Schwarz-gelber Koalitionsbeschluss Neue Stipendien schon ab 2010


300 Euro pro Monat und Nase - solche Stipendien will die schwarz-gelbe Koalition bundesweit für maximal 125.000 Studenten vergeben. Die FDP, insbesondere Nordrhein-Westfalens Innovationsminister Andreas Pinkwart, drücken bei der Umsetzung aufs Tempo.
Von Nikolai Fichtner

Wenn es nach dem FDP-Vize geht, soll das neue Stipendienmodell bald kommen. "Die Hochschulen sollten zum Wintersemester 2010/11 loslegen können", sagte Andreas Pinkwart der Financial Times Deutschland (FTD). "Unser Ziel ist, dass bis spätestens 2015 die besten zehn Prozent der Studierenden ein Stipendium bekommen."

Damit konkretisiert Pinkwart den Beschluss der Koalitionsrunde vom Wochenende. Im Entwurf des Koalitionsvertrags ist die Rede von einem "mittelfristigen" Ausbau. Bislang bekommen nur zwei Prozent der rund 1,3 Millionen Studenten in Deutschland ein Stipendium, die meisten über die etablierten Begabtenförderungswerke. Die Koalitionäre rechnen nun mit einem schrittweisen Ausbau auf zehn Prozent, also rund 125.000 Stipendien. Das würde bedeuten, dass pro Jahr 20.000 Stipendien zusätzlich vergeben werden.

Die Ausgestaltung der neuen Stipendien in Höhe von 300 Euro steht bereits fest: Sie sollen laut Entwurf "ausschließlich nach Begabung einkommensunabhängig vergeben" und zur Hälfte von Unternehmen finanziert werden. "Vorbild ist unser Stipendienmodell in Nordrhein-Westfalen, das bereits seit diesem Wintersemester läuft", sagte Pinkwart. Dort organisieren die Hochschulen die Stipendienvergabe selbst.

"Die Koalition gibt damit ein Signal für eine neue Stipendienkultur in Deutschland", sagte Pinkwart. "Ich rechne mit einem großen Interesse seitens der Unternehmen und anderer privater Förderer." In Nordrhein-Westfalen haben Stiftungen, Verbände, Unternehmen und Private in einem ersten Testlauf im Frühjahr Mittel für 1400 Stipendien bereitgestellt. Der Mindestbeitrag beträgt 1800 Euro pro Jahr und wird von Bund und Ländern in gleicher Höhe aufgestockt. Als Gegenleistung dürfen die Unternehmen die Förderkriterien mitbestimmen. So fördert der Maschinenbauer Pleiger explizit einen Maschinenbauer und die Sparkasse Herne einen Studenten aus Herne.

Die Kosten für das bundesweite Modell betragen in der letzten Stufe 450 Millionen Euro. Die Hälfte davon kommt aus der Wirtschaft, die andere von Bund und Ländern. Das Deutsche Studentenwerk (DSW) begrüßte am Montag das neue Modell als "hervorragende Idee", forderte jedoch, gleichzeitig das Bafög auszubauen. "Wir brauchen beides, mehr Stipendien und mehr Bafög", sagte DSW-Präsident Rolf Dobischat. Im Entwurf des Koalitionsvertrags heißt es lediglich, man wolle das Bafög "sichern und weiterentwickeln".

FTD

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