Rheinland-Pfalz: Nürburgring-Pleite stürzt Beck in die Krise

Während die Eigentümer des insolventen Nürburgrings bereits wieder Zukunftspläne schmieden, kämpft Kurt Beck mit sinkenden Umfragewerten nach der Pleite.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) ist durch das Nürburgring-Debakel schwer geschwächt. In Umfragen sinkt die Zustimmung der Wähler in seinem Bundesland rapide. Laut "Süddeutscher Zeitung" habe Kurt Beck die miserable Wirtschaftslage der Nürburgring GmbH zu spät erkannt und einen dementsprechenden Bericht von Wirtschaftsprüfern ignoriert. Unter Umständen seien sogar Zusagen des Landes nötig, als Geldgeber einzuspringen, habe es in den Unterlagen geheißen.

Nicht nur Beck, sondern die gesamte SPD in Rheinland-Pfalz verliert in der Wählergunst deutlich. Nach einer aktuellen Erhebung des SWR-Polit-Magazins "Zur Sache Rheinland-Pfalz" kommt die Partei des SPD-Landeschefs und Ministerpräsident derzeit nur auf 31 Prozent, ein Minus von fast fünf Prozentpunkten im Vergleich zur letzten PoliTrend-Umfrage vom Mai dieses Jahres. Die CDU legt dagegen um einen Punkt auf 37 Prozent zu und wäre damit stärkste Kraft im Land.

Wegen der Insolvenz der staatlichen Nürburgring GmbH gab es Rücktrittsforderungen an Kurt Beck. 36 Prozent der Befragten sagten, Kurt Beck solle als Regierungschef zurücktreten. 56 Prozent sind der Meinung, er solle im Amt bleiben. 8 Prozent der Befragten sagten "weiß nicht" oder machten keine Angaben.

Dennoch hätte die rot-grüne Regierungskoalition weiterhin eine klare Mehrheit im Land, da die Grünen laut Umfrage derzeit 16 Prozent der Wählerstimmen erhalten. Dies ist ein Plus von zwei Prozentpunkten im Vergleich zum Mai. Die FDP liegt unverändert bei drei Prozent. Die Piraten kommen auf fünf Prozent (minus ein Punkt).

Währenddessen wollen die Eigentümer des insolventen Nürburgrings die weltberühmte Rennstrecke so schnell wie möglich wieder in Eigenregie betreiben. Die landeseigene Nürburgring GmbH strebe "zeitnah" einen Räumungsvergleich mit der aktuellen Betreiber- und Vermarktungsgesellschaft, der Nürburgring Automotive GmbH (NAG), an, teilten die Gesellschaft und deren Sachwalter, Jens Lieser, am Mittwoch in Nürburg mit. Die Gesellschaft strebt schon länger ein Ende der Zusammenarbeit an: Bereits im Februar hatte sie laut Landesregierung den Vertrag gekündigt, weil Pachtzahlungen ausgeblieben seien.

Mit der Nürburgring GmbH als eigenem Vermarkter des Geländes "sehe ich durchaus Möglichkeiten, künftig neue Strukturen am Nürburgring zu schaffen, um den für die Eifelregion wichtigen Standort zu stabilisieren und fortzuführen", erklärte der neue Geschäftsführer der Gesellschaft, Thomas B. Schmidt. Hierzu gelte es, Veranstaltungen wie das Formel 1-Rennen, die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft oder das Musik-Festival "Rock am Ring" an den Nürburgring zu binden und neue publikumsträchtige Veranstaltungen hinzuzugewinnen.

Die Nürburgring GmbH gehört zu 90 Prozent dem Land und zu zehn Prozent dem Landkreis Ahrweiler. Am 20. Juli hatte der überschuldete Betrieb sowie zwei Tochtergesellschaften beim Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler Insolvenz angemeldet. Die Nürburgring GmbH will die Insolvenz dabei in Eigenverantwortung durchlaufen. In einem solchen Fall bleibt die eigene Unternehmensleitung im Amt und das Gericht stellt ihr einen Sachwalter zur Seite. Das Amtsgericht hatte Lieser am Dienstag als Sachwalter benannt. Als neuen Geschäftsführer hatten die Eigentümer den Insolvenzexperten Thomas B. Schmidt bestellt.

Unter anderem, weil Pacht ausgeblieben war, war die Nürburgring-Gesellschaft in Geldprobleme geraten. Sie konnte eigenen Angaben zufolge ihre Kreditraten nicht mehr zahlen. Die Gesellschaft hat ein Darlehen bei der landeseigenen ISB-Bank über 330 Millionen Euro offen sowie ein Darlehen beim Land Rheinland-Pfalz über 83 Millionen Euro. Das Land wollte der Gesellschaft mit weiteren 13 Millionen Euro unter die Arme greifen und hatte einen dazu notwendigen Antrag bei der EU-Kommission gestellt. Weil aus Brüssel eine Entscheidung zum Hilfsgeld weiter aussteht, wäre der Betrieb bald pleite und ging daher in die Insolvenz.

juho/AFP/DPA / DPA