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Rüstungsaffäre: Von der Leyen entlässt Staatssekretär

Entlassungswelle im Verteidigungsministerium: Ursula von der Leyen zieht Konsequenzen aus der Euro-Hawk-Affäre. Zwei ihrer Mitarbeiter müssen gehen.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat den für Rüstung zuständigen Staatssekretär Stéphane Beemelmans sowie Abteilungsleiter Detlef Selhausen entlassen. Das teilte die CDU-Politikerin Verteidigungspolitikern des Bundestags mit. Am Mittwochabend hatte im Ministerium ein Gremium zur Überprüfung der 15 wichtigsten Rüstungsprojekte der Bundeswehr getagt. Über die Entlassungen berichtete zuvor "Spiegel Online".

Beemelmans und Selhausen waren Schlüsselfiguren in der Affäre um die Skandaldrohne Euro Hawk im vergangenen Jahr. Der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hatte seinen Mitarbeitern vorgeworfen, ihn unzureichend über die Zulassungsprobleme und eine drohende Kostenexplosion bei dem Prestigeprojekt informiert zu haben. Bis zu seinem Wechsel ins Innenministerium hatte sich de Maizière personelle Konsequenzen vorbehalten, die von der Leyen jetzt gezogen hat.

Die Ministerin war nach Angaben von Teilnehmern der Sitzung unzufrieden mit der Umsetzung der Konsequenzen aus der Euro- Hawk-Affäre. Erst am Mittwoch hatte Beemelmans den Verteidigungsausschuss des Bundestags verärgert, weil er eine Ausgleichszahlung von 55 Millionen Euro an den Turbinenhersteller MTU erst nachträglich dem Parlament gemeldet hatte.

Auch bei der geplanten Weiternutzung der Aufklärungstechnik des Euro Hawks gibt es massive Probleme. Die Suche nach einem Ersatz für die Drohne war bisher erfolglos. Alle Alternativen stellten sich als zu teuer heraus. Auch bei weiteren Großprojekten gibt es massive Verzögerungen und Kostensteigerungen.

Der 48-jährige Beemelmans war lange Zeit der engste Vertraute de Maizières. 1999 kreuzten sich ihre Wege erstmals, als de Maizière noch in der sächsischen Landesregierung war. Beemelmans folgte ihm später nach Berlin - zuerst ins Kanzleramt, dann ins Innenministerium und schließlich ins Verteidigungsministerium.

Nach dem Wechsel de Maizières ins Innenministerium im vergangenen Dezember blieb Beemelmans zunächst im Verteidigungsministerium. De Maizière soll von der Leyen empfohlen haben, den Staatssekretär weiterzubeschäftigen. Von den anderen drei parlamentarischen und beamteten Staatssekretären trennte sich von der Leyen dagegen sofort.