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Söder und Roth im Gespräch Gegen Atomkraft, aber natürlich uneins


Sie ist seit Jahrzehnten gegen Atomkraft, er erst seit zwei Wochen: Grünen-Chefin Claudia Roth und Bayerns Umweltminister Markus Söder sind sich trotzdem alles andere als einig. Im stern-Interview streiten sie über Atomenergie und die Folgen von Japan. CSU-Mann Söder lässt sich sogar zu einer überraschenden Äußerung hinreißen.

Bayerns Umweltminister, Markus Söder (CSU), ist für die endgültige Abschaltung der sieben ältesten deutschen Atomkraftwerke über das dreimonatige Moratorium hinaus. "Es würde uns als politisches Signal gut tun, wenn die älteren Reaktoren nicht wieder ans Netz gehen", sagte der CSU-Politiker in einem Interview mit dem stern.

"Die Nutzung der Kernenergie gehörte nie zum Markenkern der CSU", sagte Söder weiter. Die Katastrophe von Fukushima ändere jedoch "die geistige Grundarchitektur. Das Atomzeitalter geht zu Ende. Auch in Bayern. Aber noch nicht jetzt", so der Umweltminister. Zuvor müsse der Ausbau von Speicherkapazitäten und Stromnetzen forciert werden: "Es muss jetzt einen nationalen Kraftakt geben." Söder bekräftigt im stern darum seine Forderung nach einem Investitionsprogramm für einen "echten Technologiesprung". Die nötigen Mittel von sechs Milliarden Euro müsse der Bund tragen.

Claudia Roth: Grüne keine "Dagegen-Partei"

Im selben Interview wehrt sich Grünen-Chefin Claudia Roth gegen den von Unionspolitikern erhobenen Vorwurf ihre Partei sei eine "Dagegen-Partei", die den Ausbau von Stromtrassen und Pumpspeicherkapazitäten verhindere. "Wir müssen uns klar sein: Wenn wir den Umstieg wollen, dann brauchen wir Speicher!", sagte Roth auch an eigene Anhänger gerichtet. "Wir können nicht auf Bundesebene Beschlüsse fassen und dann vor Ort kneifen", so die Grünen-Politikerin weiter. "Auch wir Grüne müssen beweisen, dass wir gegen das Sankt-Florians-Prinzip sind."

Söders Kritik, die Grünen würden das Thema Atomkraft vor den anstehenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz politisch instrumentalisieren, wies Claudia Roth als "absurd" zurück. "Wenn das Wahlkampf wäre, wäre ich seit 30 Jahren im Wahlkampf", sagte die Grünen-Chefin im stern, "so lange sage ich nämlich schon: Diese Technologie ist nicht verantwortbar."


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