HOME

Schröder-Putin-Party in St. Petersburg: Eine unkluge Umarmung

Dass Gerhard Schröder seinen Freund Wladimir Putin in St. Petersburg umarmt hat, war ein falsches Symbol. Aber: Der Kontakt zwischen den beiden Männern ist eher nützlich. Störenfriede sind andere.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Gerhard Schröder darf sich über scharfe Kritik nicht wundern. Da eskaliert der Ukraine-Konflikt von Tag zu Tag, schon sind die ersten Toten zu beklagen. Und dem ehemaligen deutschen Bundeskanzler fällt nichts Besseres ein, als seinen 70. Geburtstag im russischen St. Petersburg nachzufeiern - mit Wladimir Putin, jenem Mann, der die Welt auf einen Krieg zuzutreiben scheint. Sie umarmen sich zur Begrüßung. Natürlich auch deshalb, so mosern die Kritiker, weil der Altkanzler seinem Freund einen hoch bezahlten Job verdanke.

Das lädt natürlich dazu ein, Schröder als Putins "bestbezahlten Minnesänger" zu schmähen, als Störfaktor der deutschen Außenpolitik, als politischen Senior, der die Dinge nicht mehr überblickt. Kurzum: Als einen gefährlichen Mann, zu dem ein persönlicher und politischer Sicherheitsabstand einzuhalten sei - den die SPD, ihr Außenminister Frank-Walter Steinmeier voran, schleunigst einzunehmen habe. War es nicht auch Schröder, der Putin einen "lupenreinen Demokraten" genannt hatte? Ja, hat er.

Schäubles Hitler-Vergleich

Doch so einfach liegen die Dinge nicht. Die Umarmung Putins mag das falsche Symbol sein, war aber keine demonstrative Aktion gegen die deutsche Außenpolitik. Die hat sich eher ein Wolfgang Schäuble geleistet, als er jüngst Putins Krimpolitik mit dem Einmarsch Adolf Hitlers ins Sudentenland verglich - eine geschichtsfälschende Geschmacklosigkeit. Wie Schäubles Attacke verbal daher kam, ist bis heute nicht ganz geklärt. Aber der Gedankenansatz dahinter hat die Gespräche mit Moskau gewiss mehr belastet als Schröders Umarmung mit Putin. Denn in Schäubles Worten steckt die Unterstellung, Putin steuerte auf ein globales Blutbad zu. Wie einst Hitler.

Tatsächlich hat Putin das Völkerrecht gebrochen. Aber das haben die Deutschen im Jugoslawienkrieg auch getan, wie Schröder jüngst anmerkte. Er sagte, deswegen verbiete es sich, den moralischen Zeigefinger zu recken. Damit liegt Schröder auf einer Linie mit Altkanzler Helmut Schmidt. Der hat Sanktionen wegen der Krim-Krise als "dummes Zeug" bezeichnet und die Reaktionen Russlands auf die Krise als "durchaus verständlich".

Lieber reden als schießen

Einig sind sich die Altkanzler mit ihren Kritikern, dass ein europäischer Krieg in jeden Fall vermieden werden muss. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, miteinander zu kommunizieren. Die Umarmung zwischen Schröder und Putin sah nicht gut aus. Aber es gibt Schlimmeres: Den Zustand, wenn keiner mehr miteinander redet. Und nur noch die Waffen sprechen.